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Musik

Das Alte Werk 2016/17: Klingende Überraschungen aus vergangenen Jahrhunderten

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Geschrieben von Hans-Juergen Fink  -  Mittwoch, den 11. Mai 2016 um 13:07 Uhr
Das Alte Werk 2016/17: Klingende Überraschungen aus vergangenen Jahrhunderten 4.6 out of 5 based on 87 votes.
Das Alte Werk 2016/17: Klingende Überraschungen aus vergangenen Jahrhunderten

Seit 1954 ist die NDR-Konzertreihe „Das Alte Werk“ Spezialist für alte Musik und Garant für hochwertige Entdeckungen im Repertoire wie bei den ausführenden Musikern. Für die kommende Saison gibt es Musiküberraschungen zu Jahrestagen von Telemann, Monteverdi und Hieronymus Bosch, dazu etliche Ausgrabungen aus europäischen Bibliotheken und Archiven – hochwertige Delikatessen für Liebhaber und Neugierige.

Selten war das Hamburger Musikleben so sehr in Aufbruchs- und Neuordnungsstimmung, wie es jetzt die im Januar 2017 bevorstehende Eröffnung der Elbphilharmonie angestoßen hat. da ist es schon ein Statement, wenn eine traditionsreiche NDR-Konzertreihe wie „Das Alte Werk“ für die Saison 2016/17 ein klares Bekenntnis für die ehrwürdige Laeiszhalle abgibt. Die allerdings auch vorzüglich für die intimeren Klangerlebnisse geeignet ist, die in dieser exquisiten Reihe mit ihren sechs Abo- und vier Sonderkonzerten präsentiert werden. Und auch für die Zuhörerzahl von im Schnitt 1400 bei 1050 Abonnements den perfekten Rahmen abgibt.
Gleich die beiden ersten Konzerte widmen sich dem langjährigen hamburgischen Musikdirektor Georg Philipp Telemann, dessen 250. Todestag im kommenden Jahr in einer größeren Gemeinschaftsaktion in Hamburg gewürdigt werden soll. 46 Jahre lang, von 1721 bis 1767, prägte er das musikalische Geschehen in der Stadt. Das erste Konzert mit dem „Il Suonar Parlante Orchestra“ wirft einen Blick auf die „barbarische Schönheit“ die Alltagsmusik der Wirtshäuser und Dorffeste, die Telemann in jungen Jahren im Böhmischen und Mährischen kennen gelernt hatte. Und von denen er schwärmte: „Man sollte kaum glauben, was dergleichen Bockpfeiffer oder Geiger für wunderbare Einfälle haben.“ Die sind jetzt in einem maßgeschneiderten Programm zusammengepackt (21.9.), dessen Musik auf diese Inspirationsquellen zurückgeht – ein Highlight für Angela Piront, die Managerin der Konzertreihe.
Countertenor Philippe Jaroussky, als „Artist in residence“ des NDR Elbphilharmonie Orchesters ohnehin häufiger in Hamburg zu hören, singt die Altpartien in zwei Passionskantaten von Telemann und der Kantate „Ich habe genug“ von Johann Sebastian Bach (8.11.).
Das Kammerorchester Basel bringt eine Alternative zu Bachs „Weihnachtsoratorium“ zu Gehör (5.12.), das 1748 in Dresden entstandene „Il Verbo in carne“ von Nicola Porpora, neapolitanischer Komponist und Gesangslehrer etwa des Star-Kastraten Farinelli mit Stationen in Venedig, London, Dresden und Wien – bekannt für seine virtuosen Arien. Das Oratorium zur Weihnachtszeit ist eine aktuelle Fundsache aus einer Bibliothek in Neapel.
Ebenfalls frisch ausgegraben sind die Toccata und die Sonaten aus einem Musikmanuskript des Wiener Minoritenkonvents aus dem 17. Jahrhundert – anonyme Werke, die der Violinst Gunar Letzbor mit seinen Mitstreitern der Ars Antiqua Austria aufführen wird (25.1.2017) – ein Muss-Termin für Entdecker.
Händels „Israel in Egypt“ kommt am 24.3. mit dem Concerto Köln und dem NDr Chor unter Philipp Ahmann in die Laeiszhalle.
Ein weiterer Jubilar des Jahres 2017 ist mit seinem 450. Geburtstag Claudio Monteverdi, der Musikrevolutionär, für den das Ensemble Concerto Italiano unter Rinaldo Alessandrini ein Programm mit Madrigalen und Instrumentalmusik aufführt (24.4.2017).
Gleich drei der Sonderkonzerte finden im Ian Karan Auditorium des Bucerius Kunstforums statt. den Anfang macht das Ensemble Tasto Solo mit Musik aus der Zeit des vor 500 Jahren gestorbenen Malers Hieronymus Bosch (7.9.2016), passend zur Ausstellung über „Das Jahrhundert von Hieronymus Bosch“, die von Juni bis September 2016 im Bucerius Kunstforum zu sehen ist. Musikalische Besichtigung eines Zeitalters mit Instrumenten, wie sie damals gebräuchlich waren: Organetto, Hammer-Clavisimbalum, Fidel, Harfe und andere.
Gleich zweimal steht Venedig im Mittelpunkt von Sonderkonzerten. Am 26.10. kommen der Flötenvirtuose Maurice Steger & Friends ins Bucerius Kunstforum – akustische Erweiterung zur Ausstellung „Venedig – Stadt der Künstler“. Und am 4.11. ist das Ensemble „Il Pomo d’oro“ unter Maxim Emelyanychev zu hören mit authentischer Musik der Gondolieri, gesungen von Vincenzo Capezutto – eingängige Melodien, aber auch hochvirtuose Arien, zusammen mit den Gondel-Geschichten, die Krimi-Queen Donna Leon vorliest, sicher ein großer Genuss.
Für das vierte Sonderkonzert zieht Das Alte Werk in die Kirche St. Johannis am Turmweg. Dort spielen die Katalanin Arianna Savall, der Norweger Petter Udland Johansen und ihre Mitmusikanten von „Hirundo Maris“ in ungewöhnlicher Kombination Musik aus dem Süden und Norden: sephardische Canzonen oder eine spanische Jota und norwegische Volkslieder und Springtänze rund um die ganz großen Gefühle Liebe, Trauer, Sehnsucht, Hoffnung und Angst. Und Musik von Hildegard von Bingen, Monteverdi, Santiago de Murcia, Francesco d’Assisi.

Weitere Informationen


Abbildungsnachweis:
Header: Hirundo Maris mit Arianna Savall und Petter Udland Johansen

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