Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 984 Gäste online

Neue Kommentare

C.Müller zu Roots – Katja und Marielle Labèque zum Schleswig-Holstein Musik Festival in der Laeiszhalle: Erhalt des Kultursommers auf der Trabrennbahn Bah...
Marlies Lampert zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo liebe Hüsungianer,
ich bin ca. 1999...

SingulART zu Kunstmuseum Wolfsburg: This Was Tomorrow. Pop Art in Great Britain: Grossartige Ausstellung war das! Wir haben unsere...
tommy zu Ensemble Resonanz zu Gast bei NEW HAMBURG: gute sache, dass sie mal aus ihrem bunker rauskom...
Lena Baal zu Zum Tode von Peter Härtling: Peter Härtling war nicht nur ein großartiger Sc...

Anzeige

Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Hamburger Architektur Sommer 2015


Festivals, Medien & TV

Im Gespräch: Claus Friede mit Kultmoderator Bedo

Drucken
(370 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Freitag, den 17. Juli 2009 um 14:57 Uhr
Im Gespräch: Claus Friede mit Kultmoderator Bedo 4.6 out of 5 based on 370 votes.
Bedo (Foto: Bülent Kayaturan)

Bülent Kayaturan ist Moderator, Sprecher und DJ. Aber bekannt ist er unter dem Namen Bedo.
Seit 1998 moderiert der 1976 in der Türkei geborene und in Hamburg lebende Bedo kulturelle Bühnenveranstaltungen. Seine Medienkarriere begann er mit "Oriental Evenings" beim Offenen Kanal Hamburg. Die Radiosendung wurde zweisprachig, deutsch und türkisch geführt.
Von 2000 bis 2003 war er für die tägliche Morgensendung "Oriental Sabah" verantwortlich. Danach wechselte er zum Fernsehen. Seit dem 1. September 2003 moderiert er die Samstagabend-Show „Oriental Night“ beim Regionalsender Hamburg1 Fernsehen die auch bei TVBerlin ausgestrahlt wird.

Claus Friede, sprach im Hamburger Schanzenviertel mit Bedo über dessen Arbeit, seine Ziele, über kulturelle Identitäten und Migrationsthemen.

Ein deutscher Kopf und ein türkisches Herz

Claus Friede (CF): Erinnerst du dich, wie alles angefangen hat, als du ein Kulturprogramm für türkischstämmige Deutsche und Migranten beim Offenen Kanal in Hamburg im Radio namens „Oriental Sabah“ machtest?

Bedo: Ja, daran kann ich mich sehr gut erinnern!

CF: Gab es eine Initialzündung dafür?

Bedo: Ja! Die Initialzündung waren die permanenten Beschwerden von vielen Menschen aus meiner Umgebung, weshalb es keine Sendung für Türken und Deutsch-Türken, weder in Hamburg, noch in Deutschland gab. Weder eine im Radio noch im Fernsehen. Wir mussten uns türkisches Fernsehen aus der Türkei anschauen oder im Internet türkisches Radio hören. Es ist natürlich etwas anderes, wenn Sendungen für Deutsch-Türken aus Deutschland kommen und nicht aus der Türkei. Ich habe gemerkt, dass sich zwar viele darüber beschweren, aber keiner machte was dagegen. Von meinen Eltern habe ich eine Erziehung genossenen die lautete: Rede nicht so viel und beschwere Dich nicht, tue etwas! Und ich erinnere mich, ich bin dann einfach damals zum Offenen Kanal gegangen, hab gesagt: „Ich bin Bedo und möchte Radio machen“. Darauf hatte ich dann auch richtig Lust. So hat es angefangen.

CF: War es denn ein Antrieb mehr von Außen, von den Leuten aus deinem Umfeld, oder wolltest auch du selbst etwas bewegen?

Bedo: Na klar! Und ich hab dann gleich gemerkt: Hey, ich bin der Erste der so etwas umsetzen kann und war auch stolz darauf. Die Pionierarbeit ist die schwierigste Arbeit, aber das mache ich gerne. Ich mag auch schwierige Arbeiten. Also, die Beschwerden der Leute und auch mein eigener Antrieb haben es zu dem Punkt gebracht: „Mach es, quatsch jetzt nicht lang rum, tu was.“ Und ich glaube bis heute, dass die Themen und Sendungen nach wie vor Potential haben.

CF: Beschweren sich die Menschen aus deinem Umfeld immer noch?

Bedo: Ja, das tun sie immer noch. Jetzt sagen sie: „Es könnte mehr sein!“. Es reicht nie.
Beim Radio sind wir ja zunächst wöchentlich und unregelmäßig „on-air“ gewesen, als „Springer“, das heißt, es gab keinen festen Sendeplatz. Wenn die Sendung fertig geschnitten war musste man sich anmelden, es wurde im Kalender geschaut wann ein Sendetermin frei war und dann sendete der Offene Kanal an dem eingetragenen Datum. Das konnte mal ein Mittwoch sein und danach ein Freitag. Das lief dann zwei Jahre lang so und schließlich habe ich dann einen festen Sendeplatz erhalten, jeden ersten Mittwoch im Monat, etwas später dann jeden ersten und dritten Mittwoch, dann jeden Mittwoch, bis ich letztlich jeden Tag eine Sendung machte.
Aber das war für viele immer noch nicht genug!

CF:
Und wie waren die Reaktionen auf die Inhalte?

Bedo: Wir haben sehr viele Reaktionen bekommen. Bei der wöchentlichen Sendung klingelte das Telefon oft alle fünf Minuten. Wir haben in der täglichen, zweistündigen Sendung manchmal 100 Anrufer gehabt. Da kamen dann Liederwünsche, sehr oft Gratulationen, es haben Leute angerufen, die dann nur sagten: „Ich wollte Dir zu der Sendung gratulieren, ihr macht das supertoll.“ Und viele wollten dann auch gar nicht ihre eigene Stimme on-air hören, sondern sagten: „Ne, ne, ich wollte Dir nur meine Sympathie bekunden – Mach weiter so!“

CF: Gab es auch kritische Äußerungen?

Bedo mit Cem Özdemir, Vorsitzender der Grünen Bedo: Oh ja, viele Deutsche wissen gar nicht wie heterogen die türkische Gesellschaft ist. Die Türkei ist immer noch ein Vielvölkerstaat. Das zeigt sich auch daran, dass es in der Türkei sehr viele unterschiedliche politische, kulturelle und religiöse Strömungen gibt. Da gab es dann zunächst schon Angriffe und viel Ärger. Ich hab beispielsweise Musik gespielt die passte dem einen nicht, dann hab ich auch einmal andere Musik gespielt, die war dann den anderen nicht recht. Ich habe versucht, meine Neutralität zu wahren. Und auch da gab es dann Hörer, die meinten, ich müsse klar und eindeutig Farbe bekennen und die eine oder andere Haltung vermitteln. Ich habe mir das aber nie zu Herzen genommen. Vielmehr habe ich eins festgestellt und auch oft mit meinem Vater darüber gesprochen: Wenn dich alle kritisieren, die Linke und die Rechte, Konservative und Liberale, dann machst du es richtig. Wenn dich nur eine Seite kritisiert, stehst du automatisch auf der anderen! Das wollte ich nicht. Daran hab ich mich gehalten und entsprechend weiter gemacht.

CF: Haben denn nur Türkischstämmige angerufen?

Bedo: Nein, auch Deutsche, auch viele von anderen Nationen, die auch so eine Sendung für ihren Kulturkreis haben wollten. Meine Zuhörerschaft war sehr bunt gemischt. Der Offene Kanal Hamburg stand für eine multikulturelle Stadt!


 

Home > Blog > Festivals, Medien & TV > Im Gespräch: Claus Friede mit Kultmoderator ...

Mehr auf KulturPort.De

200 Jahre Kunstverein in Hamburg
 200 Jahre Kunstverein in Hamburg



„Just what is it that makes today’s Kunstverein so different? So appealing?” Nach Charity Auktion (14.9.) und Festakt im Rathaus (22.9.) klingen mit einer  [ ... ]



Fassadendemokratie und tiefer Staat. Das marktgetreue Grinsen
 Fassadendemokratie und tiefer Staat. Das marktgetreue Grinsen



Was denn? Das Volk sei unfähig, Politisches zu durchschauen oder gar mitzuregieren? Liest man dies im Buch „Fassadendemokratie“, dann ist man bass erstaunt, [ ... ]



„Tom of Finland” – Revolutionär schwuler Ästhetik
 „Tom of Finland” – Revolutionär schwuler Ästhetik



Er inspirierte Künstler wie Andy Warhol, Robert Mapplethorpe und die Village People, seine markanten erotischen Zeichnungen veränderten radikal das Selbstverst [ ... ]



Serenata Italiana – Raphaela Gromes und Julian Riem
 Serenata Italiana – Raphaela Gromes und Julian Riem



Gerade war sie noch beim Schleswig-Holstein-Musikfestival zu hören und debütierte – nun kommt zeitnah dazu ihr Debütalbum auf dem Markt. Gemeinsam mit Piani [ ... ]



Achim Freyer und sein „Parsifal“ in Hamburg: Viel Bühne, wenig Weihe, eine Menge Spiel
 Achim Freyer und sein „Parsifal“ in Hamburg: Viel Bühne, wenig Weihe, eine Menge Spiel



Es ist dunkel in der Hamburger Gralsburg, als Achim Freyer mit seiner „Parsifal“-Interpretation den Start in die neue Saison der Staatsoper zelebriert. Der 8 [ ... ]



Jens Düppe: Dancing Beauty. Eine Hommage an John Cage
 Jens Düppe: Dancing Beauty. Eine Hommage an John Cage



Wie kann ein Künstler heute ungebunden und frei arbeiten? Ungebunden ist durchaus möglich – frei arbeiten stößt aus unterschiedlichen Gründen an Grenzen.  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.