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„Keep Swinging“ - ein Gespräch mit Konzertveranstalter Karsten Jahnke

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Montag, den 23. Mai 2011 um 17:03 Uhr
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„Keep Swinging“ - ein Gespräch mit Konzertveranstalter Karsten Jahnke

Er ist ein waschechter Hamburger, das hört man schon am Zungenschlag. Seine Verträge macht er noch per Handschlag, seine Briefe unterzeichnet Karsten Jahnke jedoch auf Englisch - mit „Keep Swinging“.
Jahnke (74), einer der größten und wichtigsten Konzertveranstalter der Republik, hat Mega-Stars wie Tina Turner, Elton John und Pink Floyd nach Deutschland geholt. Seine große Liebe aber gehört dem Jazz. Wenn am kommenden Wochenende das zweite Elbjazz-Festival im Hamburger Hafen steigt, ist er selbstverständlich mit dabei. Als Partner und Pate des jungen Elbjazz-Teams - aber auch als Fan von Musikern, deren Großvater er sein könnte.

Isabelle Hofmann (IH): Herr Jahnke, Sie veranstalten seit einem halben Jahrhundert Rock- Pop- und Jazz-Konzerte. 800 bis 1000 pro Jahr. Was haben Sie gedacht, als Tina Heine und Nina Sauer Ihnen den Plan eines internationalen Jazzfestivals im Hamburger Hafen unterbreiteten? Ein Fall von Größenwahn?

Karsten Jahnke (KJ): Also, ich fand die Idee spontan hervorragend. Das ist ja so eine herrliche Mischung aus Naivität, Professionalität und Leidenschaft. Toll, aber auch gefährlich in unserer Branche, weil man dann von der Idee so begeistert ist, dass man die Kosten nicht mehr real einschätzen kann. Ich hab‘ die beiden ja auch gleich gebremst und gesagt, ihr braucht jemanden, der da einsteigt.

IH: Das haben Folkert Koopmans (Scorpio Konzertproduktionen) und Sie dann ja auch gemacht. Haben Sie sich geärgert, nicht selbst auf die Festival-Idee gekommen zu sein?

KJ: Also, woll’n mal so sagen: Ich hatte mehrmals die Idee, in Hamburg ein Festival zu machen. Aber ich war nicht so gepolt. Das haben die beiden toll aufgebaut. Mensch, im Hafen! Und dann der Name „ Elbjazz“. Das ist doch genial, da stimmt alles!

IH: Kein Konkurrenzgefühl?

KJ: Nö, da hab‘ ich keine Berührungsängste. Ich hab‘ einfach schon zu viele Jazz-Tourneen gemacht. Ich weiß, wie sehr man fighten muss. Bei Elbjazz sind wir ja auch noch nicht über den Berg – aber wir sind auf einem verdammt guten Weg.

IH: Warum ist das Geschäft mit Jazz so schwierig?

KJ: Jazz steht in dem Ruf, dass man so ungefähr Abitur haben muss, um ihn zu verstehen. Was natürlich Blödsinn ist. Die meiste Musik ist gut konsumierbar.

IH: Dank Ihrer Kontakte kommen jetzt Jazz-Größen wie Klaus Doldingers Passport und Charlie Haden zum Elbjazz.

KJ: Dass es mir gelungen ist, Klaus Doldinger zu holen, freut mich besonders, denn mein erstes modernes Jazzkonzert, das ich 1965 veranstaltet habe, war „The sensational Klaus Doldinger Quartett“.

IH: Sie haben immer wieder erzählt, dass Sie Ihr Hobby zum Beruf gemacht haben - nach zehn Jahren als Im- und Exportkaufmann.

KJ: Hm. Das stimmt.

IH: Und dass Sie dabei nicht nur aufs Geld geschaut haben. Das ist ziemlich untypisch für einen hanseatischen Kaufmann.

KJ: Na ja, ich gehöre zu den Leuten, die Musik wirklich interessiert. Ich gehe ja nach wie vor noch in meine Konzerte. Die jungen Leute sind alle fixiert auf eine bestimmte Musikrichtung. Ich liebe alles, nur keine Klassik. Ich mag unheimlich gerne Chanson, ich mag Folk, Rock und Pop und vor allem Jazz. Ich finde, als Musikliebhaber muss ich einen Joe Cocker mal gehört haben, einen Ray Charles, einen BB King. Die haben ja Musikgeschichte geschrieben.

IH: Sie haben in Ihrer Jugend bestimmt alle gehört, die nach Hamburg kamen.

KJ: Fast alle. Louis Armstrong, Count Basie, Ella Fitzgerald, Duke Ellington, Dave Brubek. Dass ich mir mit meinem Lehrlingsgehalt von 45 Mark eine Karte für Erroll Garner nicht leisten konnte, ärgert mich heute noch. Die sollte 15 Mark kosten.

IH: Ihr Sohn und Ihr Enkel sind beide in Ihre Firma eingestiegen. Spielen Sie ihnen manchmal die Musik vor, die Sie mögen?

KJ: Ne, das hat keinen Zweck. Als mein Sohn noch klein war und mit einem Song ankam, habe ich mal gesagt, „hör dir doch das Original an“. Das war ein Fehler. Das darf man überhaupt nie machen. Im Moment gibt es wieder derartig gute Bands, ob das nun Bruno Mars, James Blake, Aloe Blacc oder Adele sind. Die junge Generation muss ihre Musik selbst entdecken.

IH: Das läuft heute in der Regel über das Internet.

KJ: Unsere Generation hatte noch alles im Plattenschrank. Die jungen Leute machen Downloading.

IH: Meistens illegal. Der Markt ist dadurch dramatisch eingebrochen.

KJ: Es ist doch aber eine Illusion der Plattenfirmen zu glauben, die jungen Leute dafür bestrafen zu können. Völlig albern. Das ist für die doch wie Äppel klauen. Natürlich weiß man, das ist de facto nicht erlaubt, aber jeder macht es.

IH: Mit Jazz verdient man eh kein Geld, haben Sie mal gesagt.

KJ: Das stimmt. Ich hatte aber das große Glück, „Insterburg & Co“ entdeckt zu haben. Mit der Gruppe haben wir zehn Jahre lang jedes Konzert ausverkauft. Deshalb konnte ich mir das Hobby Jazz auch leisten. Ich erinnere, dass wir damals auch eine Tour mit Peter Herbolzheimer Rhythm Combination & Brass gemacht haben. Die hat damals 250.000 Mark gekostet. Das war richtig viel Geld. Das haben wir verloren. Aber wir hatten ein gutes Polster.


 

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