Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 993 Gäste online

Neue Kommentare

Phil zu "A Ghost Story". Der wehmütige Minimalismus des David Lowery: Rooney Mara ist wirklich zu bewundern für ihren ...
Herby Neubacher zu Kopf-Hörer 19 - für den Advent geeignet: Ja, da war doch was mit dem Advent? Ach ja, da wu...
franky zu 10 Jahre Lichte Momente 2017 – Outdoor-Videoprojektionen in Osnabrück : Lichte Momente sind großartig und machen richtig...
Dr. Seán Ó Riain, Irische Botschaft, Wien zu Hamburg vergibt Förderpreise für Literatur und literarische Übersetzungen 2017: Ich gratuliere recht herzlich Frau Gabriele Haefs...
Herby Neubacher zu Weihnachtsoratorium vom Ensemble Resonanz: Frohlocken unter Freunden: Die Geschmacklosigkeit schreckt wirklich heute vo...

Klartext

Klartext Stefan Hentz: Elbjazz. Volle Kraft zum Stillstand

Drucken
(148 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Freitag, den 08. Januar 2016 um 10:00 Uhr
Klartext Stefan Hentz: Elbjazz. Volle Kraft zum Stillstand 4.8 out of 5 based on 148 votes.
Klartext Stefan Hentz: Elbjazz. Volle Kraft zum Stillstand

Es ist so schade, es hatte sich ja positiv entwickelt, dieses Elbjazz Festival.
Es hat seinen Gästen, sowohl denjenigen aus Hamburg als auch denjenigen, die ihre Städtereise mit einem Festivalbesuch verbanden, neue Perspektiven auf die Stadt eröffnet. Darüber hinaus hatte es immer wieder große Stars des Genres auf die Hauptbühne bei Blohm+Voss gelockt – das war die eine Seite, das was man erwarten konnte. Die andere Seite war, dass daneben in den teilweise nicht ganz einfach zu erreichenden Spielstätten abseits der legendären Werft Musiker ihre Kunst präsentieren konnten, die im internationalen Jazz zwar längst zu den Top-Acts zählen, in Hamburg ansonsten jedoch nie zu hören waren.

Mit diesem Engagement für den aktuellen Jazz machte Elbjazz Hamburg überhaupt erst zu einem Punkt auf der Landkarte des internationalen Jazz. Das Kunststück, diese beiden Schichten so miteinander zu verbinden, dass ihr Nebeneinander zwangsläufig erscheint, ist die hohe Kunst der Festivalgestaltung, und sie kristallisiert sich in der Person der bisherigen künstlerischen Leiterin, Tina Heine.

Zusammen mit ihrer Kollegin Nina Sauer hat Tina Heine nicht nur das Festival auf der Basis der Überzeugungskraft ihres eigenen Enthusiasmus überhaupt erst möglich werden lassen, die gelernte Kirchmusikerin, erfahrene Gastronomin und mitreißende Menschensammlerin hat mit ihrem eigenen Geschmack als Kompass dafür gesorgt, das Elbjazz den Jazz anders präsentierte als ihn seine Verächter zu sehen lieben. Jazz, so konnte man hier erleben, ist kein Historienschmankerl mit verdienten Stars von gestern, den man mit Appetithäppchen aus dem Bereich des Pop in eine verdauliche und zeitgenössische Form bringen muss, sondern als eine Kunstform, in der Geschichte und Gegenwart sich respektvoll die Hand reichen. Eine Kunstform zudem, die so offen ist für das musikalische Geschehen jenseits seiner stilistischen Grenzen, dass diese Grenzen bisweilen verschwimmen, und kaum ein Veranstalter sich den Appetithäppchen in den Weg stellt. Es war das Verdienst der bisherigen künstlerischen Leitung von Elbjazz, die Balance zwischen Kommerz und Kunstanspruch, in zunehmendem Maße in den eigenartigen Charme des Festivals umzumünzen.
Die Hoffnung, dass diese Balance, die den eigentümlichen Charme von Elbjazz begründete, nach der Trennung von Tina Heine, auch nur angestrebt wird, ist gering: Im Zusammenspiel der verbleibenden Gesellschafter, der Konzertagenten Folkert Koopmans von der Konzertagentur FKP Scorpio und Karsten Jahnke mit seiner gleichnamigen Firma, die in den vergangenen Jahren erhebliche Verluste mit dem Festival einfahren mussten, weisen nun alle Schilder in Richtung „business as usual“. Koopmans ist ein erfahrener Festivalveranstalter, der aber mit beiden Füßen im Bereich der großen Zahlen steht, in Sachen Pop und Rock. Musikalisches Interesse an Jazz hat ihm noch niemand nachgesagt. Das ist bei Karsten Jahnke, der mit seiner Leidenschaft für den Jazz seit mehr als einem halben Jahrhundert einer der wenigen verlässlichen Unterstützer des Jazz in Hamburg war, entschieden anders. Doch Karsten Jahnkes Jazzbegeisterung hat einen engen Rahmen, Jahnke ist ein Freund von Glamour und der traditionellen Virtuosenkunst – die Klangforschung und die Interaktionsformen der jüngeren Entwicklungen im Jazz sind ihm eher fremd geblieben. Ein Vertreter jenes „Old-Boy-Networks“, das den Zugang zum Jazz in Deutschland seit langem dominiert, und der nun in dieser neuen Allianz der Konzertveranstalter die Gelegenheit über Bord wirft, die Stabübergabe zwischen den Generationen weiter voran zu treiben, die zumindest für den Hamburger Jazz zuvor plötzlich als ein denkbares Modell erschienen war. Auch diese Chance ist nun perdu.

Es mag ein ermutigendes Signal sein, dass die Kulturbehörde nun die Hoffnung erweckt, den Zuschuss zum Festival zu erhöhen. Wenig ermutigend ist jedoch, dass die Kulturbehörde dieses Signal ausgerechnet in einem Moment aussendet, da Elbjazz die Balance zwischen Glamour und Experiment zu verlieren scheint, die es zu einem interessanten und über die Stadtgrenzen hinaus beachteten Festival gemacht hat. Deutlich wird damit einmal mehr, wie wenig die Kulturverwaltung noch immer begriffen hat, was ihr Fach von der allgemeinen Wirtschaftspolitik unterscheidet, wo es vielleicht (auch hier gibt es erhebliche Zweifel) sinnvoll sein könnte, nach den großen Zahlen zu schielen, nach größtmöglicher Anschlussfähigkeit, und sich nach den Platzhirschen am Markt zu orientieren. Im Bereich der Kunst und einer Musik, die sich nicht in erster Linie als Ware versteht, wäre eine Perspektive gefordert, die in Rechnung stellt, dass künstlerische Qualität konsequente Zuspitzung und strukturelle Stringenz erfordert, und Künstler und Musiker notwendiger Weise dem breiten Publikum immer mindestens einen Schritt voraus sind. Kunst und Musik sind also weder Äpfel noch Birnen, und schon im Sinne der Steuerzahler, um deren Geld es hier letzten Endes geht, wäre es wünschenswert, dass die Hüter des Geldes diesen kleinen Unterschied (und seine großen Folgen) verstanden haben. Doch bisher lässt diese Kulturverwaltung nicht erkennen, dass sie begriffen hat, dass Musikstadt etwas ist, das man nicht kaufen kann. Nicht durch Senatsbeschluss und spektakuläre Gastspiele von Spitzenorchestern entstehen Musikstädte, sondern dadurch, dass man entschlossen und konsequent geeignete Arbeitsmöglichkeiten für die vielen örtlichen Musiker schafft, Orte, an denen Musiker ihrer Arbeit nachgehen und Zuhörer die Gelegenheit haben, an der Entstehung neuer, aktueller, zeitgenössischer Musik Teil zu haben. In keinem Bereich der Musik geht das besser, mitreißender, sinnlicher als im Jazz, wo schon per definitionem alles fließt.
Leuchttürme sind nicht das Meer, sie zeigen nur dessen Rand.

Stefan Hentz arbeitet als freier Journalist (Die ZEIT, Neue Zürcher Zeitung, WDR u.a.) in Hamburg.


Hinweis: Die Inhalte von "Klartext" geben die Meinung der jeweiligen Autoren wieder. Diese muss nicht im Einklang mit der Meinung der Redaktion stehen.


Abbildungsnachweis:
Header: Detail und Montage eines Fotos von Mathias Pätzold

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

avatar Karsten Jahnke
+2
 
 
Hallo Stefan Hentz,

bei aller Enttäuschung über die Tatsache, dass das ELBJAZZ FESTIVAL
in diesem Jahr nicht stattfindet, kann ich nicht nachvollziehen, dass Du
jetzt schon – immerhin 17 Monate vor dem Festival 2017 – schreibst, es
würde weder von Folkert noch von mir überhaupt angestrebt, den
Charme des Festivals zu erhalten.

Keep swinging
Karsten
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
avatar james schmidt
+6
 
 
Dafür sind viele andere Wahrheiten von Hentz beschrieben auf die sie Herr Jahnke hier nicht eingehen. Selbstkritik Fehlanzeige — typisch
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Kolumne > Klartext > Klartext Stefan Hentz: Elbjazz. Volle Kraft z...

Mehr auf KulturPort.De

Golnar & Mahan – Derakht
 Golnar & Mahan – Derakht



Ein Repertoire zwischen Weltmusik und Jazz: die Album-Neuerscheinung der beiden in Teheran geborenen – der Komponistin und Sängerin Golnar Shahyar und des Oud [ ... ]



Mike Stern: Trip
 Mike Stern: Trip



Eigentlich war Mike Stern auf dem Weg zum Flughafen, um eine Europatournee zu starten. Ein Unfall, bei dem er sich beide Oberarmknochen brach, brachte ihn dann i [ ... ]



Anton Melbye: Maler des Meeres
 Anton Melbye: Maler des Meeres



Unter dem Titel „Anton Melbye – Maler des Meeres“ findet im Altonaer Museum in Hamburg eine umfangreiche Ausstellung des dänischen Künstlers statt, der v [ ... ]



Johann Joachim Winckelmann – dem Stammvater der Archäologie zum 300. Geburtstag
 Johann Joachim Winckelmann – dem Stammvater der Archäologie zum 300. Geburtstag



Am 9. Dezember 2017 jährt sich der 300. Geburtstag von Johann Joachim Winckelmann.
Als Sohn eines armen Schuhmachermeisters 1717 in Stendal, Sachsen-Anhalt geb [ ... ]



„Drei Zinnen". Oder die Abgründe einer Kinderseele
 „Drei Zinnen



Jan Zabeil inszeniert sein subtiles, visuell virtuoses Familiendrama als verstörendes Survival-Epos.
Mag er eigentlich diesen kräftigen, sportlich durchtraini [ ... ]



Jhumpa Lahiri sagt: "Mit anderen Worten – Wie ich mich ins Italienische verliebte"
 Jhumpa Lahiri sagt:



Als die Pulitzer-Preisträgerin des Millenniumjahrs 2000 Jhumpa Lahiri vor zwei Jahren vom amerikanischen Ex-Präsidenten Barack Obama die "National Humanities M [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.