Zum Anfang

Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 1068 Gäste online

Neue Kommentare

Olivgrüner, harter Mann zu „Frantz” – Oder die tiefere Wahrheit der Lüge: Lubitsch? Na klar, das Szenario kam mir doch glei...
Friedrich von der Lange zu „Snowden” – Patriot oder Verräter? : Von keinem anderen, als von Ollie Stone hätte ic...
Hein Daddel zu „Alice und das Meer” – oder das Ende der Treue: Ein starker Film über eine starke Frau. Sehr gut...
Gerhard P. zu OKRA – Piano & Field Recordings: Wunderbar und spitzfindig geschrieben. Macht Spa...
Hans G. Gohlisch zu Chefredakteur von ZEIT ONLINE spricht über "Community Engagement und New Storytelling: Eigentlich habe ich einen Bericht über David Hoc...

Anzeige

Spezial - Lange Nacht der Museen Hamburg 2016

Spezial - Hamburger Architektur Sommer 2015


Klartext

Klartext: Adrienne Goehler

Drucken
(132 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Geschrieben von Adrienne Goehler  -  Dienstag, den 15. Mai 2012 um 09:25 Uhr
Klartext: Adrienne Goehler 4.6 out of 5 based on 132 votes.
Klartext

Während uns täglich "Uns-geht-es-prima"-Arbeitsplatzzahlen von Bundesregierung und ihrer Kanzlerin über die Medien erreichen, hat sich die Situation der KunstproduzentInnen und -wissenschaftlerInnen ohne Anstellung keineswegs verbessert.
Im Gegenteil: Seit dem Platzen der Bankenblase 2008 hat der Hype um die Kreativwirtschaft schlagartig aufgehört, der uns einige Jahre lang eine warme Prise gestiegener Wertschätzung und auch ein wenig Geld beschert hatte. Der Grund ist einfach: Als FreiberuflerInnen versauen wir keine Arbeitslosenstatistik und steigern keine Exportzahlen, der Fetisch einer jeden Regierung. Wir kriegen auch keine Zuschüsse von der Arbeitsagentur für Kurzarbeit: wir sind eine 'quantité négligable'. Die Kommunen zahlen die Zeche der Bankenrettung, sind ärmer denn je und reichen die Armut direkt an uns weiter: Denn Kultur ist keine Pflichtaufgabe!

Deshalb haben die Künste allen Grund neue, eigensinnige Wege zu beschreiten, die ihre gesellschaftliche Relevanz sichtbar werden lassen: Kreativität ist der Rohstoff des 21. Jahrhunderts.

Die Kulturgesellschaft stützt sich auf die Kreativität, Vorstellungskraft und Phantasie der Menschen. Sie sind der wichtigste Rohstoff in Hochpreisländern ohne Bodenschätze. Allerdings ist Kreativität von Strömung und Umfeld abhängig, flüchtig, nicht Vorrat. Sie braucht Bedingungen, um sich ständig erneuern zu können und so Quelle von Nachhaltigkeit zu sein. Denn die große Gegenspielerin der Kreativität ist die Existenzangst. Existenzangst lässt erstarren. Das gilt freilich nicht nur für die Künste und Wissenschaften.

Ein bedingungsloses, existenzsicherndes Grundeinkommen, das Allen eine Teilhabe am gesellschaftlichen und kulturellen Wohlstand zusichert, ist eine Alternative, die im Nachdenken über eine gerechte Gesellschaft eine zentrale Rolle einnimmt. Wer auf die Entfaltung und Entwicklung jedes Einzelnen setzt, kommt um eine Auseinandersetzung mit der Idee des Grundeinkommens nicht herum.

Was wir denken können, können wir auch realisieren. Und an vielen Ecken wird laut über die Kernfrage nachgedacht: »Was würde ich arbeiten, wenn für mein Einkommen gesorgt wäre?« Diese Frage ist zugleich verunsichernd, wie sie die Phantasie und die Imagination entfesselt, sie lädt zum Tagträumen, zum Verwerfen, zum verschwenderischen Neu-Denken ein und führt zur größeren Frage: »Wie wollen und wie können wir eigentlich leben, wenn wir nicht unter den Drohungen von vereinzelnder Existenzangst stehen, wenn wir unsere Fähigkeiten uns und der Gesellschaft zur Verfügung stellen könnten?

Die Idee knüpft an die humanistischen Ideale der Aufklärung an und schreibt sie ganz und gar unblutig weiter. »Freiheit, Gleichheit, Grundeinkommen« würden dann wirklich für alle Menschen – Frauen wie Kinder und Männer – gelten. Es entwickelt den Menschheitstraum von freien und gleichen Entfaltungsmöglichkeiten weiter. Zwei Jahrhunderte und zwei Jahrzehnte nach der Französischen Revolution könnte das Grundeinkommen den dringend notwendigen gesellschaftlichen Schub auslösen, um Leben, Arbeit, Gemeinschaft, Kümmern ganz anders zu verstehen.

Ihre Adrienne Goehler


Adrienne Goehler (*13. Oktober 1955 in Lahr im Schwarzwald) ist diplomierte Psychologin, ehemalige Präsidentin der Hochschule für bildende Künste in Hamburg und war Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Berlin. Sie lebt und arbeitet als Publizistin und Kuratorin in Berlin. Seit Jahren plädiert sie für das Grundeinkommen.

Hinweis: Die Inhalte von Klartext geben die Meinung der Autoren wieder. Diese muss nicht im Einklang mit der Meinung der Redaktion stehen.

Foto: Claus Friede

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

avatar Anton
+1
 
 
Ein sehr sehenswerter Beitrag zum Thema Grundeinkommen! Ein Filmessay von Daniel Häni und Enno Schmidt.
http://www.youtube.com/watch?v=XqJjWe1QeUY
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Mehr auf KulturPort.De

„Frantz” – Oder die tiefere Wahrheit der Lüge
 „Frantz” – Oder die tiefere Wahrheit der Lüge



In seinem elegischen Nachkriegs-Epos inszeniert Regisseur François Ozon die schmerzhafte Verstrickung von Trauer, Träumen, Schuld und Liebe als deuts [ ... ]



Knauer, Safaian, Schumacher: Zeitloses Treiben in Bachs Notenmeer
 Knauer, Safaian, Schumacher: Zeitloses Treiben in Bachs Notenmeer



In der CD-Reihe „Neue Meister“ präsentieren Arash Safaian, Sebastian Knauer und Pascal Schumacher die Musik nach Motiven von Bach so, wie der Meiste [ ... ]



Reeperbahn Festival 2016: Auf der Suche nach der Kunst
 Reeperbahn Festival 2016: Auf der Suche nach der Kunst



Die Autorin dieses Beitrags ist begeisterte Reeperbahn Festival-Besucherin, schaut sich aber neben dem umfassenden Konzertangebot besonders gerne im „Arts& [ ... ]



Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper
 Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper



Radikal entschlackt, mit großen Lichtvorhängen ins Computerzeitalter gebeamt, lässt Regisseurin Jette Steckel die Neuinszenierung von Mozarts Opernhit „ [ ... ]



„Snowden” – Patriot oder Verräter?
 „Snowden” – Patriot oder Verräter?



Das Schlachtfeld heißt Cyberspace, und für US-Regisseur Oliver Stone ist sein Protagonist ein Widerstandskämpfer mit Vorbildfunktion. Ziviler Ung [ ... ]



Ars apodemica – Foto-Text-Reisen mit Boris von Brauchitsch
 Ars apodemica – Foto-Text-Reisen mit Boris von Brauchitsch



„Manchmal fotografiert man die Welt, um sie und sich selbst besser verstehen zu können, eignet sich Dinge durch Abbilder an, um sie sich zu gegebener Zeit [ ... ]



Weitere aktuelle Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.