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Film

„The Place beyond the Pines” – ein Vater-Sohn-Drama

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(184 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Geschrieben von Mirjam Kappes  -  Freitag, den 28. Juni 2013 um 10:19 Uhr
„The Place beyond the Pines” – ein Vater-Sohn-Drama 4.5 out of 5 based on 184 votes.
„The Place beyond the Pines”

Ryan Gosling als Bankräuber, Bradley Cooper als Polizist: Im neuen Film von Regisseur Derek Cianfrance geht es um die schicksalhafte Kreuzung zweier Lebenswege, um Kriminalität und Moral, und darum was es heißt, eine Familie zu sein.
Fröhliche Jahrmarktsmusik dringt gedämpft durch die Tür. Ein tiefes, stoßartiges Ausatmen ist zu hören, und dann: die raschen Schnappgeräusche eines Klappmessers, auf und zu, auf und zu. Schon die ersten paar Sekunden von „The Place beyond the Pines“ sind akustischer Nervenkitzel, die spürbar in der Luft liegende Gefahr, das Adrenalin, das durch die Adern rauscht.

Luke Glanton (Ryan Gosling) bereitet sich auf seinen Auftritt vor: Er ist Stunt-Motorradfahrer, und Teil seiner Performance ist es, todesmutig kopfüber und -unter durch eine metallene Kugel zu rasen. Der waghalsige Akt, mit dem er von Ort zu Ort zieht, hat ihm bereits einige Fans eingebracht, darunter auch Romina (Eva Mendes). Als der Jahrmarkt das letzte Mal in ihrem Provinzort Schenectady Halt gemacht hat, hat sie mit Luke eine Nacht verbracht – und eröffnet ihm nun bei ihrem Wiedersehen ein Jahr später, dass er Vater geworden ist. Um für seinen Sohn zu sorgen, beschließt Luke sesshaft zu werden, doch Romina glaubt nicht an eine gemeinsame Zukunft. Um seinem Sohn etwas bieten zu können, greift Luke zu anderen Mitteln: Er beginnt, Banken auszurauben – und kann dank seines Talents als Motorradfahrer zunächst allen Verfolgern entkommen. Bis er irgendwann leichtsinnig wird…

Ryan Gosling kennt man bereits als wortkargen Fahrer aus Nicolas Winding Refns Thriller „Drive“ (2011), und fast scheint es so, als sei bei Goslings Rolle in „The Place beyond the Pines“ nur das Auto mit Motorrad ausgetauscht worden: Wieder spielt er den charismatischen Stuntman, der auf kriminelle Abwege gerät, wieder geht es um das Überfälle, um das Übernehmen der Vaterrolle. Regisseur Derek Cianfrance, mit dem Gosling bereits „Blue Valentine“ gedreht hat, setzt hier auf Altbewährtes: Die Nähe zu den Figuren, die tief im Innern verloren zu sein scheinen, der unsentimentale, fast nüchterne Blick der Kamera, bewusst lang ausgehaltene Einstellungen und eine komplexe Handlungsstruktur. Denn in „The Place beyond the Pines“ ist Gosling nicht der, sondern nur ein Protagonist: Tatsächlich gliedert sich der Film in drei Teile, die während des Filmgeschehens immer wieder virtuos miteinander verknüpft werden.

An die Geschichte des Stuntfahrers Luke schließt sich jene des aufstrebenden Polizisten Avery Cross (Bradley Cooper) an, der quasi als Gegenentwurf dient: War Luke der am ganzen Körper tätowierte Herumtreiber und Frauenheld, rauchend, betont cool und ohne wirklichen Plan im Leben, so ist Avery der ehrgeizige Jungpolizist, der aus gutsituierten Verhältnissen stammt und seinen Job aus Überzeugung und voller Ideale ergriffen hat. Auf seinem Weg auf der Karriereleiter wird der Avery jedoch schnell in einen Strudel von Korruption, Geldgier und Drogenhandel gezogen, wobei ihn auch seine Verbindung zu Luke und Romina in einen schwerwiegenden moralischen Konflikt bringt. Cianfrance stellt hier nicht nur die Lebensentwürfe von Polizist und Bankräuber spiegelbildlich gegenüber, sondern auch ihre Rolle als Väter: Hat Lukes Sohn beim eigenbrötlerischen Motorradfahrer erst so etwas wie Verantwortungbewusstsein und ein Gefühl von Zugehörigkeit geweckt, so fällt es Avery schwer, eine liebevolle Beziehung zu seinem Sohn aufzubauen. Die schicksalsschwere Begegnung von Luke und Avery verknüpft unweigerlich auch das Leben ihrer beiden Söhne miteinander.

Im dritten Teil des Film-Epos, das 15 Jahre später spielt, findet das Zusammentreffen der beiden Söhne statt: AJ (Emory Cohen) kommt in dieselbe Highschool wie Jason (Dane DeHaan). Die Jungen freunden sich an, ohne von der gemeinsamen Vorgeschichte ihrer Väter zu wissen. Aber die Vergangenheit holt die Gegenwart doch wieder ein – und der brutale Showdown holt alles wieder hervor, was die Jahre gegoren hat: vergangene Schuld, Reue und Rache. Es kommt der Moment, an dem die Söhne an der Schuld der Väter gemessen werden – und sich zeigt, wie viel vom Vater noch im Sohn steckt.

Spätestens hier im dritten Teil sind die Längen von Cianfrances ambitioniertem, narrativen Stil zu spüren. Trotz gut besetzter Rollen verfranzt sich die Handlung hier zu stark; es scheint es soll noch viel gesagt werden, für dessen genaue Ausarbeitung der Platz – trotz einer Gesamtlänge des Films von fast zweieinhalb Stunden – nicht mehr zu reichen scheint. Die Verknüpfung zu den vorherigen Geschichten wird sehr gewollt herbeigeführt, wohingegen den beiden Protagonisten aufgrund der dominanten Erzählstruktur kaum Raum bleibt, ihre Charaktere zu entfalten. Der Sohn, der sich gegen den Vater auflehnt, und der Sohn, der verzweifelt so sein möchte wie sein Vater: ein spannungsgeladenes Verhältnis, das hier aber skizzenhaft bleibt. So verliert der dritte Teil des Films gegenüber den beiden ersten Teilen signifikant an Intensität und schließt mit einem eher schwachen Ende ab.

Insgesamt gesehen erwartet den Zuschauer mit „The Place beyond the Pines“ ein Film, der sowohl durch hochspannende Sequenzen als auch ruhige, kaum geschnittene und sorgfältig inszenierte Einstellungen brillieren kann. Lobend zu erwähnen sind Kameraarbeit und Soundtrack, die dem Geschehen an vielen Stellen zu seiner Eindringlich- und Eindrücklichkeit verhelfen. Der Film wirft große Fragen von Schuld und Vergebung, Moral und Gewissen, Gewalt und Reue auf, denen er im komplexen Geflecht der antagonistischen Vaterfiguren und ihrer Söhne parabelhaft nachspürt. Die Drei-Akt-Struktur dient dabei der dramaturgischen Ausarbeitung der einzelnen Handlungsstränge, schwächelt aber stückweit angesichts des zum Prinzip erhobenen narrativen Konstrukts, das auf das eigentlich Erzählte appliziert wird. Die hervorragende Besetzung kann das Geschehen über weite Strecken tragen, jedoch letztlich nicht alle Drehbuchschwächen ausgleichen. Besonders angesichts der zunehmend ausufernden, aber fragmentarisch bleibenden Handlungsstränge bleibt die anfangs so schön aufgezeigte charakterliche Tiefe der Protagonisten und die emotionale Spannung des Geschehens nach und nach auf der Strecke. Gutes Unterhaltungskino mit starken Momenten, das aber letztlich den Inhalt über die Form vergisst.

 

(ca. 4.28 Min.) B-Roll
 


Genre: Drama
Kinostart: 13.06.2013
Originaltitel: The Place beyond the Pines
Verleih: StudioCanal
Produktionsland: USA
Filmlänge: 140 min.
Regie: Derek Cianfrance
Buch: Ben Coccio, Darius Marder, Derek Cianfrance
Darsteller: Ryan Gosling, Bradley Cooper, Eva Mendes, Rose Byrne, Ray Liotta, Bob Mendelsohn, Emory Cohen, Dane DeHaan.

Foto/Video: Copyright STUDIOCANAL

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avatar Go West
+2
 
 
Ich habe den Film kuerzlich im Original gesehen und fand ihn keine Minute langweilig oder schwaechelnd. Die Spannung liess nie nach und war im Gegenteil bis zum Schluss ungebrochen. Vor allem, weil es fast aussichtslos schien, dass es ein Ende ohne Katastrophe geben koennte. Und dann kam der versoehnliche, troestliche Schluss, der dem Betrachter aufzeigt, dass es immer Menschlichkeit, Versoehnung und Vergebung geben kann. Wenn wir nur die richtigen Schluesse ziehen und die richtigen Entscheidungen treffen. Mit freundlichen Gruessen aus Kanada.
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