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Musikwoche Hitzacker – „ein Roter Faden durch die Zeit“

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Freitag, den 03. März 2017 um 11:03 Uhr
Musikwoche Hitzacker – „ein Roter Faden durch die Zeit“ 3.9 out of 5 based on 81 votes.
Musikwoche Hitzacker – „Roter Faden durch die Zeit“

Hitzacker – „Das Genre gibt eine gewisse Freiheit, die Freiheit, dass aus dem Moment heraus etwas entsteht. Es ist nicht festgefügt, nicht in Formfragen eingeschränkt.“ Markus Bröhl spricht über die Fantasie, das musikalische Genre, das im Programm der am 3. März beginnenden Musikwoche Hitzacker prägend sein wird. Ein weiterer Grund für die Wahl des Festivalthemas, sagt der Dramaturg, sei aber sicher auch, dass es der „Oboisten-Persönlichkeit“ und dem Leiter der Musikwoche Albrecht Mayer entspreche.

Die Persönlichkeit des Solo-Oboisten der Berliner Philharmoniker kennenzulernen hatte das Publikum des winterlichen Festivals in der kleinen Elbestadt östlich von Hamburg, erstmals im Vorjahr Gelegenheit. 2016 hatte Albrecht Mayer das Festival vom Gründungsleiter dem Trompeter Ludwig Güttler übernommen. Letzterer hatte das seit 1987 existierende Musikfest – und immer ein wenig im Schatten seines über doppelt so alten Pendants, den Sommerlichen Musiktagen Hitzacker – geleitet.

Mit Leiter Albrecht Mayer und Dramaturg Markus Bröhl, die bei der Programmgestaltung eng zusammenarbeiten, kam eine Neuausrichtung: Weg von der Alten Musik und der damit verbundenen Person des „Star-Trompeters Güttler“, der schon zu DDR-Zeiten extrem populär war. Weg vom Glanz des Blechs zur Kantabilität des Holzes, von Barock und Vorklassik zum klassisch-romantischen Feld.

Dass die Oboe, dessen musikalischer Persönlichkeit entspräche, gelte im Fall des künstlerischen Leiters der Musikwoche in doppelter Weise, sagt Markus Bröhl, der in Bonn Musik- und Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte studiert hatte: Die Fantasie als Genre sei in der ganzen Musikgeschichte – „es gibt genug Fantasien für drei Festivals“ – zu finden, und „sie trifft den Charakter von Albrecht Mayer“.

Ein Thema wie „Fantasien“ biete die Möglichkeit, die Entwicklung eines Genres „anhand eines roten Fadens durch die Zeit zu verfolgen“, das sei eine Programmidee, die sehr reizvoll sei. Und „die Oboe zieht sich durch die Epochen“, sagt Markus Bröhl beim Gespräch in Berlin weiter, wo er seit 2008 lebt. Ein Thema wie „Fantasien“ biete einen „schlüssigen musikalischen Rahmen“. Wichtig sei es, dass ein Festivalthema nicht zum Dogma werde, es sei zwar bei der Programmgestaltung „Schwerpunkt, aber es ist wichtig, diesen auch aufzulockern und zu kontrastieren“, beschreibt der Dramaturg. Thema und Variation eben.

Was das praktisch meint, beschreibt Markus Bröhl anhand des Abschlusskonzerts der Musikwoche 2016, das im ersten Teil französische Musik bietet: die Orchesterfantasie „Le beouf sur le toit“ von Darius Milhaud – „fast eine Filmmusik – und Ravels Bearbeitung des „Tombeau de Couperin“ für Oboe und Orchester. „Wir hätten das Oberthema gut durchziehen können, aber die beiden Stücke ergänzen sich gut. „Nicht jedes Stück muss eine Fantasie sein“. Umso mehr, wenn die „Nicht-Fantasie“ die Fantasie beleuchtet und aus neuen Blickwinkeln erlebbar macht. Indem sie etwa, im Fall des Ravel’schen „Tombeau“, gleich mehrfach jene musikgeschichtlich einbindet.

„Ein Festivalthema muss uns berühren“, sagt Bröhl, der im Programm nicht nur als Dramaturg, sondern auch als Verantwortlicher für die künstlerische Planung ausgewiesen ist. Der Plural „uns“ verweist darauf, wie eng er und Albrecht Mayer zusammenarbeiten. „Wir sind ein Team“, sagt Bröhl und bezieht flugs noch die anderen, ehrenamtlichen Mitarbeiter ein, auch wenn diese an weniger herausgehobenen Stellen zum Gelingen beitragen.

Die Bedeutung des Ehrenamtes für die Musikwoche ist etwas, woran der Abschied des ersten und von 1986 bis 2015 einzigen künstlerischen Leiters des Festivals nichts geändert hat. Dennoch sind Markus Bröhl und Albrecht Mayer die beiden Menschen im Team, die das Hitzacker Winterfestival künstlerisch nach außen repräsentieren. Ist dieser Aspekt ihrer Arbeit nicht schwieriger geworden, seit die Musikwoche mit Ludwig Güttler ihr altes Gesicht und ihre Prägung als Festival Alter Musik verloren hat? Solche Befürchtungen und Fragen, antwortet Markus Bröhl, seien „ein positives Signal, die bedeuten Beschäftigung mit der Materie“.

Dass bei der Musikwoche die Alte Musik nicht weggefallen ist, wohl aber ihre Wirkung nun eher aus dem Hintergrund entfaltet, macht der Blick ins Programm immer wieder deutlich. Und manchmal tritt sie auch den Vordergrund. „Wir beide sind absolute Bach-Liebhaber“, weist Markus Bröhl, erneut im Plural, auf das Konzert von Albrecht Mayer mit dem Cembalisten Vital Julian Frey am 10. März hin. Von Bachs „Chromatische Fantasie und Fuge“ ausgehend, sei das Programm konzipiert, Mozarts d-Moll-Fantasie (KV 397) verweise in ihrer Anlage mit improvisatorischen Abschnitten, mit solchen, in den Themen erkennbar werden, auf die Nähe beider Komponisten. Brüder im Geiste. Am anderen Ende des historischen Spektrums steht Wolfgang Rihms „Phantom und Eskapade – Stückphantasien für Violine und Klavier“, mit denen die junge chinesische Star-Violinistin Tianwa Yang nach Hitzacker reist. Ein bisschen Zukunft.

Einen kleinen Blick in die Zukunft gibt Markus Bröhl auch: Das Festival 2018, berichtet er über gastierende Prominenz, werde mit einem Konzert des aus Mitgliedern des NDR Elbphilharmonie Orchesters bestehenden NDR Kammerorchesters enden. „Nachtstücke“ soll das Thema der 32. Musikwoche im kommenden Jahr sein, erneut also ein musikalisches Genre im Mittelpunkt stehen. Mit diesem Thema stehe die 2018er-Ausgabe der Musikwoche in der Mitte eines fünfjährigen Spannungsbogens.

Ganz an dessen Beginn, noch vor dem ersten Programm, stand die Anfrage der Musikwoche, ob Mayer, dessen Manager Bröhl ist, deren Leitung übernehme. „Mir war sofort klar: Das will ich machen. Davon wollte ich Albrecht Mayer unbedingt überzeugen.“

Musikwoche Hitzacker
Vom 3. bis 12. März 2017
Weitere Informationen


Abbildungsnachweis:

Header: Kirchenkonzert

Galerie:
01. Markus Bröhl. Foto: privat
02. Albrecht Meayer. Foto: Ben Ealovega
03. Tianwa Yang. Foto: Irène Zandel

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