Zum Anfang

Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 631 Gäste online

Neue Kommentare

El Duderino zu „Elle” – Von Rache, Unterwerfung und der Komik des Schreckens : Isabelle Huppert ist die wohl beste Schauspieleri...
Anna Grillet zu „The Salesman” – Oder die Grenzen des Glücks : Ein Trailer verrät meiner Ansicht nach über ei...
Iha zu „The Salesman” – Oder die Grenzen des Glücks : Eure Besprechung ist sehr gut und zutreffend. Abe...
Isabel Mahns-Techau zu Die 17. Museumsnacht in Basel – Ein Erlebnisbericht: Lieber Claus, um diese Nacht in Basel bist Du wir...
Herby Neubacher zu Elbphilharmonie: routinierter Start im TV, Gänsehaut exklusive. Die Eröffnung im Fernsehen: Ich denke - und das wird sicher wieder nicht vero...

Anzeige

Spezial - Lange Nacht der Museen Hamburg 2016

Spezial - Hamburger Architektur Sommer 2015


News-Port

Enteignungsgeschichte erzählen und Forschung vorantreiben

Drucken
Mittwoch, den 10. Februar 2016 um 16:33 Uhr

Seit 1960 verwahrt das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) rund 3.000 Silberobjekte, die infolge einer Beschlagnahmeaktion während der NS-Zeit in seine Sammlung gelangten. Hamburg einigte sich mit „Jewish Trust Corporation“ auf die Zahlung eines Ausgleichsbetrags für das verbliebene Silber, das nicht an die einstigen Besitzer oder ihre Erben zurückgegeben werden konnte.


Offen ist jedoch die Frage, wie die museale Arbeit mit einem Kulturgut aussehen kann, das so unmittelbar mit dem Holocaust verbunden ist und die Museen zugleich in die Pflicht nimmt, es jederzeit zurückzugeben, wenn Ansprüche geltend gemacht werden. Im Rahmen seiner Ausstellung Raubkunst? Provenienzforschung zu den Sammlungen des MKG thematisiert das Museum seit Oktober 2014 zum ersten Mal die Geschichte seiner Silberbestände. Am 4. und 5. Februar lud das MKG in Kooperation mit der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius Wissenschaftler aus Museen und historischen Forschungseinrichtungen sowie Vertreter jüdischer Institutionen zu einem Symposium ein, um einen angemessenen Umgang mit diesen Silberbeständen zu diskutieren. Grundsätzlich liege es, so ein zentrales Fazit der Gespräche, in der moralischen Verantwortung der betreffenden Museen, immer wieder für das Thema zu sensibilisieren und den Umgang mit den Objekten transparent zu machen. Für eine fundierte Forschung seien die Zugänglichkeit relevanter Dokumente, ein kontinuierlicher Informationsaustausch und der interdisziplinäre Dialog wichtige Voraussetzungen. Am Beispiel der in großen Mengen vorhandenen Silberbestände hätten die Museen außerdem die Aufgabe aufzuzeigen, wie sich die Enteignungsgeschichte des Nationalsozialismus durch alle Bevölkerungsschichten zog. Dafür sollten geeignete Ausstellungsformen und Vermittlungsformate gefunden werden.

 

In der Forschung gelte es, alle Möglichkeiten auszuschöpfen. Für eine grundlegende Bestandsaufnahme müsste die Archivbestände der Museen zur Verfügung stehen und digitalisiert werden. Die Bilddaten der Silbergegenstände sollen den Opfern und deren Erben, etwa auf dem Online-Portal www.lostart.de, zugänglich gemacht werden. Ebenso sei es unverzichtbar, Datenbanken in Bibliotheken und Archiven zugänglich zu halten und Forschungsergebnisse für die öffentliche Nutzung zur Verfügung zu stellen. Für eine fundierte und zeitnahe Herkunftsforschung müssten die Kulturinstitutionen aber auch mit ausreichenden personellen und finanziellen Mittel ausgestattet werden. Eine zentrale Aufgabe der Provenienzforscher sei der intensive Austausch etwa mit Wirtschafts-, Rechts- und Zeithistorikern. Wichtige Impulse kämen auch von Herkunftsforschern ethnologischer Disziplinen, die bereits seit 30 Jahren wertvolle Erfahrungen in der Aufarbeitung der europäischen Kolonialgeschichte gesammelt haben.

 

Die Silberbestände aus ehemals jüdischem Besitz bieten den Museen eine Chance, über ein Phänomen der Enteignungsgeschichte zu sprechen, das bisher kaum im Fokus der Öffentlichkeit steht. Die Beschlagnahme oder der Zwangsverkauf originaler Gemälde oder Kunstsammlungen spiegeln die Verstrickungen der bürgerlichen Schichten im Nationalsozialismus wider. Die Masse der Silberobjekte zeigt darüber hinaus exemplarisch, dass unzählige Alltagsgegenstände wie Geschirr, Silber oder Möbel auch aus den Haushalten jüdischer Mittel- und Arbeiterschichten unrechtmäßig entzogen wurden, etwa durch Beschlagnahme von Umzugsgütern oder Verteilung des Hausrats an Ausgebombte. Neben der Kommentierung von Exponaten aus ehemals jüdischem Besitz in den Sammlungspräsentationen, sei es auch die Aufgabe der Museen, in Sonderausstellungen die Enteignungsgeschichte ihrer Stadt oder Region zu erzählen. Hamburg stehe besonders in der Verantwortung seine Rolle aufzuarbeiten. Als Hafen- und Auswandererstadt veranlasste die Hansestadt viele Enteignungen und Zwangsauktionen. In diesem Zusammenhang sei es wichtig, dass die Museen über andere und neue Präsentationen und Vermittlungsformen nachdenken, um auch junge Generationen zu erreichen.

 
Quelle: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > NewsPort > Enteignungsgeschichte erzählen und Forschung...

Mehr auf KulturPort.De

Distances: Venice
 Distances: Venice



2014 gegründet, 2017 das Debüt-Album. Das europäische Jazzquartett „Distances“ mit Mitgliedern aus Lettland, Deutschland, Italien und Bulgarien, d [ ... ]



„Fences” – Die tragische Überheblichkeit eines Verlierers
 „Fences” – Die tragische Überheblichkeit eines Verlierers



Denzel Washington inszeniert das wortgewaltige Familiendrama „Fences” als Psychogramm schwarzer Identität Ende der Fünfziger Jahre in den U [ ... ]



ReVision. Fotografie im MKG
 ReVision. Fotografie im MKG



„Revision“ bedeutet Rückschau oder Überprüfung. Das Museum für Kunst und Gewerbe hat in den vergangenen Jahrzehnten etliche diese [ ... ]



Das Trautonium – frühe elektronische Experimente in der Musik
 Das Trautonium – frühe elektronische Experimente in der Musik



In Bayreuth durfte es zwei Jahre mitspielen, in einem berühmten Thriller die Vögel aggressiv schreien lassen. Das Trautonium, vorgestellt 1930, ist ein Experim [ ... ]



Jeroen Berwaerts & Salaputia Brass: Signals from Heaven
 Jeroen Berwaerts & Salaputia Brass: Signals from Heaven



Exakt zehn Jahre ist es her, da formierten sich Musiker des Bundesjugendorchesters zu einem Brass-Ensemble. Mittlerweile arbeiten die elf Blechbläser mit einem  [ ... ]



Tilman Rammstedt: „Morgen mehr“ – ein rasanter Roman mit großem Showdown
 Tilman Rammstedt: „Morgen mehr“ – ein rasanter Roman mit großem Showdown



Tilman Rammstedt, der letzte Autor der diesjährigen Reihe „LiteraTour Nord“, der seinen Roman „Morgen mehr“ in der Lübecker Buchhandlun [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.