Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 1075 Gäste online

Neue Kommentare

Gerd Kruse zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo Frau Lampert,
ich war durch meine He...

Herby Neubacher zu Elbphilharmonie: Das perfekte Buch zum Bau: Absolut richtig. Ich habe das gabnze Drama Elbphi...
Giulio zu „Die Spur”. William Blake und die Rache der Eigenbrötler : Prost Neujahr! Und danke für die vielen schönen...
Hubert Hoffmann zu Elbphilharmonie: Das perfekte Buch zum Bau: Ein Prestige -Objekt für die oberen Zehntausend....
Feindt zu Hamburg: Ein Museum im Hafen: Ein schönes neues Museum und wo bleibt die Berü...

Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Hamburger Architektur Sommer 2015


Festivals, Medien & TV

Die 54. Nordischen Filmtage Lübeck

Drucken
(213 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 06. November 2012 um 10:18 Uhr
Die 54. Nordischen Filmtage Lübeck 4.6 out of 5 based on 213 votes.
54. Nordische Filmtage Lübeck

Der letzte Filmvorhang ist gefallen.
Nach fünf Tagen und 149 Filmen der Genres Spiel- und Horrorfilm, Dokumentar- und Kurzfilm, Filme für junge Zuschauer ist das größte und wichtigste nordische Filmfestival Europas am 4. November 2012 zu Ende gegangen. Auch dieses Jahr kämpften Filmemacher aus skandinavischen und baltischen Ländern sowie aus Norddeutschland um einen der begehrten acht Filmpreise.

And the winners are: Eindeutiger Favorit von Fachjury und Publikum war „Die Jagd“, ein Film des dänischen Regisseurs Thomas Vinterberg. Er wurde mit dem Baltischen Filmpreis, dem Publikumspreis der Lübecker Nachrichten und dem NDR Filmpreis - den er sich mit dem schwedischen Spielfilm „Eat Sleep Die“ teilen muss - ausgezeichnet. „Die Jagd“, der siebte Spielfilm des 43-jährigen Dänen thematisiert einen vermeintlichen Kindesmissbrauch und seine katastrophalen Folgen für den potentiellen Täter. Lucas (Mads Mikkelsen), ein arbeitsloser Lehrer, baut sich nach seiner Scheidung in der Provinz ein neues Leben auf. Er arbeitet als Kindergärtner, liebt die Jagd und ist in die Gemeinschaft integriert ... bis ihn im Kindergarten die kleine Tochter seines besten Freundes des Missbrauchs bezichtigt. Eine wahre Hexenjagd der Kleinstadtbürger beginnt. Er wird nicht nur vom Job suspendiert, sondern verliert auch seine besten Freunde, wird gesellschaftlich geächtet, sein Hund getötet, sein Sohn bedroht. Lucas wehrt sich jedoch und lässt sich nicht zum Opfer machen. Eingebettet in die Jagdszenen zu Beginn und am Ende des Films, werden Unschuld, Ressentiments und kollektive Vorverurteilung aufgerollt. Ein starker, aber auch bedrückender Film, der am 28. März 2013 in den Kinos anläuft.
Dänemarks Superstar Mads Mikkelsen erhielt übrigens bei den Filmfestspielen in Cannes 2012 für „Die Jagd“ den Preis als bester männlicher Darsteller.

Zweiter Preisträger des NDR-Filmpreises ist „Eat Sleep Die“ der Schwedin Gabriela Pichler. Ihr humorvoller Debütspielfilm erzählt von der 20-jährigen Rasa, einer jungen, wilden und unkonventionell lebenden Migrantin aus Bulgarien mit schwedischer Staatsbürgerschaft. Sie jobbt als Packerin in der Lebensmittelfabrik einer Kleinstadt. Das Leben der etwas pummeligen jungen Frau gerät durcheinander, als sie ihre Arbeit verliert. Sie schlägt sich mit Gelegenheitsjobs und der Arbeitsagentur herum, die ihr zwar Workshops anbietet, von denen sie aber nicht leben kann. Was soll sie machen: Eine feste Anstellung irgendwo in Schweden suchen oder bei ihren Freunden in der Kleinstadt bleiben?
Weitere Filmpreise sind auf der Homepage der Nordischen Filmtage zu finden.

Zu den Publikumslieblingen gehörte darüber hinaus der diesjährige Eröffnungsfilm „Kon-Tiki“. Der mit etwa 12 Mio. Euro teuerste Kinofilm Norwegens schildert die abenteuerlichen Floßfahrt Thor Heyerdahls von Peru zu den polynesischen Inseln. Auf einem nach südamerikanischer Tradition gebauten Floß aus Balsa-Holz stechen Heyerdahl und seine fünf Begleiter 1947 in See. Der junge Forscher und Abenteurer will beweisen, dass die Besiedlung der Südseeinseln von Südamerika aus möglich war. In 100 Tagen legen die nautisch unerfahrenen Freunde fast 8000 Meilen auf dem Pazifischen Ozean zurück, bis sie ihr Ziel erreichen. Stürme und meterhohe Wellen, Orientierungsprobleme sowie gefährliche Begegnungen mit Haien - Gott sei Dank alles am Computer animierte Szenen - bedrohen das waghalsige Unternehmen. Aus Kostengründen wurde übrigens nicht an Originalschauplätzen gedreht, sondern in Thailand, Schweden, Bulgarien, auf den Malediven und Malta. Ein spannender Film mit grandiosen Naturaufnahmen, der ab 31. März 2013 in den Kinos startet.

Zu meinen persönlichen Favoriten gehörten leider nicht prämierte Filme. „Marie Krøyer“ des Dänen Bille August, thematisiert die Lebensgeschichte der Ehefrau des bekanntesten dänischen Impressionisten Peder Severin Krøyer. In Skagen gedreht - hier befand sich Ende des 19. Jahrhunderts die Künstlerkolonie Skagenmaler - schwelgt der Film in opulenten Kostümszenen und Landschaftsbildern. Birgitte Hjort Sørensen begeistert in der Rolle der Titelheldin Marie Krøyer (1867-1940), die in einer unglücklichen Beziehung mit dem Maler lebt, eine Affäre mit dem schwedischen Komponisten Hugo Alfvén beginnt und Mann und Tochter verlässt. Ganz großes Gefühlskino!
Auch „A Lady in Paris“ mit der großartigen Jeanne Moreau, der Grande Dame des französischen Kinos, überzeugte. In dem estnischen Spielfilm von lmar Raag spielt sie eine grantige, alte, in Paris lebende Estin, die ihre Pflegerin schikaniert.

Das Filmforum, seit 1988 Plattform der jungen, kreativen Filmszene aus Schleswig-Holstein und Hamburg, zeigte zudem einen beeindruckenden Beitrag: die NDR-Produktion „Arnes Nachlass“ nach dem gleichnamigen Roman von Siegfried Lenz. Nach „Die Auflehnung“, „Das Feuerschiff“ und „Der Mann im Strom“ ist dies die vierte Romanverfilmung von Lenz. Jan Fedder, der bereits in den anderen Verfilmungen den Hauptdarsteller spielte, brilliert auch hier. Suzanne von Borsody imponiert in der Rolle der Ehefrau. Der Sendetermin im Fernsehen wird voraussichtlich Anfang 2013 sein.

Die diesjährige Retrospektive stand unter dem Motto Gruselfilme aus dem Norden. Neben zahlreichen skandinavischen Horrorfilmen beeindruckte vor allen Dingen der Stummfilmklassiker von F.W. Murnau „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ aus dem Jahr 1922. Die restaurierte Fassung wurde, musikalisch begleitet von einem Ensemble aus Studierenden der Musikhochschule Lübeck, in der mittelalterlichen Kirche St. Petri zu Lübeck aufgeführt. Die Außenaufnahmen des Vampirfilms entstanden an vielen Orten Lübecks: Salzspeicher, Depenau, Kolk, Blomsgang, Pagönnienstraße, Aegidienkirchhof. Als Darsteller wirkten damalige Schauspieler des Lübecker Stadttheaters mit. Gänsehaut gab es also zu nächtlicher Stunde gratis!

Die 54. Nordischen Filmtage Lübeck boten auch dieses Jahr ganz großes Kino. Das facettenreiche Spektrum aus skandinavischen, baltischen und norddeutschen Filmen bediente alle Vorlieben der rund 28.000 Besucher. Die Spannung und Vorfreude auf das Filmfestival 2013 sind daher groß.


www.luebeck.de/filmtage

Fotonachweis: Alle © Nordische Filmtage
Header: Open-Air-Kino
Galerie:
01. Still aus: Die Jagd
02. Still aus: Eat Sleep Die
03. Still aus: Kon-Tiki, 1950
04. Still aus: Kon-Tiki, 2011

 

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Festivals, Medien & TV > Die 54. Nordischen Filmtage Lübeck

Mehr auf KulturPort.De

James Rosenquist. Eintauchen ins Bild – vom Plakatmaler zur Pop-Art-Ikone
 James Rosenquist. Eintauchen ins Bild – vom Plakatmaler zur Pop-Art-Ikone



Speckstreifen fliegen durch das Weltall, rote Lippenstifte und Atompilze verkünden das nahende Inferno, Butterstücke zerfließen in einer Pfanne, Spaghetti mit [ ... ]



„Die dunkelste Stunde”. Winston Churchill und die Mobilisierung der Sprache
 „Die dunkelste Stunde”. Winston Churchill und die Mobilisierung der Sprache



Joe Wrights eleganter Politthriller „Die dunkelste Stunde” ist das Gegenstück zu Christoper Nolans überwältigendem Suspense-Epos „Dunkirk”. Zwei Filme [ ... ]



Die arabische Prinzessin – Von Leseratten, Fischverkäufern und einer Märchenoper, die nie geschrieben wurde
 Die arabische Prinzessin – Von Leseratten, Fischverkäufern und einer Märchenoper, die nie geschrieben wurde



Im Opernhaus in Hamburg schallen Kinderstimmen durch die Gänge: Es ist wieder opera piccola-Zeit!
Bevor die Kinderoper im Februar auf die Bühne geht, ist im H [ ... ]



Die Diktatur des Geldes – Finanz Tsunami
 Die Diktatur des Geldes – Finanz Tsunami



Ernst Wolff: „Finanz Tsunami. Wie das globale Finanzsystem uns alle bedroht“
Es ist wie es einmal war und heute noch ist: Ein Ausspruch von Henry Ford, des  [ ... ]



Verdis „Rigoletto“ als Genderfrage inszeniert von Katharina Thalbach
 Verdis „Rigoletto“ als Genderfrage inszeniert von Katharina Thalbach


  War es Absicht, dass rund um das Fest der Liebe die Kölner Oper ausgerechnet Giuseppe Verdis Bühnenstück „Rigoletto“ – das 1851 den Wel [ ... ]



„Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”. Oder die Heimat des Zorns
 „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”. Oder die Heimat des Zorns



Genialer Genre-Mix aus Neo-Western und Kleinstadt-Satire.
Manchmal ist es leichter einen Molotow-Cocktail zu werfen als zu weinen. Mildred Hayes (Frances McDorm [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.