Zum Anfang

Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 607 Gäste online

Neue Kommentare

El Duderino zu „Elle” – Von Rache, Unterwerfung und der Komik des Schreckens : Isabelle Huppert ist die wohl beste Schauspieleri...
Anna Grillet zu „The Salesman” – Oder die Grenzen des Glücks : Ein Trailer verrät meiner Ansicht nach über ei...
Iha zu „The Salesman” – Oder die Grenzen des Glücks : Eure Besprechung ist sehr gut und zutreffend. Abe...
Isabel Mahns-Techau zu Die 17. Museumsnacht in Basel – Ein Erlebnisbericht: Lieber Claus, um diese Nacht in Basel bist Du wir...
Herby Neubacher zu Elbphilharmonie: routinierter Start im TV, Gänsehaut exklusive. Die Eröffnung im Fernsehen: Ich denke - und das wird sicher wieder nicht vero...

Anzeige

Spezial - Lange Nacht der Museen Hamburg 2016

Spezial - Hamburger Architektur Sommer 2015


Festivals, Medien & TV

23. Filmfest Emden-Norderney: Drehbuchpreis für „Freistatt“

Drucken
(162 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Sonntag, den 10. Juni 2012 um 06:18 Uhr
23. Filmfest Emden-Norderney: Drehbuchpreis für „Freistatt“ 4.5 out of 5 based on 162 votes.
23. Filmfest Emden Norderney: Drehbuchpreis für „Freistatt“ - Nicole Armbruster, Marc Brummond

„Ein Drehbuch ist eine Möglichkeitswelt“. Mit diesen Worten begann Autor, Fernsehkritiker und Jurymitglied des Emder Drehbuchpreises 2012, Torsten Körner, die Gewinnerlaudatio.
Für Nicole Armbruster und Marc Brummund, die mit „Freistatt“ den diesjährigen Drehbuchpreis gewonnen haben, eröffnet sich dadurch und die Dotierung von 10.000 Euro ebenso eine Möglichkeitswelt, denn das Drehbuch hat nun noch bessere Chancen zum Film zu werden.

„Freitstatt“ ist eine kleine Gemeinde bei Diepholz in Niedersachen, vom Wietingsmoor umgeben. Klingt nach einem Ort, an dem sich Fuchs und Hase „gute Nacht“ sagen. Friedrich von Bodelschwingh gründete im Jahr 1899 als Betheler Zweiganstalt eine Heimstätte für sozial benachteiligte Personen und schwer erziehbare Jugendliche. Die arbeiteten im Moor und stachen Torf.
Zustände und Erziehungsmethoden waren immer wieder Gegenstand von Diskussionen, Auseinandersetzungen und Untersuchungen. „Endstation Freistatt“ hieß es lange Zeit oder schlimmer „Freistatt ist der Vorhof zur Hölle“. Generationen von Jugendlichen quälten sich dort und die Aufarbeitung dessen, was jahrzehntelang dort geschah hat begonnen. Das Buch des Spiegel-Autor Peter Wensierski „Schläge im Namen des Herrn“ (2006) hat sicherlich auch zur Reflexion in „Freistatt“ beigetragen.
Drehbuchautor und Regisseur Marc Brummond („Land gewinnen“, „Heim“) stammt aus Diepholz und kennt die Gegend gut. Viele Jahre hat er recherchiert, die Jugendanstalt und deren Gebäude besucht und das Leben von „Fürsorgezöglinge“ untersucht.

In dem Heimmilieu soll der Film einmal angesiedelt sein und das Leben des jugendlichen Hauptprotagonisten erzählen: Ein Junge wird von seinem Stiefvater ins Heim abgeschoben. Dort ist er Sadismus und Willkür ausgesetzt. Als er Jahre später entlassen wird, passt er nicht mehr in die Gesellschaft.
Es geht folgerichtig um Gewalt, Machtspiele und Hierarchien, um Verrohung und dem Scheitern von Eltern, Erziehern und Erziehungsmethoden. „Dieses Drehbuch wirft Fragen auf, die auch die Jury in besonderem Maße zur fragend-suchenden Auseinandersetzung gezwungen haben“, sagt Körner und stellt diese dann auch: „Aus wie vielen Farben besteht die Wirklichkeit? Wie weit darf die historische Empathie mit Opfern getrieben werden, ohne dabei die Perspektive der Täter aus dem Auge zu verlieren? Wie zeigt man Gewalt, ohne sich selber von der Gewaltdarstellung verführen zu lassen?“
Dass der Film keine leichte Unterhaltung werden kann ist offensichtlich, aber um das Drehbuch umzusetzen muss das Ergebnis kantig, spröde und unbequem bleiben. Es darf weder zu viel erzählen, noch sezierend pathologisch werden.
„Die Unbequemlichkeit als Qualität erhalten, ohne zur Pose zu erstarren“, endet der Laudator.

Emder DrehbuchpreisBrummond hat sich für sein Thema mit Nicole Armbruster (Thomas Strittmatter Drehbuchpreis für „Festung“) eine junge, renommierte Autorin an die Seite geholt. Beide spielten sich bei der Preisverleihung die Bälle zu und betonten gemeinsam die ausgewogene Teamarbeit. „Nicole Armbruster hat dem Drehbuch sehr gute Ideen hinzugefügt", sagt Brummond anerkennend, „und ohne sie wäre das Drehbuch nicht das geworden, was es ist!"

Zwei zweite Preise gingen, zu je 1.000 Euro Nominierungspreisgeld, an das Drama „Annegrets Heimkehr“ von Rebekka Wulff sowie an die Komödie „Palmen im Pott“ von Elmar Freels.
"Annegrets Heimkehr" reflektiert in einer Rückblende das Schicksal einer Deutschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Island eine neue Heimat finden möchte. "Palmen im Pott" erzählt die Geschichte der unbeugsamen Beate, die sich bodenständig als letzte Deutsche in Duisburg-Marxloh gegen ihre türkischstämmigen Nachbarn durchzusetzen versucht.

Mitglieder der Jury waren in diesem Jahr: Vorsitzender Ulrich Spieß (Adolf-Grimme-Institut), Brigitte M. Bertele (Regisseurin, Drehbuchautorin), Torsten Körner, der Drehbuchautor und Dozent Daniel Speck und die Schauspielerin Ulrike C. Tscharre.

alt
Fotonachweis:
Header: Die Preisträger. v.l.n.r.: Nicole Armbruster, Marc Brummond. Foto: Gabi Marks.
Im Text: Drehbuchpreis, gestiftet von der Seehafenspedition Jakob Weets

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

avatar Angelika Oetken
0
 
 
Großartig, dass Herr Brummond und Frau Armbruster diesen Film gemacht haben. Und die Preisverleihung lenkt auch die nötige Aufmerksamkeit auf das Thema "Kinder-Konzentrationslager nach 45", ob sie nun "Freistatt" (Westdeutschland) oder "Torgau" (Ostdeutschland) hießen.

Befremdlich allerdings das, was Herr Körner da in seiner Laudatio von sich gibt: "Wie weit darf die historische Empathie mit Opfern getrieben werden, ohne dabei die Perspektive der Täter aus dem Auge zu verlieren? Wie zeigt man Gewalt, ohne sich selber von der Gewaltdarstellung verführen zu lassen?“

Ist das etwa einer, der die Perspektive der Täter sucht und sich von Gewaltdarstellungen verführen lässt?

Das war hoffentlich nicht die Intention der Filmemacher.

Ich werde mir "Freistatt" auf jeden Fall ansehen.

Angelika Oetken, Berlin-Köpenick
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
avatar Claus Friede
+3
 
 
Sehr geehrte Frau Oetken,
zur Richtigstellung: Es handlt sich bislang erst um ein Drehbuch, das noch verfilmt werden möchte.

Außerdem glaube ich, dass Sie Herr Körner gründlich missverstehen, wenn sie glauben, er suche die Sicht der Täter solitär. Ihm ging es meines Erachtens darum, beide Seiten zu erkennen und nicht ausschließlich nur einer Partei zu erliegen. Gewaltdarstellungen im Film haben nämlich häufig nichts mit den tatsächlichen Opfern zu tun, sondern existieren ihrer selbst Willen.
So verstanden wird ein Schuh daraus sowie mit einer notwendigen Sensibilität aller Beteiligten gegenüber.
(Vgl. mein neuer Beitrag "Schuld sind immer die Anderen", ebenfalls bei Kultur-Port.)

Mit besten Grüßen nach Berlin,

Claus Friede
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
avatar Max Gerbel
-1
 
 
Gratulation an Brummond/Armbruster zu der Auszeichnung für das "Freistatt"-Drehbuch!

Die Preisverleihung alleine bringt ja schon Aufmerksamkeit für das Thema.

Aber:
Sollen Artikel und Laudatio sicherstellen, daß es nicht "allzu" kritisch gesehen wird?

"Generationen von Jugendlichen quälten sich dort"
Haben diese Jugendlichen sich selbst gequält?

"Wie weit darf die historische Empathie mit Opfern getrieben werden, ohne dabei die Perspektive der Täter aus dem Auge zu verlieren? "
Es ist zu Recht i.d.R. nicht die Perspektive der Täter, die man (zu Lasten der Empathie mit den Opfern!) nicht aus den Augen zu verlieren versucht, sondern die unbeteiligte Perspektive.

Auch halte ich es für eine äußerst fragwürdige Wertung, daß statt von akribischer Aufarbeitung oder tiefgehender Analyse, die in einem Spielfilm womöglich tatsächlich fehl am Platze sind, von "sezierend pathologisch" gesprochen wird.

Trotzdem vielen Dank für den Bericht.



Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
avatar David
+2
 
 
Hier findet man noch weitere Infos und ein Kurzinterview mit Brummond: http://www.radiobremen.de/nordwestradio/sendungen/nordwestradio_journal/audio89414-popup.html
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Mehr auf KulturPort.De

Distances: Venice
 Distances: Venice



2014 gegründet, 2017 das Debüt-Album. Das europäische Jazzquartett „Distances“ mit Mitgliedern aus Lettland, Deutschland, Italien und Bulgarien, d [ ... ]



„Fences” – Die tragische Überheblichkeit eines Verlierers
 „Fences” – Die tragische Überheblichkeit eines Verlierers



Denzel Washington inszeniert das wortgewaltige Familiendrama „Fences” als Psychogramm schwarzer Identität Ende der Fünfziger Jahre in den U [ ... ]



ReVision. Fotografie im MKG
 ReVision. Fotografie im MKG



„Revision“ bedeutet Rückschau oder Überprüfung. Das Museum für Kunst und Gewerbe hat in den vergangenen Jahrzehnten etliche diese [ ... ]



Das Trautonium – frühe elektronische Experimente in der Musik
 Das Trautonium – frühe elektronische Experimente in der Musik



In Bayreuth durfte es zwei Jahre mitspielen, in einem berühmten Thriller die Vögel aggressiv schreien lassen. Das Trautonium, vorgestellt 1930, ist ein Experim [ ... ]



Jeroen Berwaerts & Salaputia Brass: Signals from Heaven
 Jeroen Berwaerts & Salaputia Brass: Signals from Heaven



Exakt zehn Jahre ist es her, da formierten sich Musiker des Bundesjugendorchesters zu einem Brass-Ensemble. Mittlerweile arbeiten die elf Blechbläser mit einem  [ ... ]



Tilman Rammstedt: „Morgen mehr“ – ein rasanter Roman mit großem Showdown
 Tilman Rammstedt: „Morgen mehr“ – ein rasanter Roman mit großem Showdown



Tilman Rammstedt, der letzte Autor der diesjährigen Reihe „LiteraTour Nord“, der seinen Roman „Morgen mehr“ in der Lübecker Buchhandlun [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.