Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 818 Gäste online

Neue Kommentare

Giselheid Otto zu Dialog über Grenzen: Kunst aus Ost und West – Die Sammlung Riese: Lieber Herr Riese,
ich bin Michaelas Freun...

Willem van Rensenbrink zu „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”. Oder die Heimat des Zorns: Danke für den Tipp. Ein klarer Oscar-Kandidat!...
h. pöhls zu James Rosenquist. Eintauchen ins Bild – vom Plakatmaler zur Pop-Art-Ikone: war genauso beeindruckt. Gut beschrieben....
Gerd Kruse zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo Frau Lampert,
ich war durch meine He...

Herby Neubacher zu Elbphilharmonie: Das perfekte Buch zum Bau: Absolut richtig. Ich habe das gabnze Drama Elbphi...

Klartext

Klartext: Heiko Langanke

Drucken
(190 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 12. September 2012 um 12:00 Uhr
Klartext: Heiko Langanke 4.3 out of 5 based on 190 votes.

alt

Wer zahlt bestimmt die Musik
oder Der Paradigmenwechsel eröffnet neue Chancen, über eine Kultur von Hamburgern und für Hamburger zu beschließen
Im Januar 2013 soll sie kommen: die sogenannte Kulturtaxe. Manche nennen Sie „Bettensteuer“ oder „Matratzen-Maut“, andere schlicht Touristensteuer. Der Senat hat sie bereits beschlossen. Im Dezember 2012 soll sie dann durch die SPD-dominierte Bürgerschaft durch gewunken werden.


Schaut man sich den „Entwurf eines Hamburgischen Kultur- und Tourismustaxengesetzes“ mal etwas genauer an, erschließt sich der größere Zusammenhang und sein Bruch mit bisherigen Kultur-Paradigmen erst auf den zweiten Blick. Denn entgegen allen Unkenrufen gegen diese Steuer – sie weist auch neue Wege in eine längst fällige Kulturdebatte auf, frei nach dem Motto: „Wer zahlt, bestimmt die Musik!“

Im Gesetzentwurf wird die Steuer „als Sicherung der Zukunftsperspektiven der Hamburger Kultur, aber auch der Steigerung der Attraktivität Hamburgs als Wirtschafts- und Tourismusstandort“ verstanden. Denn „die kulturelle und touristische Anziehungskraft einer Stadt zählen zu den zentralen und weiter an Bedeutung gewinnenden Wettbewerbsfaktoren.“ Demnach soll auch eine Hälfte der zu erwartenden 8 bis 20 Millionen jährlichen Steuereinahmen der Hamburg Markting- und Tourismus-Wirtschaft zugute kommen. Die andere Hälfte der Kultur. Genauer gesagt der Kultur mit „touristischer Anziehungskraft“. So die Perspektive der zur Zeit regierenden SPD.

Das Geld würde ohne konkrete Verwendungsbindung zunächst in den allgemeinen Haushalt fließen, von wo es verteilt werden oder eben auch den Sparträumen des Regierenden Bürgermeisters Scholz dienen könnte. Die Entscheidungen träfe letztlich der Senat. Im untergeordneten Gremium wird quasi folgerichtig der Aufsichtsrat der Hamburg Tourismus GmbH beteiligt sein und eine gewichtige Stimme haben. Die Stimme der Kultursenatorin hingegen dürfte real betrachtet dabei als eine unter vielen und somit erheblich weniger prägnant ausfallen.

Klar, dass in einer Stadt, in der Sparen zum allumfassenden Glücksbringer erklärt wird, der Unmut vorprogrammiert ist. Warum aber beispielsweise hört man in der Kulturtaxen-Diskussion keine Empörung all der von den Sparzwängen betroffenen Stadtteilzentren, Bürgerhäuser, Geschichtswerkstätten?

Für uns im Süden Hamburgs – aber auch den anderen, mit weniger Strahlkraft versehenen „Außenbezirken" – stellt sich die Situation doch im Grunde noch absurder dar: Wir kommen in der Diskussion über die Kulturtaxe gar nicht erst vor!
Klar, es geht wie erwähnt um Kultur mit touristischer Strahlkraft und eben nicht um Kultur per se. Um es mal im hanseatischen Sprachgebrauch zu formulieren: um Kultur in den „üblichen Vierteln“: dem Hafen, der City, evtl. noch Ottensen, Schanze und Eppendorf. Der „Rest“ der Stadt dürfte bei all dem Glanzlicht eher schattig daher kommen. Demnach und im Grunde völlig konsequent wird in der Gesetzesvorlage auch benannt, welche Kultur im Konkreten „Leuchtturmcharakter“ habe: „z.B. große Kulturfestivals wie u. a. das Reeperbahnfestival, Elbjazz, Dockville oder die Lessingtage, Sonderausstellungen der Hamburger Museen oder große Theaterproduktionen (…) ebenso wie Sportgroßveranstaltungen und Events“.

Und hier offenbart sich der Paradigmenwechsel in der Hamburgischen Kulturdiskussion. Wurde bisher – wenn auch mit abnehmender Ernsthaftigkeit – dem Begriff der „Hochkultur“ die Begriffe „Stadtteil-, Sozio- und Subkultur“ gegenüber gestellt, ist nun eine weitere Dimension der Kulturdifferenzierung zur Staatsräson erklärt worden. Kultur für Auswärtige auf der einen und Kultur für „Einwohner“ auf der anderen Seite. Das birgt eine neue Denkrichtung.

Während der Hochkultur-Begriff dazu diente, Oper, Staatstheater, Elbphilharmonie oder Kunsthalle aus der unheilvollen Debatte um Budgets heraushalten zu können, wird mit der Kategorisierung in „Kultur für Hamburger versus Kultur für Auswärtige“ eine neue Ebene erreicht, deren Folgen weitreichender kaum sein könnten. Der Stadtbesucher wird dem Einheimischen gegenübergestellt.
Genau dieser Aspekt der Kulturunterscheidung findet sich in der bisherigen Debatte nicht. Sollte er aber! Denn im Grunde bringt er eine längst fällige Unterscheidung bei der Mittelverwendung öffentlicher Gelder gleich mit.

Steuern von Hamburgern für Hamburg! Steuern von Touristen für Touristen!
Fairer ginge es kaum.
Als Hamburger Steuerzahler hat man mehr als ein Recht auf eine (auch kulturell) lebenswerte Stadt. Jene Budgets, die von Hamburgern Steuerzahlern bislang für Kultur und Events von Touristen verwandt wurden, könnten nun aus dem Topf der Touristen-Steuer bedient werden. Im Umkehrzug aber auch jene Steuern von Hamburgern eben auch für Angebote für seine Kulturbedürfnisse. Die Unterscheidung dürfte dabei nicht mal allzu schwer fallen. Gleicht man nun aber die bisherigen Etats ab und würde dadurch die bisherigen Kulturausgaben um den „touristischen Faktor“ bereinigen, werden voraussichtlich mehrere Millionen Euro an Kulturgeldern nun für Hamburger Kulturangebote frei. Geld, das zum einen dringend fehlt, aber auch für weitere Investitionen in einen lebenswerte (Außen-)Bezirke führt.
Daher muss konsequenterweise die Forderung aller Hamburger Steuerzahler sein: Steuern aus der Region – für die Region! Auch für die Kultur!

Ihr Heiko Langanke


Heiko Langanke ist 1968 in Dortmund geboren, lernte später Gitarre bei u.a. Thomas Brill. War als Ehrenamtlicher tätig im Dortmunder „Jazzclub domicil“. Nach dem Abitur freier Journalist bei den Ruhr-Nachrichten, dann Studium der Politologie in Bonn und Hamburg.
Seit 1992 in Hamburg. Wirkt im JazzHaus Hamburg e.V. und dem Hamburger Jazzbüro mit. 2002 Gründung des Fördervereins Jazzclub Hamburg e.V., um den Weg zu einem neuen Jazzclub zu ebnen. 2005 Initiator des Jazzclubs im Stellwerk. Seither in einigen Projekten und u.a. im Vorstand des Berufsverbandes Clubkombinat HH tätig. Beruflich Inhaber der Marketing- und Beratungsfirma Langanke & Partner.

Hinweis: Die Inhalte von "Klartext" geben die Meinung der jeweiligen Autoren wieder. Diese muss nicht im Einklang mit der Meinung der Redaktion stehen.

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Kolumne > Klartext > Klartext: Heiko Langanke

Mehr auf KulturPort.De

Karl Schmidt-Rottluff: expressiv, magisch, fremd
 Karl Schmidt-Rottluff: expressiv, magisch, fremd



Gut Ding will Weile haben, heißt es. Manchmal erstaunlich lange Weile: Zum ersten Mal untersucht eine Ausstellung den Einfluss außereuropäischer Kunst auf das [ ... ]



„Alles Geld der Welt”. Die Kapitalismuskritik des Ridley Scott
 „Alles Geld der Welt”. Die Kapitalismuskritik des Ridley Scott



Elegantes Kidnapping-Drama als Psychogramm menschlicher Gier.
Rom, Juli 1973. „Bambino” nennen ihn die Prostituierten vom Piazza Farnese ironisch-mitleidig, [ ... ]



Machen sie mich schön, Madame d’Ora
 Machen sie mich schön, Madame d’Ora



Sie setzte mit großer Leidenschaft die schönen Dinge des Lebens in Szene: Die Mode. Die Kunst. Die feine Gesellschaft im Wien der K.u.k.-Monarchie und später  [ ... ]



Uri Korea – Ruhe in Beschleunigung
 Uri Korea – Ruhe in Beschleunigung



In den vergangenen Monaten machte Korea oft Schlagzeilen, aber immer war es Nordkorea, verbunden mit den Drohgebärden seines atomraketenverliebten Staatschefs K [ ... ]



„The Disaster Artist”. James Franco und der Kult um das Scheitern
 „The Disaster Artist”. James Franco und der Kult um das Scheitern



Vor vierzehn Jahren erlangte Tommy Wiseaus Leinwand-Epos „The Room” in Hollywood zweifelhafte Berühmtheit als „schlechtester Film aller Zeiten”. Lächer [ ... ]



Hamburger Kunsthalle – erneutes Finanzdefizit
 Hamburger Kunsthalle – erneutes Finanzdefizit



Zwei Mal hat die Freie und Hansestadt die Hamburger Kunsthalle mit großer Anstrengung entschuldet, jetzt muss sie wohl wieder in das Staatssäckel greifen: Das  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.