Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 1063 Gäste online

Neue Kommentare

Gerd Kruse zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo Frau Lampert,
ich war durch meine He...

Herby Neubacher zu Elbphilharmonie: Das perfekte Buch zum Bau: Absolut richtig. Ich habe das gabnze Drama Elbphi...
Giulio zu „Die Spur”. William Blake und die Rache der Eigenbrötler : Prost Neujahr! Und danke für die vielen schönen...
Hubert Hoffmann zu Elbphilharmonie: Das perfekte Buch zum Bau: Ein Prestige -Objekt für die oberen Zehntausend....
Feindt zu Hamburg: Ein Museum im Hafen: Ein schönes neues Museum und wo bleibt die Berü...

Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Hamburger Architektur Sommer 2015


Fotografie

Edvard Munch: „Der moderne Blick“

Drucken
(113 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 22. Februar 2012 um 10:33 Uhr
Edvard Munch: „Der moderne Blick“ 4.5 out of 5 based on 113 votes.
Edvard Munch: „Der moderne Blick“ - Schirn Kunsthalle Frankfurt/M.

In der Frankfurter Schirn Kunsthalle wird Edvard Munch nicht einmal mehr als schwermütiger Maler vorgestellt.
Die Ausstellung zeigt in zehn Kapiteln, neben ausgewählten Malereiwerken, Zeichnungen und Grafiken, seinen produktiven Umgang mit den damals modernen Medien, Fotografie und Film. Er gehörte zur ersten Generation von Künstlern, die diese neuen Medien nutzten.

Edvard Munch (1863 – 1944), der Traumata und Konflikte zum Thema seiner Kunst gemacht hatte – auch in Figurengruppen und Interieurs, in heroisch gesteigerten Porträts von Freunden und Auftraggebern, in expressionistischen Landschaften mit weit ausgreifenden Flächen und starken Konturen, die zu Sinnbildern von Verlorenheit und Sehnsucht wurden – war nach einer nervösen Krise 1908 endgültig nach Norwegen zurückgekehrt und hatte sich 1916 auf seinem Anwesen Ekeley bei Kristiania niedergelassen.

Aber er lebte nicht zurückgezogen und isoliert, war vielmehr aufgeschlossen für die neue Technik, fand Gefallen an Film und Fotografie. In den späten 1920er-Jahren filmte er mit seiner Pathé-Baby-Kamera in Oslo flanierende Passanten, die Vorbeifahrt von Kutsche und Straßenbahn, später folgten Impressionen aus Dresden. Am Ende eines der vier 9,5-mm-Filme beugt er sich zum Objektiv, um es zu untersuchen – es schient, als wolle er hinter den Spiegel blicken. Und er fotografierte mit einer „Bull's Eye Kodak Nr. 2“, die er schon 1902 in Berlin erworben hatte, „nach Rücksprache mit meiner Eitelkeit“, wie er einem Freund schrieb, gern sich selbst. Er nahm sich im Freien auf oder vor seinen Bildern im Atelier. Dabei hielt er die Kamera mit ausgestrecktem Arm von sich weg, richtete das Objektiv auf seinen Kopf. Er konnte sich, da er die Aufnahmen im Jahresabstand machte, kritisch mustern und sein Älterwerden erkunden. Die gerahmten Originalabzüge mögen keine große Fotokunst sein, zeigen Munch aber als experimentierfreudigen Künstler auf der Höhe der Zeit.

Für die Komposition einiger Gemälde ließ er sich von seinen Erfahrungen als Kinogänger leiten. Die „Pferde im Galopp“ etwa nehmen eine klassische Filmperspektive ein, indem sie auf den Betrachter zurasen. Die Allee, die sich auf einem anderen Bild in die Tiefe des Raumes erstreckt, scheint ohne die von der Fotografie oder dem Film vermittelten Erkenntnisse schwer vorstellbar.

Kopien und Variationen von immer gleichen Themen und Sujets sind zu einem Markenzeichen Munchs geworden. Von dem Bild „Das kranke Kind“, dessen ursprüngliche Fassung Anfang der 1890er-Jahre einen veritablen Skandal ausgelöst hatte, sind von den sechs bekannten Varianten zwei in der Ausstellung zu sehen. Die „Mädchen auf der Brücke“, die in der Tiefe des Wassers ihr Schicksal erfragen, wird in zwei Varianten präsentiert. „Die Einsamen. Zwei Menschen“ von 1933 nehmen ein Motiv auf, das Munch schon 30 Jahre zuvor erprobt hatte. Manche Wiederholungen reduzieren die Motive auf die einfachste Ausdrucksform.

Im Sommer 1930 wurde bei Munch ein Riss in der Netzhaut festgestellt, der zu Blutungen im rechten Auge führte. In den Wochen der Rekonvaleszenz hielt er die Eindrücke fest, die er mit der verletzten Netzhaut wahrnahm. Er aquarellierte und zeichnete vibrierende und konzentrische Kreise oder er zeigt sich auf einer Kreidestift-Zeichnung mit verletztem Auge und einem dunklen aufgeplusterten Vogel.

Munch skizzierte ein brennendes Haus, malte – diagonal gestaffelt - Arbeiter, die Schienen von verwehtem Schnee frei graben oder auch die panisch reagierende Menschenansammlung während des Ersten Weltkrieges. Dabei sind die Farben intensiv, selbst noch in den dunklen Tönen.

In dieser großen und spannenden Ausstellung ist Munch nicht nur als einsamer Meister zu bewundern, der sich der Darstellung des eigenen Universums widmete, sondern auch als Künstler, der die Zeitläufte des 20. Jahrhunderts verfolgt. Sie bietet neben Bekannten eben auch viel Überraschendes.


 

(ca. 3.23 Min.) Teaser
Autorin: Miriam Fuchs / Redaktion: Dorothea Apovnik / Kamera: Hasan Gazi / Ton: Peter Peiker, Anne Finke / Assistenz: Johannes Kröger / Schnitt/Postproduktion: Peter Peiker / Musik: Wolfram Gruss. Produktion: Varvani GmbH © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2012
 


Edvard Munch - Der moderne Blick
Zu sehen bis 13. Mai 2012 in der Schirn Kunsthalle, Römerberg in 60311 Frankfurt/M..
Der im Verlag Hatje Cantz erschienene Katalog kostet in der Ausstellung 34,80 Euro.

Bildnachweise:
Header: Detail aus Edvard Munch, Selbstportrait vor zwei Aquarellen II, Ekely, 1930, Silber-Gelatine-Druck auf Papier, 11,2 x 8,8 cm. © The Munch Museum. © The Munch Museum / The Munch Ellingsen Group / VG Bild-Kunst, Bonn 2012
Galerie:
01. Film, 1927, gedreht mit einer Pathé-Baby-Kamera in Dresden, Oslo, Aker, Schwarz-weiß, 9,5 mm, stumm. © The Munch Museum. © The Munch Museum / The Munch Ellingsen Group / VG Bild-Kunst, Bonn 2012
02. Selbstportrait im Gang des Hauses Am Strom 53 in Warnemünde, 1907, Gelatine-Druck auf Papier, 9 x 9,4 cm
03. Selbstportrait "A la Marat", 1908-1909, Gelatine-Druck auf Papier, 8,1 x 9,3 cm. © The Munch Museum. © The Munch Museum / The Munch Ellingsen Group / VG Bild-Kunst, Bonn 2012
04. Rosa Meissner in ihrem Zimmer im Hotel Rhône in Warnemünde, 1907, Silber-Ausdruck auf Fotopapier Agfa Lupex, 8,7 x 7,3 cm. © The Munch Museum. © The Munch Museum / The Munch Ellingsen Group / VG Bild-Kunst, Bonn 2012
05. Weinende Nackte, 1930, Kohle auf Papier, 58 x 39,5 cm. © The Munch Museum. © The Munch Museum / The Munch Ellingsen Group / VG Bild-Kunst, Bonn 2012
06. Weinende Frau, 1907, Öl auf Leinwand, 121 x 119 cm. © The Munch Museum. © The Munch Museum / The Munch Ellingsen Group / VG Bild-Kunst, Bonn 2011
07. Mädchen auf der Brücke, 1902, Öl auf Leinwand, 100 x 102 cm. Privatsammlung. © The Munch Museum / The Munch Ellingsen Group / VG Bild-Kunst, Bonn 2012
08. Sternennacht, 1922-1924, Öl auf Leinwand , 120,5 x 100 cm. © The Munch Museum. © The Munch Museum / The Munch Ellingsen Group / VG Bild-Kunst, Bonn 2012
09. Edvard Munch. Der moderne Blick, Ausstellungsansicht. © Schirn Kunsthalle Frankfurt. Foto: Norbert Miguletz
10. Katalogcover, Edvard Munch. Der moderne Blick, Herausgegeben von Angela Lampe, Clément Chéroux und Max Hollein. Mit einem Vorwort von Max Hollein und Texten von Magne Bruteig, Clément Chéroux, Arne Eggum, Mai Britt Guleng, Lasse Jacobsen, Angela Lampe, Philippe Lanthony, Pascal Rousseau, Iris Müller-Westermann, Sivert Thue, Gerd Woll und Ingebjørg Ydstie.
Deutsche Ausgabe, 320 Seiten, ca. 300 Abbildungen. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2012, ISBN 978-3-7757-3282-6

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Fotografie > Edvard Munch: „Der moderne Blick“

Mehr auf KulturPort.De

James Rosenquist. Eintauchen ins Bild – vom Plakatmaler zur Pop-Art-Ikone
 James Rosenquist. Eintauchen ins Bild – vom Plakatmaler zur Pop-Art-Ikone



Speckstreifen fliegen durch das Weltall, rote Lippenstifte und Atompilze verkünden das nahende Inferno, Butterstücke zerfließen in einer Pfanne, Spaghetti mit [ ... ]



„Die dunkelste Stunde”. Winston Churchill und die Mobilisierung der Sprache
 „Die dunkelste Stunde”. Winston Churchill und die Mobilisierung der Sprache



Joe Wrights eleganter Politthriller „Die dunkelste Stunde” ist das Gegenstück zu Christoper Nolans überwältigendem Suspense-Epos „Dunkirk”. Zwei Filme [ ... ]



Die arabische Prinzessin – Von Leseratten, Fischverkäufern und einer Märchenoper, die nie geschrieben wurde
 Die arabische Prinzessin – Von Leseratten, Fischverkäufern und einer Märchenoper, die nie geschrieben wurde



Im Opernhaus in Hamburg schallen Kinderstimmen durch die Gänge: Es ist wieder opera piccola-Zeit!
Bevor die Kinderoper im Februar auf die Bühne geht, ist im H [ ... ]



Die Diktatur des Geldes – Finanz Tsunami
 Die Diktatur des Geldes – Finanz Tsunami



Ernst Wolff: „Finanz Tsunami. Wie das globale Finanzsystem uns alle bedroht“
Es ist wie es einmal war und heute noch ist: Ein Ausspruch von Henry Ford, des  [ ... ]



Verdis „Rigoletto“ als Genderfrage inszeniert von Katharina Thalbach
 Verdis „Rigoletto“ als Genderfrage inszeniert von Katharina Thalbach


  War es Absicht, dass rund um das Fest der Liebe die Kölner Oper ausgerechnet Giuseppe Verdis Bühnenstück „Rigoletto“ – das 1851 den Wel [ ... ]



„Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”. Oder die Heimat des Zorns
 „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”. Oder die Heimat des Zorns



Genialer Genre-Mix aus Neo-Western und Kleinstadt-Satire.
Manchmal ist es leichter einen Molotow-Cocktail zu werfen als zu weinen. Mildred Hayes (Frances McDorm [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.