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Musik

David Bowie im Martin-Gropius-Bau Berlin

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Freitag, den 30. Mai 2014 um 09:22 Uhr
David Bowie im Martin-Gropius-Bau Berlin 4.7 out of 5 based on 135 votes.
David Bowie

Berlin, die Hauptstadt an der Spree, würdigt die britische Musikikone David Bowie mit einer spektakulären Retrospektive.
Die vom Victoria and Albert Museum, London, kuratierte Ausstellung „David Bowie" wird im Martin-Gropius-Bau in Berlin gezeigt. Rund 300 Exponate, darunter Originalkostüme, Musikvideos und Filme, Fotografien und Soundtracks, Plattencover, Dokumente und handschriftliche Texte geben Einblick in das Leben eines Exzentrikers, der die Musikgeschichte revolutioniert hat. Die Berliner Schau wird zudem erweitert mit etwa 60 Objekten aus den Jahren 1976 bis 78. Eine Zeit, in der Bowie in Berlin lebt und hier drei seiner Alben entstehen. „David Bowie" ist keine museale, didaktisch geordnete Ausstellung, sondern eine perfekt inszenierte Multi-Media-Show, die den Mythos David Bowie kultiviert.

Im Obergeschoss des imposanten Martin-Gropius-Baus, Ende des 19. Jahrhunderts im Stil der Neorenaissance von dem Architekten Martin Gropius errichtet, wird die spektakuläre Schau über die britische Musiklegende und seine Karriere seit den Sechzigern präsentiert. Als androgyner Dandy, als künstlerisches Chamäleon und Paradiesvogel der Popmusik erlangt Bowie Kultstatus. Wie kein anderer Künstler erfindet er sich mit jedem Album neu, schlüpft als sein Alter Ego in immer neue schillernde Rollen und Kostümierungen. Mit seiner angeblichen Bisexualität, der oftmals androgynen Kleidung, den schrillen Kostümen kreiert er das Gesamtkunstwerk „David Bowie".

Nach zunächst erfolglosen Gehversuchen im Musikbusiness, kommt 1969 mit „Space Oddity" der Durchbruch. Major Tom, alias David Bowie, entschwindet wegen eines technischen Defekts mit seinem Raumschiff in den Tiefen des Weltalls. „Here am I sitting in a tin can, Far above the world, Planet earth is blue, And there’s nothing I can do." Bowie ist jetzt 22 Jahre alt, musikalisch auf dem Sprung in außerirdische Galaxien. Anfang der 70er-Jahre ist er Ziggy Stardust, ein Alien-Rocker, der auf die Erde kommt, um den Menschen seine Botschaft von Liebe und Frieden zu verkünden. Der Friedensapostel scheitert allerdings an seinem ausschweifenden Lebensstil. Bowie ist der traurige Pierrot in dem Musikvideo „Ashes To Ashes" aus dem Jahr 1980. Er ist der schizophrene Aladdin Sane oder der koksende Thin White Duke mit den gegeelten Haaren, dem weißen Hemd, schwarzer Hose und schwarzer Weste. Seine immer neuen Kunstfiguren machen ihn zu einem der populärsten Künstler der Musikgeschichte. Hinzu kommen seine avantgardistischen Kostüme und seine perfekt inszenierten Bühnen-Shows: Ende der 60er-Jahre hat er bei Lindsay Kemp am Avantgarde Theater in London Pantomime, Tanz und Choreografie studiert. Der Brite avanciert zur Stilikone, zum Rockstar. „Ich bin kein Rockstar. Ich bin Sammler. Ich sammle Persönlichkeiten und Ideen", sagt Bowie, mit bürgerlichem Namen David Robert Jones, 1973 über sich selbst.

Für jedes neue Album experimentiert er mit musikalischen Trends, vom psychedelischen Pop der frühen Jahre zum Glam- und Glitter-Rock der Siebziger über Soul, Funk, Punk-Rock zur Popmusik. Seine größten kommerziellen Erfolge feiert er mit „Let's Dance" und "China Girl". Titel, die ihn in die Top-Ten der weltweiten Charts katapultieren.

Doch, der Erfolg hat seinen Preis: Alkohol und Drogen, Depressionen, Untergewicht, Größenwahn und Paranoia prägen Bowies Leben in den Siebzigern. Allerdings deuten sich bereits in dem Song „I’m Tired of My Life" von 1963 seine psychischen Probleme an. 1976 zieht er die Reißleine, geht mit seinem Freund und Kollegen Iggy Pop für 14 Monate nach Berlin. In dieser Zeit kann er sich von seiner Drogensucht befreien, seine musikalische Kreativität findet neue Impulse. In Berlin entstehen „Low", „Heroes" und „Lodger". Alben, mit denen er Musikgeschichte schreiben wird. „Erstmals seit Jahren empfand ich Lebensfreude und ein großartiges Gefühl der Befreiung und Heilung", zitiert ihn der Ausstellungstext. „In dieser Stadt kann man sich leicht verlieren, man kann sich aber auch selbst finden."

Neben seiner Karriere als Musiker und Sänger, Songschreiber und Produzent beschreitet er Ende der 70er-Jahre neue Wege: er versucht sich als Schauspieler in Spielfilmen und Fernsehserien. Mit der Schauspielerei „Der Mann, der vom Himmel fiel", „Schöner Gigolo, armer Gigolo" oder „Begierde", mit Catharine Deneuve, erzielt er zwar Achtungserfolge, die Musik ist und bleibt aber sein erfolgreichstes Metier.

Bei seinem letzten Konzert der „A Reality Tour" auf dem Hurricane-Festival in Scheeßel erleidet Bowie einen Herzinfarkt. In einem Interview erklärt er: „Ich habe die Nase voll von dieser Industrie – und das nicht erst seit heute. All meine Figuren haben ihren Zweck erfüllt. Jetzt können sie in Rente gehen." Er zieht sich ins Privatleben zurück.

Um so mehr überrascht es, als er am 8. Januar 2013, seinem 66. Geburtstag, ein neues Album, betitelt mit „The Next Day" ankündigt. Der Song „Where Are We Now" erscheint als Single und Video auf seiner Website. Eine melancholische Hommage an vergangene Berliner Zeiten, an den Potsdamer Platz, die Lieblingskneipen, das KaDeWe. Where are we now? Er ist heute ein älterer Herr von 67 Jahren mit einem geschätzten Vermögen von 900 Millionen Dollar, der die Drogen und Exzesse einer beispiellosen Musikerkarriere überlebt hat.

Vor dem Ausstellungsrundgang wird dem Besucher ein kostenloser Audioguide offeriert. Unbedingt mitnehmen, denn je nach Standort passt sich der Guide automatisch an, zu den Objekten erklingen O-Töne und Musik. Am Eingang empfängt den Besucher das schwarze, fledermausartige „Tokio Pop Bodysuit" des japanischen Designers Kansai Yamamoto, 1973 entworfen für Bowies Aladdin Sane-Tour. Darüber ein Zitat des Musikers von 1995, das als Leitmotiv die Ausstellung skizziert "All art is unstable. It's meaning is not necessarily that emplied by the author. There is no authoritative voice. There are only multible readings".

Betritt der Besucher die dunklen, von Musik und Videos flirrenden Räume, empfangen ihn zunächst Portraits des zehn Monate alten Bowie sowie Jugendbilder. Gegenüber hängen Fotos von Little Richard, Bill Haley, Elvis Presley, Lonnie Donegan und Eartha Kitt. Künstler, die seinen musikalischen Weg beeinflusst haben.

Das berühmte Farbfoto „Der Erdaufgang" des Astronauten Bill Anders vom Mondflug der „Apollo 8", im Dezember 1968 in der Times veröffentlicht, inspiriert Bowie zu „Space Oddity". Das Farbfoto wird ergänzt mit seinen Schallplatten, Blechraketen, Büchern und Notizen. Von Ziggy Stardust, Bowies berühmtester Sciencefiction-Figur, präsentiert die Schau den zweiteiligen, gesteppten Anzug mit den hohen roten Schnürschuhen, ein Entwurf von Freddie Burretti. Der Originalanzug wird auf einer verspiegelten Bühne präsentiert, im Hintergrund laufen Videoclips seiner Ziggy Stardust-Tour, die Bowie als außerirdischen Messias mit ausgefallenem Make-up, orangefarbenen Haaren, dem wattierten Zweiteiler zeigen. Zu sehen sind weitere Bühnenoutfits: bunte Anzüge und extravagante Kostüme, darunter das silberne Pierrot-Kostüm, welches der Sänger 1980 in seinem Ashes to Ashes-Video trägt, der berühmte Union-Jack-Mantel von Alexander McQueen für das Cover von „Earthling", 1997 entworfen. Parallel zu den Kostümen werden auf Leinwände und die Wände der hohen Ausstellungsräume Clips aus seinen Konzerten projiziert.

Rund 300 Exponate haben die Kuratoren des Victoria and Albert Museums, Victoria Broackes und Geoffrey Marsh, aus Bowies privatem Archiv ausgewählt. Neben den Kostümen dokumentieren Werbefotos, Fotocollagen, Fotografien und Filmszenen, Plattencover – darunter die weltberühmte Aufnahme für das Cover von Aladdin Sane, Bühnenmodelle, Instrumente und handschriftliche Notenblätter den Weg seiner fünfzigjährigen Musikkarriere.

Die Berliner Kuratorin Christine Heidemann dagegen widmet Bowies Zeit in Berlin einen eigenen Ausstellungsraum. Drogenabhängig und von der Karriere ausgebrannt zieht der Star mit Iggy Pop von Los Angeles in die geteilte Stadt. Sie wird zu seinem Rettungsanker. "Hier ist es ihm gelungen, seine Dämonen zu vertreiben", sagt Victoria Broackes. Pop und Bowie wohnen in der Hauptstraße 155 in Schöneberg. In den Hansa-Tonstudios in der Köthener Straße, nicht weit vom Potsdamer Platz, nimmt der Brite 1977 seine Alben "Low" und "Heroes" auf. "Lodger" zeichnet er übrigens erst zwei Jahre später in den Mountain Studios in Montreux, Schweiz, auf. Die Nächte verbringen die beiden in Szenelokalen wie der Schwulenkneipe „Anderes Ufer", dem „Exil" in Kreuzberg, dem „Dschungel" in der Nürnberger Straße oder Romy Haags Cabaret „Chez Romy Haag". Neben der pulsierenden Subkultur, interessiert den Musiker auch die Kultur der Stadt, die Theater und Museen. Der expressionistische Maler Erich Heckel, dessen Bilder er im Brücke-Museum in Berlin-Dahlem sieht, faszinieren ihn. Die Ausstellung zeigt Heckels Bilder „Roquairol", 1917, und „Männerbildnis" von 1919. Sie inspirieren Bowie nicht nur zu eigenen Malereien „Mona in Berlin", sondern auch zu dem Cover von „Heroes", auf dem er die von Heckel gemalten Posen und Gesten imitiert. Neben Skizzen zu Plattencovern, Songtexten, Zeichnungen und Fotografien ist ein bisher unveröffentlichter Briefwechsel mit Marlene Dietrich ausgestellt. Er erinnert an den gemeinsamen Film „Schöner Gigolo, armer Gigolo" von 1978. Der Brite ist der alternden Filmgöttin allerdings nie begegnet. Bowie dreht in Berlin, während die Szenen mit der deutschen Diva – übrigens ihr letzter Kinoauftritt – in Paris entstehen. Der Film floppt, trotz der beiden Stars.

Die Schau „David Bowie" im Martin-Gropius-Bau in Berlin sprengt alle tradierten Ausstellungskonzepte. Egal ob man Bowie-Fan ist oder nicht, die Ausstellung ist sehenswert. Informativ, aber auch schrill und bunt zeichnet die Multi-Media-Show die Karriere des exzentrischen Rock-Stars nach.

Zu sehen bis zum 10. August 2014 im Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstraße 7, 10963 Berlin.
Die Ausstellung ist täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Tickets können online unter www. davidbowie-berlin.de bestellt werden.
Katalog: Victoria Broackes/Geoffrey Marsh (Hg.): David Bowie. Knesebeck Verlag, 320 Seiten, 34,95 Euro


Abbildungsnachweis:
Header: Ausstellungsansicht. Foto: Christel Busch
Galerie:
01. Aufnahme von David Bowie für das Albumcover von Aladdin Sane, 1973. Fotografie von Brian Duffy. Foto Duffy © Duffy Archive & The David Bowie Archiv
02. Originaler Songtext für Ziggy Stardust von David Bowie, 1972. Mit freundlicher Genehmigung von The David Bowie Archive. Foto © Victoria and Albert Museum
03. Gestreifter Anzug für die Aladdin-Sane-Tour, 1973. Entworfen von Kansai Yamamoto. Fotografie von Masayoshi Sukita. Foto Sukita © Sukita / The David Bowie Archive
04. Ausstellungsansicht. Foto: Christel Busch
05. David Bowie, 1973. Fotografie von Masayoshi Sukita. Foto Sukita © Sukita / The David Bowie Archive
06. Ausstellungsansicht. Foto: Christel Busch
07. David Bowie mit William Burroughs, Februar 1974. Fotografie von Terry O‘Neill mit Farbauftrag von David Bowie. Mit freundlicher Genehmigung von The David Bowie Archive. Foto © Victoria and Albert Museum
08. Bühnenmodell für die Diamond-Dogs-Tour, 1974. Entworfen von Jules Fisher und Mark Ravitz. Mit freundlicher Genehmigung von The David Bowie Archive. Foto © Victoria and Albert Museum
09. Fotocollage mit bearbeiteten Film Standbilder aus The Man Who Fell to Earth, 1975-1976. Film Standbilder von David James. Mit freundlicher Genehmigung von The David Bowie Archive. Film Stills © STUDIOCANAL Films Ltd. Image
10. Textschnipsel für den Song Blackout aus dem Album “Heroes“, 1977. Mit freundlicher Genehmigung von The David Bowie Archive. Foto © Victoria and Albert Museum
11. “Heroes“ Contact Print (Piece No. 32), 1977. Foto Sukita © Sukita / The David Bowie Archive
12. 'Mona in Berlin', 1977. Acryl auf Leinwand, David Bowie. © The David Bowie Archive
13. und 14. Ausstellungsansichten. Fotos: Christel Busch.

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