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Musik

Ein Dach für die Gitarre

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Geschrieben von Hans Laarmann  -  Sonntag, den 11. September 2011 um 11:21 Uhr
Ein Dach für die Gitarre 4.4 out of 5 based on 63 votes.
HL: Wird die Arbeit des JGOH gefördert?

CM: Bisher war das JGOH ein absolutes "No Budget - Projekt". Nachdem wir in den vergangenen Jahren gezeigt haben, dass wir einen sehr professionellen Orchesterbetrieb bieten können und insbesondere nach den vielen Erfolgen der Vergangenheit, hoffen wir auf zukünftige Unterstützung. Eine Arbeit auf derartigem Niveau wird auf Dauer sicher nicht mit ausschließlich ehrenamtlichem Engagement aufrecht zu erhalten sein. Schön ist, das die Firma D´Adarrio das JGOH mit Saiten und Zubehör fördert, was auch eine großartige Anerkennung unserer musikalischen Arbeit ist.

HL: Warum ist die Ensemblearbeit so wichtig?

CM: Oh, da betreten wir jetzt ein weites Feld aber ich werde mal versuchen, nur die wichtigsten Gründe zu nennen. Neben der Möglichkeit, sich musikalisch und spieltechnisch weiterzuentwickeln, erfährt das Musizieren eine weitere Sinngebung durch die Orchestermitgliedschaft und die damit verbunden Aktivitäten wie Probenwochenenden, Auftritte, Tourneen oder CD-Produktionen. Darüber hinaus bietet das Orchester den jungen Musikern die Zugehörigkeit zu einer "In-Group", in der sie sich mit Gleichgesinnten über gitarrenspezifische Themen austauschen, gegenseitig ihre neuesten Stücke vorspielen oder sich für Kammermusikformationen zusammenfinden können. Eine derartige Identifikationsmöglichkeit ist gerade für Kinder und Jugendliche unheimlich wichtig! Im normalen Alltag stößt man bei Gleichaltrigen ja eher selten auf Interesse und Verständnis, wenn man sich intensiv der Konzertgitarre widmet. Durch unsere Organisationsstruktur kann sich auch jeder bei Programmgestaltung und organisatorischen Abläufen aktiv einbringen. Zu guter Letzt ist ein Ensemble auch immer ein Ort des sozialen Lernens.

HL: Welche Projekte plant das JGOH in Zukunft?

CM
: Im Vordergrund wird in den nächsten Monaten selbstverständlich die Vorbereitung auf den Bundesorchesterwettbewerb sein. Darüber hinaus freuen wir uns sehr, dass der argentinische Komponist Maximo Diego Pujol ein Stück speziell für das JGOH komponieren wird, welches im Rahmen des 5. Hamburger Gitarrenfestivals seine Uraufführung erleben wird. Das wollen wir auch zum Anlass für eine neue CD-Produktion nehmen. Über die konkrete Jahresplanung wird das Orchester aber erst bei einem gemeinsamen Planungstreffen im Rahmen einer der kommenden Proben entscheiden.

HL: Gibt es bei euch eigentlich eine Form der Talentsichtung?

CM: Ich bin der festen Überzeugung, dass man nie auf Talente warten sollte. Ich gehe lieber auf jeden neuen Schüler mit der positiven Unterstellung zu, dass er ein Talent ist und arbeite auch dementsprechend mit ihm. Nehmen wir als Beispiel den Wettbewerb Jugend musiziert. Einen Schüler melde ich für hierfür beispielsweise immer dann an, wenn er Lust hat daran teilzunehmen. Das mache ich ganz unabhängig davon, wie gut er zum Zeitpunkt der Anmeldung schon spielt. Was dann in der Vorbereitung auf den Wettbewerb an Entwicklungsschritten vollzogen wird, das ist oft höchsterstaunlich und fördert sehr oft unerwartet große Fortschritte zu Tage. Was ich damit sagen will, Talent wird oft – auch durch die besten Sichtungssysteme - gar nicht wirklich erkannt und bricht sich erst in einem intensiven Unterricht mit einem guten Rhythmus von Nah- und Fernzielen Bahn.

HL: Und wie ist es mit der Vergabe von Teilnahmestipendien bei den Hamburger Gitarrentagen? Da wird es für die Vergabe doch sicher Kriterien geben.

CM: Ja, hier gibt es tatsächlich ganz offizielle Richtlinien, die wir – in Abstimmung mit dem zuständigen Finanzamt – zusammengestellt haben. Wie schon erwähnt, haben die Mitglieder des JGOH einmal im Jahr das Anrecht auf eine Teilnahme, darüber hinaus können sich aber auch alle anderen Kinder, Jugendliche und junge Studenten bewerben. Wer mehr wissen möchte, ist herzlich eingeladen, die Richtlinien auf der Website www.gitarrehamburg.de einzusehen und herunter zu laden. Hier gibt es auch weitere Informationen und eine Broschüre zur Arbeit von GitarreHamburg.de.

HL: Für das 4. Hamburger Gitarrenfestivals gab es den Kulturpreis Hamburg-Nord, wie weit sind die Planungen für das Festival in 2012?

CM: Der Kulturpreis Hamburg-Nord war eine große Ehre für uns und eine tolle Anerkennung für die vergangenen Jahre. Mit der Planung für das 5. Hamburger Gitarrenfestival sind wir schon sehr weit fortgeschritten. Es wird vom 26.-28.10.2012 stattfinden. Wir haben schon fast alle Künstler und Dozenten verpflichten können. Das komplette Programm steht schon bald fest und wird dann auf www.hamburger-gitarrenfestival.de veröffentlicht. Ich kann schon jetzt versprechen, es wird höchstinteressant! Bis dahin gibt es ja aber auch noch einige spannende Veranstaltungen der Hamburger Gitarrentage.

HL: So viele Aktivitäten lassen sich niemals ganz allein stemmen, wie sieht es mit Unterstützern und Kooperationspartnern aus?

CM: Da ist in den vergangen Jahren wirklich eine breite Basis gewachsen. An erster Stelle sind hier natürlich die ehrenamtlichen Helfer zu nennen, ohne die insbesondere Projekte wie das Hamburger Gitarrenfestival nicht zu stemmen wären. Darüber hinaus pflegen wir sehr schöne Kooperationen mit der Staatlichen Jugendmusikschule Hamburg, der Landesmusikakademie Hamburg, der „European Guitar Teachers Assoziation“, dem Kulturhof Dulsberg und der Stadtteilschule Alter Teichweg. Neu hinzugekommen ist eine Kooperation mit dem Kunsthandwerkerverbund "Der Hof", mit dem wir ausgewählte Künstler in den Räumlichkeiten des Hofs präsentieren. Gefördert werden die Gitarrentage darüber hinaus in diesem Jahr von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft SAGA-GWG. Ohne diese finanzielle Unterstützung wäre ein derart ambitioniertes Programm mit Künstlern wie dem Los Angeles Guitar Quartet, dem Amadeus Guitar Duo, Carlo Marchione oder Fingerstyle-Gitarristen wie Adam Rafferty und Pierre Bensusan nicht möglich gewesen.

HL: Wie beurteilst du die Entwicklung der Hamburger Gitarrenszene in den vergangenen Jahren?

CM: Uneingeschränkt positiv! Als ich im Jahr 2000 mit GitarreHamburg.de begann, galt Hamburg noch als gitarristisches Ödland. Jetzt ist es ist toll zu sehen, wie die Resonanz auf das Angebot der Hamburger Gitarrentage und das Hamburger Gitarrenfestival wächst, der gitarristische Nachwuchs ein immer höheres Niveau erreicht und langsam auch die öffentliche Wahrnehmung durch die Medien steigt. Zudem entstehen immer mehr Initiativen und Projekte rund um die Gitarre. Schon lange ist der Bund Deutscher Zupfmusiker in Hamburg aktiv und auch der der Landesverband Schleswig-Holstein der European Guitar Teachers Assoziation hat seine Arbeit auf Hamburg ausgedehnt. Seit ihrem Bestehen hat die Landesmusikakademie Fortbildungsangebote für Gitarristen und Gitarrenlehrer im Programm und darüber hinaus gibt es natürlich auch noch das Hamburger Gitarrenforum. Sicher habe ich noch einige Akteure vergessen, was zeigt, wie lebendig die Gitarrenszene in Hamburg mittlerweile ist.

HL: Ist das nicht fast schon zu viel? Gib es da nicht ungute Konkurrenz?

CM: Ein „zu viel“ kann es doch gar nicht geben! Ich finde jede Aktivität für die Gitarre toll und wichtig. Das kann der öffentlichen Wahrnehmung der Gitarre nur gut tun. Was das Thema Konkurrenz angeht, so denke ich, dass meist jede Initiative ihr eigens Profil findet, unterschiedliche Inhalte anbietet und so immer ein wichtiger Baustein im Gesamtgefüge wird. Zudem ist Konkurrenz per se ja nichts Schlechtes. Ein sportlich fairer Wettbewerb führt doch immer zu einer Qualitätssteigerung des Angebots. Ich hätte z.B. kein Problem damit, wenn sich zukünftig ein noch interessanteres Angebot als das von GitarreHamburg.de durchsetzen würde und die gemeinnützige Arbeit von GitarreHamburg.de nicht mehr benötigt würde. Dann hätte meine Arbeit sehr viel Sinn gemacht und ich hätte wieder unheimlich viel freie Zeit. Das sehe ich genauso wie bei meiner Arbeit als Lehrer. Wenn mich der Schüler nicht mehr benötigt, dann habe ich optimale Arbeit geleistet.


Die nächsten Termine von GitarreHamburg.de:

Gitarrenlegende Carlo Marchione spielt am 16.09.2011 in der Laeiszhalle Hamburg (Studio E).

28. und 29.10.2011 - Fingerstyle-Night und Fingerstyle-Workshops mit Adam Rafferty, Pierre Bensusan, Simon Wahl & Clemens Rating mit dem Cafe Royal Salon Orchester im Kulturhof Dulsberg & Stadtteilschule, Alter Teichweg 200, 22049 Hamburg.

Die Gitarrentage im Hof am 25.11.2011 mit dem Elbe Saiten Quartett, Der Hof, Hamburg-Poppenbüttel.

5. Hamburger Gitarrenfestival am 26. und 28.12.2012, Kulturhof Dulsberg & Stadtteilschule, Alter Teichweg 200, 22049 Hamburg.

Fotonachweis:
Header: Christian Moritz bei der Eröffnung des 4. Hamburger Gitarrenfestivals, 2010

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