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Fotografie

Vienna's Shooting Girls – Jüdische Fotografinnen aus Wien

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Montag, den 29. Oktober 2012 um 10:44 Uhr
Vienna's Shooting Girls – Jüdische Fotografinnen aus Wien 4.7 out of 5 based on 232 votes.
Vienna's Shooting Girls – Jüdische Fotografinnen aus Wien

Eine neue und überaus sehenswerte Ausstellung im Jüdischen Museum Wien macht ein bedeutendes Kapitel jüdischer Frauengeschichte sichtbar.
Es gibt Fragen, die erst sehr spät gestellt werden: Das Jüdische Museum in Wien geht den Gründen nach, warum der größte Teil aller Fotostudios in Wien zwischen 1860 und 1938 in weiblich jüdischer Hand waren.
Sie kamen aus wohlhabenden liberalen Familien, höhere Schulbildung und Berufsausbildung war Teil des jüdischen Selbstverständnissen und der Beruf schien auch deshalb so beliebt, weil er keine akademische Ausbildung erforderte, die damals für Frauen per se schwer zu erlangen war.

altDas Ausstellungsprojekt zeigt eine Auswahl an Arbeiten von rund 40 jüdischen Fotografinnen. Die beiden Kuratorinnen Iris Meder und Andrea Winklbauer haben nicht nur akribische und ausführliche Arbeit geleistet, sondern der anspruchsvollen Geschichte der österreichischen Fotografie einen zusätzlichen Ort gegeben. Jüdische Fotografinnen prägten nämlich während der Ersten Republik das kulturelle Leben Wiens maßgeblich mit ihren Arbeiten.
Die Ausstellung folgt dem Weg der Fotografinnen schließlich ins Exil und erinnert an das willkürliche Ende dieser Geschichte, aber auch an die Fortführung in anderen Ländern.
Selbst ein Kenner der Fotografie-Szene Österreichs und Wiens, wird seine Entdeckungen machen können, denn neben so bekannten Namen wie Dora Kallmus, die sich Madame d’Ora nannte, Trude Fleischmann, Edith Tudor-Hart, Trude Geiringer und Dora Horovitz (Atelier Geiringer & Horovitz) sowie Edith Glogau findet der Besucher auch unbekanntere Fotografinnen wie Hilde Zipper-Strnad, Betti Mautner, Helene Feintuch, Kathe Serog oder Claire Beck.

Der Ausstellungsrundgang choreografiert detailliert zunächst die Rahmenbedingungen, den technischen Kenntnisstand, die Möglichkeiten der gewerblichen Studiofotografie und die Szene der Amateur- und Kunstfotografinnen.
Stilbildende Werke des Piktorialismus sind ebenso zu finden wie funktionale Fotografie und Fotocollagen des „neuen Sehens“ der Bauhaus-Schülerinnen. Aufgeschlüsselt in einzelne Subkategorien und Genres wie Mode-, Architektur-, Produkt, Portrait-, Tanz- und Aktfotografie lässt sich über drei Stockwerke hinweg in die Welt des Ablichtens eintauchen. Mit dem Beginn der modernen Druckverfahren und dem Aufkommen von Illustrierten und Magazinen in den 1920er-Jahren wurde das Medium der Fotografie nun auch zur Dokumentation und Berichterstattung von Lifestyle und Kultur sowie zum Portraitieren bekannter Persönlichkeiten für PR-Zwecke von immer größerer Bedeutung.

Kriegsberichterstatterinnen und Reportage- und Reise-Fotografinnen wie Alice Schalek und Edith Suschitzky, Gerti Deutsch und andere spielten schon im Ersten Weltkrieg eine bedeutsame Rolle. So ist es auch ihrem kritischen Blick und ihrer Zeugenschaft zu verdanken, dass viele dieser Aufnahmen kaum für Propagandazwecke geeignet waren. Auch die Fotografien zur Weltwirtschaftskrise zeigen unverblümt in klaren Bildern das Elend dieser Zeit. Bilder ferner Länder brachten Exotik und kulturelle Unterschiede auf das Fotopapier.

Nur einem überschaubaren Teil der jüdischen Fotografinnen gelang es, dem Terror des Nationalsozialismus zu entfliehen und in der Emigration, im Exil und der Nachkriegszeit weiterzuarbeiten. Besonderheiten sind die heimlich gemachten Aufnahmen von Maria Austria, die 1943 aus ihrem Dachversteck in den Niederlanden marschierende Wehrmachtssoldaten fotografierte und nach Kriegsende das Versteck von Anne Frank dokumentierten konnte.
Die meisten jüdischen Fotografinnen flohen nach Großbritannien, die USA, Kanada, Australien und Südamerika.

Nun sind sie wieder für ein paar Monate vereint – mit ihren Fotowerken im Jüdischen Museum in Wien.


Die Ausstellung “Vienna's Shooting Girls” - Jüdische Fotografinnen aus Wien
ist noch bis 3. März 2013 zu sehen:
Jüdisches Museum Wien, Dorotheergasse 11, in 1010 Wien/Österreich
Sonntag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr
Zur Ausstellung erscheint ein reich illustrierter Katalog mit 224 Seiten im Metro Verlag, mit Textbeiträgen von Ulla Fischer-Westhauser, Astrid Mahler, Iris Meder, Lisa Silverman und Andrea Winklbauer, ISBN-Nr. 978-3-99300-089-9 zum Preis von 27,90 €.
Ebenda ist außerdem noch bis 17. Februar 2013 die Ausstellung "Wartesaal der Hoffnung. Das Rothschild-Spital im November 1947 – Fotos von Henry Ries" zu sehen.
Detaillierte Informationen


Fotonachweis:
Header: Blick in die Ausstellung. Foto: wien.gv.at
Galerie:
01. Ausstellungsplakat „Vienna’s Shooting Girls“
02. Trude Fleischmann: "Dolly Haas als Scampolo", um 1932, Silbergelatinepapier,
11,2x8,1 cm. Aus einem Studioalbum der Fotografin. Eigentümer: Photoinstitut Bonartes
03. Atelier Geiringer & Horovitz (Trude Geiringer / Dora Horovitz): Elisabeth Bergner auf dem Kobenzl Wien, 1931, Silbergelatineprint, braun getont, 10,2x7 cm. Fotomuseum WestLicht
04. Atelier Edith Glogau: Frauke Lauterbach im Badekostüm, Zeitungsclip, Anf. 1930er Jahre. Fotomuseum WestLicht
05. Blick in die Ausstellung. Foto: wien.gv.at
06. Ausstellungsplakat "Wartesaal der Hoffnung. Das Rothschild-Spital im November 1947 – Fotos von Henry Ries"
07. Blick in die Ausstellung. Foto: wien.gv.at
08. Warten und Hoffen
09. Wartende Kinder
10. Abschied Fotos 8-10: Henry Ries. Copyright: The New York Times/DHM
 

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