Bildende Kunst

Der Hamburger Unternehmer Heinz Lohmann und seine Frau Ulla haben sich seit ihren Studienzeiten der bildenden Kunst verschrieben. Längst prägt die Kunst auch die Räume von LOHMANN konzept, dem Büro für Gesundheitswirtschaft.

 

Zur „add art“ 2023 öffnet es ab morgen zum neunten Mal seine Türen.

 

Heinz Lohmann

Isabelle Hofmann traf Heinz Lohmann (LOHMANN konzept), langjähriger Teilnehmer der „add art“ zum Gespräch.

 

Isabelle Hofmann (IH): Sie begleiten die „add art“ fast seit Anfang an kontinuierlich. Was hat dieses Ausstellungsformat in der Unternehmenskultur der Stadt verändert?

 

Heinz Lohmann (HL): Wir befinden uns derzeit in einem ganz starken Umbruch. Das Thema Innovation beherrscht die Wirtschaft, Digitalisierung, KI, und so weiter. In solchen Phasen versucht man, Stärkung und Halt zu finden, diese Funktion kann die Kunst wahrnehmen. Die „add art“ hat klargemacht, dass die Bereiche Wirtschaft und Kunst mehr miteinander zu tun haben als nur Geld.

 

IH: Was hat Sie persönlich bewogen, die Türen für Besucher zu öffnen?

 

HL: Kunst ist in unserem Büro allgegenwärtig und ein wichtiges Dialog-Element. Wir haben Kunst nicht als Schmuck an den Wänden. Sie ist vielmehr Inspiration für Innovation, regt das Denken an. Normalerweise können unsere Werke aber nur die Menschen sehen, die mit uns zusammenarbeiten. Wir haben gedacht, dass die Kunst auch für Menschen interessant könnte, die nichts mit der Gesundheitswirtschaft zu tun haben.

 

IH: Das hat sich offenbar bestätigt.

 

HL: Ja. Wir fragen uns jedes Jahr, ob wir uns der Öffentlichkeit sozusagen noch anbieten können, wir haben ja immer dasselbe an den Wänden. Aber Jahr für Jahr kommen immer mehr Besucher - für die wir übrigens immer ein kleines Geschenk haben.

 

IH: Welchen Mehrwert ziehen Sie aus der „add art“?

 

HL: Wir streben keinen materiellen Mehrwert an. Wir sammeln auch nicht, um Wertsteigerungen zu realisieren, sondern ausschließlich, um Anregungen zu bekommen. Und die bekommen wir in hohem Maße durch die Besuchergruppen, die über die „add art“ zu uns kommen. Die stellen viele Frage, mit denen wir uns sonst nicht beschäftigt hätten. Für uns ist das so anregend, dass wir weitermachen

 

IH: Wer kommt zu Ihren add art-Führungen?

 

HL: Viele spannende Leute, aus der Nachbarschaft, aber auch Leute aus dem Gesundheitsbereich. Kunst ist ein kleiner Katalysator, um Kontakte herzustellen. Viele haben selbst Kunst in den Büroräumen, aber so eng wie wir im Dialog mit der Kunst arbeiten, tun das die wenigsten.

 

IH: Ihre Sammlung ist ausgesprochen vielseitig: Konzeptkunst, zeitgenössische Malerei, Mail Art, Arbeiten in Öl, auf Papier, Lichtobjekte, Skulptur. Die Bandbreite reicht von Hans Braumüller über Klaus Geldmacher und Barbara-Kathrin Möbius bis zu MAKSA, Ilka Vogler und Yun-Sook Song. Was ist der gemeinsame Nenner der rund 35 Positionen?

 

HL: Es sind alles Künstlerinnen und Künstler, die sich mit kulturellem und technischem Wandel beschäftigen, auch mit interkulturellem Wandel. Ihre Kunst speist sich aus dem Spannungsverhältnis der verschiedenen Sozialisationselemente in ihrem Leben – und das wiederum ist eine Parallele zu dem, was wir beruflich machen. Wir beschäftigen uns mit den Veränderungsprozessen in der Gesundheitswirtschaft und profitieren von der Analogie zwischen Kunst und Wirtschaft. Es gibt erstaunliche Übereinstimmungen.

 

IH: Beispiele für diese Analogien?

 

FvTraubenberg WertpapierHL: Der Fotograf und Konzeptkünstler Falk von Traubenberg hat für einen Gesundheitswirtschafts-Kongress 2016 zwölf sogenannter „Wertpapiere“ hergestellt. Es waren nummerierte und signierte Computerausdrucke. Die haben wir auf dem Kongress zum Kauf angeboten – verbunden mit der Fragestellung: Hat das überhaupt einen Wert? Wir haben dann über Ökonomie diskutiert und die Frage: Welche Bedeutung hat Ökonomie für die Medizin? Ist sie überhaupt ein Wertmaßstab für die Medizin? Oder für die Kunst?

 

IH: „Kunst kann heilen helfen“, haben Sie einen Vortrag genannt. Das gilt wohl auch für János Nádasdy, einem wichtigen Künstler Ihrer Sammlung. Der gebürtige Ungar hat mehrmals in Krankenhäusern gezeichnet und fotografiert, einmal sogar in der Herzchirurgie. Mit welcher Resonanz?

 

HL: Die Leute aus der Abteilung waren zunächst irritiert. Sie hielten die Serie „Operation Herz“ von Nádasdy für viel zu dramatisch. Aus ihrer Alltagssicht war ihr Arbeitsplatz viel „normaler“. Daraus hat sich eine wunderbare Diskussion entwickelt. Das OP-Team ist nach Hause gegangen mit dem Vorsatz, den Blickwinkel zu ändern, das eigene Arbeitsfeld kritisch zu reflektieren und mehr Verständnis für die Ängste der Außenstehende, also für die Patienten und ihre Angehörigen, zu entwickeln. Die Tatsache, dass Bilder aufrütteln können und daraus ein neues Verständnis entsteht – das nennen wir den „Dialog mit der Kunst“. Das ist ein immaterieller Wert, aber ein einzigartiger!

 

IH: Die „add art“ hat sich die die Förderung von Nachwuchstalenten auf die Fahnen geschrieben. Harald A. Finke, Ihr „Residenzkünstler“ in diesem Jahr, ist jedoch über 80 Jahre alt…

 

HL: Aber ganz jung im Kopf! Harald Finke beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Pflanzenwelt und leitet Analogien für die menschliche Existenz ab. Über ein Computerprogramm setzt er die Oberflächenspannungen der Pflanzen in Muster und Strukturen um – in eine Pflanzenschrift. Der Künstler taucht tief in die Biologie ein und will sichtbar machen, wie Pflanzen miteinander kommunizieren können. Vor 20 Jahren hat die Forschung das belächelt. Heute weiß man, dass Pflanzen kommunizieren. Als Teil der Natur ist der Mensch integrativ mit der Pflanzenwelt verbunden. Es ist gewiss, dass Leben immer in Abhängigkeit von anderem Leben existiert. Harald Finke stellt die Frage, was wir von den Pflanzen lernen können. Ich habe das ausführlich in unserem Buch „mal UNDENKBARES denken“ dargelegt.

 

Mahaviras Fuß Drachenbaum HAFinke 2020

Harald Finke: Mahaviras Fuß, Drachenbaum, 2020

 

IH: Das Buch, das Sie erwähnen, umfasst über 80 chronologisch geordnete Katalogbeiträge und Eröffnungsreden seit Mitte der 1990er Jahre, die Ulla Lohmann und Sie geschrieben und gehalten haben. Ein Vermächtnis, zumal einige der über 70 Künstler*innen, die Sie beide in der eigenen Galerie C 15 als Sammler und Mäzene unterstützt haben, mittlerweile nicht mehr leben. Was sind die nächsten Projekte?

 

HL: Wir wollen eine Stiftung auf die Beine stellen, die dann Künstlerinnen und Künstler insbesondere über Katalogförderung und Projektförderung unterstützt. Und wir denken darüber nach, einen eigenen Kunstpreis ins Leben zu rufen. Hoffentlich können wir beides im kommenden Jahr realisieren.


add art 2023

LOHMANN konzept, Stormswg 3, in 22085 Hamburg-Winterhude,

add art-Führungen: 17.11.23, 17.30 Uhr und 18.11.23, 14 Uhr/15.30 Uhr. (Anmeldungen über www.addart.de/2023/unternehmen-und-kunst-2023/lohmann-konzept).

Besichtigungen ohne Anmeldung: 17.11.23, 16-20 Uhr, 18.11. 13-17 Uhr.

Weitere Informationen (addart)

 

Das Buch von Ulla und Hein Lohmann, „mal UNDENKBARES denken. Dialog mit der Kunst“, ist 2022 im medhochzwei Verlag, Heidelberg, erschienen.

 

YouTube-Video:
add art Hamburg 2023 - Sammlung Lohmann konzept / Harald A. Finke (2:16 Min.)

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