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Musik

„Dies ist keine Messe, es ist ein Familientreffen“ – die „jazzahead!“ in Bremen

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Geschrieben von Claus Friede  -  Dienstag, den 30. April 2013 um 12:34 Uhr
„Dies ist keine Messe, es ist ein Familientreffen“ – die „jazzahead!“ in Bremen 4.6 out of 5 based on 280 votes.
„jazzahead!“ in Bremen

Sie ist eine der wichtigen Musikmessen Europas, vielleicht die wichtigste für Jazz: die „jazzahead!“ in Bremen.
„uniting-talents“ ist das Motto der Jazzmesse, die im achten Jahr stattfindet und sich Israel als Partnerland wählte. Das Land hat eine unglaublich vielseitige, lebhafte und auch noch unentdeckte Musikszene. Das konnten die Messemacher erleben als sie nach Israel eingeladen wurden. Israel hat nicht nur den großzügigsten Stand auf der Messe, sondern auch eine große Anzahl von namhaften und unbekannteren Künstlern zu bieten: Omer Klein, Avishai Cohen, Ari Erev und Daniel Zamir, um nur einige zu nennen.

Die beiden großen Festivals – Red Sea Jazz Festival und Tel Aviv Jazz Festival – waren durch ihre Programmmacher Dubi Lenz und Barak Weiss vertreten. „Für uns ist das eine wunderbare Gelegenheit auf die Vielfältigkeit der israelischen Jazzszene aufmerksam zu machen“, sagt Dubi Lenz und Barak Weiss fügt hinzu: „Deutschland ist für uns ein sehr wichtiger Partner!“ Die israelische Botschaft ist einer von vielen Unterstützern, auch wenn es für viele Musiker am Ende heißt: Reisekosten selbst bezahlen. Daran muss noch gearbeitet werden!

Die Konzerte am Eröffnungsabend der „jazzahead!“ sind bestens besucht. Besonders hat es mir Daniel Zamir angetan, der mit seinem Quartett im „Kulturzentrum Schlachthof“ eine großartige Stimmung kreiert. Überhaupt ist die Mischung aus Konzerten, Meeting-Panels, Vorträgen, Preisen und Messeständen gut gewählt. Die angenehme Größe der „jazzahead!“ sorgt dafür, dass Besucher nicht schon nach drei Stunden vollständig gerädert sind. Rückzugsorte und Chill-Lounges helfen die Atem- und Gehirnwege wieder frei zu machen.

Länder, Jazzvereinigungen, Labels und Festivals haben Stände über zwei Stockwerke verteilt, da stehen Musiker, Booker, Produzenten und Musikjournalisten und tauschen sich aus. Es scheint so, als kennt jeder jeden und wenn dem nicht einmal so ist, dann ist er trotzdem Familie.

Beim Stand des „12 Points Festivals“ aus dem irischen Dublin bleibe ich stehen. Die Idee des Festivals ist so gut wie überzeugend: Wie beim internationalen „Eurovision Song Contest“ werden aus 12 Ländern jeweils ein Jazzmusiker respektive eine Band eingeladen. Diese spielen dann auf dem „12 Points Festival“ mit anderen europäischen Musikern – alle zwei Jahre findet es in Irland statt, dazwischen in einer Partnerstadt – in diesem Jahr wieder in Dublin. So waren sie seit Gründung im Jahr 2007 bereits in Skopje, Göteborg und Porto. „Wir haben zusätzlich ein Mobilitätsprogramm – „12 Points +“ nennen wir das“, sagt Kenneth Killeen, einer der Macher und Tourmanager: „Die drei Musiker oder Bands, die am besten beim Publikum ankommen, werden dann ein Jahr lang auf Tour geschickt und spielen dann bei vielen Partnerfestivals“. Das ist eine europäische Jazzförderung der anderen, besonderen Art. Dafür bekommt ihr 12 Punkte!

Zwischendurch geht der Besucher in ein Kurzkonzert: European Jazz Meeting Showcase Day im Borgward Saal. Es ist Samstag und um 15 Uhr spielt "Leon Gurvich Project". Die vier Stücke dauern insgesamt 30 Minuten, sind sehr fein ausgewählt und eröffnen den variationsbreiten Raum der vier Musiker. Gurvitch am Piano, manchmal auch mit Blockflöte und mit flauschigem Paukenstick musizierend, führt die Zuhörer durch unterschiedliche Klangräume seines Repertoires, ohne dabei seine Handschrift zu verlieren. Am Ende ist er umringt von Interessenten. „Können sie das auch für eine Bigband arrangieren?“, fragt jemand. So soll es sein!

Und Preise gab es auch auf der „jazzahead!“ zu verleihen: Der 8. jazzahead!-Skoda-Award ging an den Niederländer Han Bennink, ein Virtuose am Schlagzeug. Jazzjournalist Ralf Dombrowski erhielt den Preis für deutschen Jazzjournalismus. Gratulation!


Hinweis: Parallel zur „jazzahead!“ und darüberhinaus lohnt ein Besuch im Neuen Museum Weserburg. „Panorama“ präsentiert noch bis zum 2. Juni junge Videokunst aus Israel, kuratiert von Susanne Hinrichs. Weserburg – Museum für moderne Kunst, Teerhof 20 in 28199 Bremen. www.weserburg.de

Weitere Informationen:
www.jazzahead.de
www.12points.ie


Fotonachweis:
Header: Messebesucher. Foto: jazzahead
Galerie:
01. Plakatmotiv
02. Israeli Night: Daniel Zamir. Foto: © Ido Izsac
03. Leon Gurvitch. Foto: © Nikita Kret
04. Logo 12 Points Festival
05. Skoda Award-Gewinner Han Bennink. Foto: © Andreas Terlaak
06. Preis Jazz-Journalismus an Ralf Dombrowski. Foto: © Frank Pusch
 

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