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Ringelnatz geht an Land. Schindehütte eröffnet im Elysée

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Geschrieben von Isabelle Hofmann  -  Donnerstag, den 31. März 2011 um 11:20 Uhr
Ringelnatz geht an Land. Schindehütte eröffnet im Elysée 4.4 out of 5 based on 126 votes.
Ringelnatz geht an Land. Schindehütte eröffnet im Elysée

„Süß! Einfach nur süß!“ Ob Albert „Ali“ Schindehütte der Ausruf eines begeisterten Betrachters bei der Eröffnung seiner Ausstellung „Ringelnatz geht an Land“ in der Galerie im Elysee gefallen hätte?

Schließlich ist „süß“ kein schmeichelhaftes Attribut für das Kunstwerk eines ernst zu nehmenden Künstlers – auch nicht, wenn es sich dabei um die lavierte Tuschezeichnung eines Mädchens in altmodischem Kleidchen handelt. Schindehütte hat die Bemerkung nicht gehört, er war viel zu beschäftigt mit dem Signieren seiner Bücher – die Menschenschlange wollte über Stunden nicht abreißen. Aber vielleicht wäre der Künstler dem älteren Herren, der das Mädchenbildnis so lautstark bewunderte, auch gar nicht böse gewesen. Vielleicht hätte er ihm sogar lächelnd zugestimmt. Weil es ihm längst egal ist, mit welchen Attributen seine Zeichnungen und Holzschnitte geschoben werden.

Weil er ein virtuoser Illustrator ist, der über den Dingen steht, der sich immer erfolgreich den Schublanden „angewandte“ und „freie“ Kunst entzogen hat. Vielleicht auch, weil er ein Romantiker ist, ein Poet, ein Mann mit Kinderherzen, der insgeheim durchaus nachvollziehen kann, dass man einige seiner Zeichnungen „süß“ findet. Aber sicher nicht „einfach nur süß“. Denn „einfach nur“ ist in dem komplexen Werk des Mitbegründers der Werkstatt Rixdorfer Drucke wohl gar nichts – das macht die großangelegte Ausstellung an der Rothenbaumchaussee schon auf den ersten Blick deutlich.

Ali Schindehütte ist eine Instanz für sich. Ein Zeichner und Holzschneider der Ausnahmeklasse, dem sein märchenhaftes Figurenrepertoire nur so aus der Hand zu fließen scheint. In seiner Virtuosität erinnert der 71-jährige Künstler an seinen Kollegen Horst Janssen, den genialen Zeichner aus Blankenese, der gar nicht so weit weg von Schindehüttes Haus in Övelgönne wohnte. Wie Janssen lässt sich auch Schindehütte immer wieder von Dichtern und Denkern inspirieren. Wie Janssen wechselt auch Schindehütte scheinbar mühelos Stil und Techniken. Wie Janssen setzt auch Schindehütte auf den besonderen ästhetischen Reiz, den die Verbindung von Schrift und Zeichnung hervorruft. So fallen gleich im Eingangsbereich der Ausstellung vier lavierte Tuschezeichnungen ins Auge, die Früchte und Blumen zeigen und daneben entsprechende Gedichte von Brecht, Busch und Rainer-Maria Rilke. Ungewöhnlich leichte, luftige Arbeiten, bei denen die Texte die Zeichnungen illustrieren statt umgekehrt.

In der Galerie selbst steht dann der riesige Holzschnitt „Ringelnatz geht an Land“ (135 x 170 cm) im Zentrum, eine Auftragsarbeit für die Sammlung Block, dessen Erstabzug der Künstler bereits Anfang März vor geladenem Publikum in der Galerie im Elysee ausführte. Mit all den flächigen schwarzen, weiß umrandeten Fabelwesen ist dieses Blatt „ein typischer Schindehütte“, wie man ihn von vielen Märchenillustrationen her kennt. Natürlich steht auch hier der Rabe im Mittelpunkt, ein Vogel, der schon als Markenzeichen bezeichnet werden kann. In diesem Fall ist es ein Raben-Matrose mit einem Fisch- und einem Rattenbein, aus dessen Mütze wiederum zahlreich behütete Vögel, Ratten und Füchse herausschauen. Flankiert wird dieses Blatt von kleineren Tuschezeichnungen, die mit spitzer Feder Gedichte von Meister Ringelnatz in Szene setzen. Die berühmten zwei Ameisen, die nach Australien reisen wollten, sind selbstverständlich auch dabei.

Albert Schindehütte:
1939 in Kassel geboren, aufgewachsen in Breitenbach.
1956-1959 Studium an der Werkkunstschule Kassel.
1963 Mitbegründer der Werkstatt Rixdorfer Drucke in Berlin, die sich seit 1974 im Wendland befindet.
Schindehütte lebt in Hamburg und in Breitenbach, wo seit 1997 mit seinen Arbeiten die Schauenburger Märchenwache eingerichtet ist.
Seine Zeichnungen, Radierungen, Lithographien, Holzschnitte und kalligraphischen Blätter befinden sich seit 1959 in öffentlichen und privaten Sammlungen.

Die Ausstellung "Ringelnatz geht an Land" ist noch bis zum 29. Mai 2011 in der Galerie im Elysée zu sehen.
Galerie im Elysée, Rothenbaumchaussee 10 in 20148 Hamburg

Header: Details aus: Der Künstler bei der Arbeit am Holzschnitt. (Motiv der Einladungskarte)
Galerie:
1. Albert Schindehütte vor "Ringelnatz geht an Land"
2. und 3. Während des Druckvorgangs
4. Während der Ausstellungseröffnung: v.l.n.r. Tom Buhrow, Christa Block, Albert Schindehütte
5. Albert Schindehütte zeichnet; über die Schulter geschaut...
Alle Fotos: Copyright Michael Zapf.

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