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Musik

The Boy from Ipanema – Marcos Valle im Mojo Club

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Geschrieben von Oliver Ballendat  -  Montag, den 15. Juli 2013 um 11:36 Uhr
The Boy from Ipanema – Marcos Valle im Mojo Club 4.4 out of 5 based on 155 votes.
The Boy from Ipanema – Marcos Valle im Mojo Club

Am Samstagabend wurde der Jazzclub unter der Reeperbahn zumindest musikalisch nach Südamerika verlegt. Der in Deutschland weitgehend unbekannte, in Brasilien dagegen berühmte Musiker und Sänger Marcos Valle stand mit Freunden und Ehefrau auf der Bühne des Mojo Clubs.

Das brasilianisch-deutsche Publikum ließ sich nicht lange bitten und feierte ausgelassen.
 
Der Name Marcos Valle ist eng verbunden mit der Bossa Nova-Musik. Ins Deutsche übersetzt bedeutet diese brasilianische Musikrichtung "Neue Welle". Ende der 1950er-, Anfang der 1960er-Jahre erleben Bossa-Klänge ihren Höhepunkt. In der modernen brasilianischen Gesellschaft geht diese Musik mit neuen und experimentellen Ausdrucksweisen einher. Die Mischung aus schnellen Samba-Rhythmen und Cool Jazz, verbunden mit zurückhaltendem Gitarrensound und fast flüsternd gesprochenem Gesang hat auch in den USA großen Erfolg. Nach dem Militärputsch in dem südamerikanischen Land im Jahr 1964 emigrieren viele Künstler in die Vereinigten Staaten. Die Bossa Nova geht Kollaborationen mit nordamerikanischem Jazz und Black Music ein und beginnt eine ganz eigene Dynamik zu entwickeln.
 
Das Leben des heute 69-jährigen Marcos Kostenbader Valle ist eng mit dieser Entwicklung verbunden. Der blonde Musiker liebt außerdem - wie wohl alle Brasilianer - den Fußball und das Surfen. Sein Talent wird früh von Antônio Carlos Jobim und João Gilberto erkannt. In Rio de Janeiro aufgewachsen ersinnt Valle leichte, sommerliche Melodien des unbeschwerten urbanen Lebens. Sein Bruder Paulo Sérgio Valle schreibt die Texte. Beim Label Odeon Records werden in den 60er- und 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts mehrere Platten veröffentlicht. Früh gewinnt Valle den brasilianischen Kritikerpreis als bester Newcomer.
 
1966 reist er zum ersten Mal in die Vereinigten Staaten von Amerika. Zusammen mit Sérgio Mendes tourt er durch die USA und bedient das Verlangen der Nordamerikaner nach Klängen aus dem Süden des Kontinents. Nicht nur dank zahlreicher TV-Auftritte reiten der bereits zwei Jahre zuvor veröffentlichte Song "Samba de Verão" so wie die gesamte Bossa Nova-Bewegung auf einer Welle des Erfolgs. Der in der englischsprachigen Version als "Summer Samba" bekannte Song ist nach "Garota de Ipanema" (The Girl from Ipanema) das wohl berühmteste Bossa Nova-Stück. Es wurde bis heute über einhundertmal gecovert, unter anderem von Frank Sinatra, Connie Francis und Emma Bunton. Drei verschiedene Versionen des Liedes finden damals zeitgleich den Weg in die amerikanischen Top 40 und damit auch in das Guinness-Buch der Rekorde.
 
Nach dem Höhepunkt der Bossa Nova-Welle kehrt Valle Ende der 1960er-Jahre in die Heimat zurück. Seine Arbeit wird politischer und er beginnt zu experimentieren. In den Kompositionen finden sich nun immer mehr Einflüsse aus Psychedelic-Rock, Soul und Pop-Musik. Die in dieser Phase entstehenden Alben sind alles andere als kommerziell erfolgreich. Den Lebenskünstler Valle schert das wenig, hat er doch sein Leben der Musik verschrieben. Seine Kompositionen hört man in dieser Zeit bei vielen Telenovelas, in der "Sesamstraße" und im Kino.
 
Während der brasilianischen Militärdiktatur in den 1970er-Jahren wählt auch Marcos Valle die USA als Exilland.
In den 80er-Jahren packt ihn die Sehnsucht und er kehrt erneut zurück nach Rio de Janeiro. Fortan arbeitet er generationsübergreifend an der Weiterentwicklung seiner Musik. Ob man von Drum' n' Bossa, Elektro-Bossa oder allgemein von einem Bossa Nova-Revival spricht: irgendwann fällt sein Name: Marcos Valle.
 
Beim Hamburger Konzert beweist Valle darauf, dass er Musik noch immer als Experiment versteht. Wenn er Klassiker wie "Azimuth", "Samba de Verão" oder jüngere Stücke wie beispielsweise "Parabéns" zelebriert, merkt man ihm den Spaß am Probieren an. Mal treffen brasilianische Strandklänge auf Banjo oder Blasharmonika, mal begleiteten E-Gitarre und Dub-Beats seines Freundes Lucas Santtana die Stimme seiner Frau.
 
Das Publikum erlebt an diesem Abend die kunstvolle Vereinigung klassischer brasilianischer Rhythmen mit coolen amerikanischen Klängen und europäischem Dance-Sound. Passend zum Hamburger Sommer vermag Marcos Valle im unterirdischen Mojo Club mit Sehnsucht, Ekstase und Euphorie die Gäste zum Tanzen zu bringen.
 
In diesem Jahr sind übrigens einige seiner frühen Alben erneut auf Vinyl erschienen. Möglicherweise ist das die Gelegenheit, einen in unseren Breiten unbekannten, großartigen Künstler und eine prägende Epoche brasilianischer Musik neu zu entdecken.


Foto: Oliver Ballendat

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