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Entwendeter Elfenbeinhumpen kehrt nach über 70 Jahren nach Gotha zurück

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Donnerstag, den 08. Februar 2018 um 10:48 Uhr
In den unmittelbaren Nachkriegsjahren aus dem Auslagerungsort in der Fürstengruft ent-wendet, kehrt ein aus Elfenbein geschnitzter, in Goldschmiedearbeiten gefasster Deckelhumpen nun in die Stiftung Schloss Friedenstein in Gotha zurück. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte den Ankauf des in den 1670er-Jahren gefertigten Beispiels Danziger Kunstfertigkeit.
 
Mit großer Bestimmtheit wendet sich die Figur des Hohepriesters Aaron vom Kalb zu sei-ner Rechten ab. Als goldenes Götzenbild von seiner Hand geschaffen, scheint das Tier von Aarons Abwehr jedoch unbeeindruckt. Das nur sechs Zentimeter hohe Figurenpaar bekrönt den vergoldeten Silberdeckel eines Humpens, in dessen umlaufende elfenbeinerne Wandung die Anbetung des Tieres geschnitzt ist. Dank Danziger Beschauzeichen und der Meistermarke des Goldschmieds Johann Ernst Kadau(w) II. (Meister 1674, gestorben 1690) wusste die Forschung bereits um den Künstler der Fassung dieses Gothaer Prunkgefäßes – von welcher Hand die filigranen Elfenbeinarbeiten hingegen stammten, war bisher unbekannt. Unter den Schätzen der Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums in Wien befindet sich jedoch ein Humpen, der formal wie ikonografisch mit dem Thüringer Exemplar korrespondiert: Hier ist es Moses, Aarons jüngerer Bruder, der auf die Gesetzestafeln gestützt den Humpen ziert. Dieses Exemplar schrieben Experten aufgrund stilistischer Übereinstimmungen mit einem weiteren Wiener Schmuckstück – dem einzigen von Christoph Maucher (1642–1706/07) signierten und datierten Werk – bereits dem Danziger Bernstein- und Elfenbeinschneider Maucher zu. Im Vergleich mit den Wiener Werken kam nun auch die Forschung einen Schritt weiter auf der Suche nach dem Schnitzer des Gothaer Gefäßes: Seine kunstvolle Reliefarbeit entstammt vermutlich ebenfalls Mauchers Hand.

Herzogs Johann Adolf I. von Sachsen-Weißenfels (1649–1697). Im Jahr 1689 beschenkte dieser seinen Schwager Herzog Friedrich I. von Sachsen-Gotha-Altenburg (1646–1691) mit dem Gefäß, auf dessen Wandung die Anbetung des goldenen Kalbes eingeschnitten war. Aus der Sammlung Herzog Friedrich I. gelangte das Exemplar schließlich in die Gotha’sche Kunstkammer. In deren Inventar aus dem Jahr 1721 wird das Stück als eine „aus Helfenbein gearbeitet[e] Kanne, woran die Historie der Kinder Israel da sie sich bey dem Güldenem Kalbe frölig bezeugen“ verzeichnet.
 
1945 entwendete ein Mitarbeiter der Schlossbibliothek eben diese „Kanne“ aus der Fürstengruft des Schlosses, wohin sie noch zu Kriegszeiten ausgelagert worden war. Um den bestmöglichen Schutz ihrer Exponate bemüht, hatten die Verantwortlichen den zierlichen Aufsatz getrennt von seinem Humpen verpackt. Ein Maß an Umsicht, das dem Dieb wohl nicht gegeben war: Er ließ die Figur des Aaron zurück. Nicht nur Entwendungen wie diese setzten der Sammlung in Gotha stark zu; wie kaum ein anderes erlitt das Museum schmerzhafte Verluste durch die Folgen des Zweiten Weltkriegs. Ihrem zentralen Anliegen entsprechend, Museen dabei zu unterstützen, ihre historischen Sammlungen wiederherzustellen, engagiert sich die Kulturstiftung der Länder seit 1993 auch für die heutige Stiftung Schloss Friedenstein Gotha: Neben der Förderung der Verlustdokumentation, die seit 2000 auch digital beim Art Loss Register und der deutschen Lost Art Datenbank erfasst ist, stand die Kulturstiftung der Länder gleichermaßen bei konkreten Rückführungen einzelner Objekte beratend wie fördernd zur Seite. Als der Humpen 2015 in einem Heidelberger Auktionshaus erstmals wieder auftauchte, gelang es dem Museum weder über den juristi-schen noch den außergerichtlichen Weg, den Humpen nach Gotha zurückzuführen. Erst über die Zwischenstation in einer Bremer Kunsthandlung konnte die bedeutende kunsthandwerkliche Arbeit 2017 von der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha für die eigene Sammlung zurückerworben werden. Die Kulturstiftung der Länder, die Thüringer Staatskanzlei und die Ernst von Siemens Kunststiftung unterstützten den Ankauf.

Quelle: Kulturstiftung der Länder

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