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Bildende Kunst

Im Gespräch: Dagmar Seifert mit der Künstlerin Karin Witt

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Geschrieben von Dagmar Seifert  -  Donnerstag, den 13. August 2009 um 09:23 Uhr
Im Gespräch: Dagmar Seifert mit der Künstlerin Karin Witt 4.4 out of 5 based on 175 votes.
Karin Witt

Im Rahmen des Internationalen Sommerfestivals können Gäste sich ab 13. August auf Kampnagel selbst inszenieren: Christoph Schlingensiefs Gesamtkunstwerk, der Animatograph, gewährt Einlass in das heterogene Innenleben.
Die Langzeitinszenierung begann 2005 auf Island, war in Wien, Namibia und Bayreuth. Kurz vor der Premiere malt eine sehr kleine Dame noch an einer dazugehörigen Wand einen der unerlässlichen Straußenvögel. Karin Witt, 125 Zentimeter groß, ausgesprochen selbstbewusst und charmant, gehört nach eigener Aussage zum Schlingensief’schen Inventar…

Dagmar Seifert (DS): Und wie kam es dazu, Frau Witt?

Karin Witt (KW): Das ist eine lange Geschichte. Als ich jung war, da war so was wie Kunst, Schauspiel, Theater für mich weit weg. Ich hätte immer gedacht, damit kann man doch Unterhalt und Rente nie erreichen. Ich bin auf dem Land aufgewachsen, in Schleswig-Holstein, und zwar auf einem Bauernhof. Meine Eltern waren Landwirte, wir hatten Kühe und Schweine und Pferde – deshalb hab ich auch Reiten gelernt, das konnte Christoph Schlingensief kürzlich auf Island gut gebrauchen. Er hat alle anderen gefragt, ganz zum Schluss erst mich, er hätte es mir wohl nicht zugetraut: „Karin, kannst du eigentlich reiten?“ – Und ich hab gesagt: „Natürlich.“

D.S.: Eine Kindheit auf dem Land. Hatten Sie Geschwister?

K.W.: Zwei Schwestern. Aber ich war die einzige Kleine, meine ältere und meine jüngere Schwester sind ganz normalwüchsig. Mir lag immer viel daran, nicht abhängig zu werden. Ich wollte auf jeden Fall berufstätig sein, am liebsten angestellt, bloß nicht selbstständig.

D.S.: Warum nicht?

K.W.: Wegen des Urlaubs! Als Selbständiger kann man sich meistens keinen Urlaub leisten. Ich reise so gern. Aber auf anderer Ebene liegt mir viel daran, selbstständig zu sein, als Lebenshaltung nämlich.

D.S.: Sie sind nicht verheiratet?

K.W: Nein, und ich war’s auch nie. Drei Männer wollten mich heiraten und allen dreien hab ich eine Absage gegeben. Bei dem dritten war das allerdings so… Als er mich fragte, da war ich nicht bereit. Und später hat er leider nie wieder gefragt. Kinder hab ich auch nicht. Aber meine Schwestern haben zusammen 8 Kinder. Wissen Sie, acht Nichten und Neffen, das reicht. Da braucht man keine eigenen Kinder.

D.S.: Sie haben also zunächst einen unkünstlerischen Beruf ergriffen?

K.W.: Ich hab in einer Umschneiderei gearbeitet.

D.S.: Das ist doch auch im weitesten Sinne schöpferisch?

K.W.: Doch, eigentlich schon. Aber wirklich nichts gegen das, was ich jetzt mache! In den 70er Jahren ging das los mit mir und dem Theater. Ich wohnte in Hamburg und war inzwischen im Bundesselbsthilfeverband Kleinwüchsiger Menschen e.V. Bei denen haben die Theater nachgefragt, wenn sie Zwerge und so was brauchten. Damals suchte das Operettenhaus auf der Reeperbahn welche für das Weihnachtsmärchen, Schneewittchen. Ich war einer von den sieben Zwergen. Das passte mir auch deshalb gut, weil ich gerade mal für kurze Zeit arbeitslos war. Es hat Spaß gemacht, ich hatte Zeit dafür…

D.S.: Und es wurde gut bezahlt?

K.W.: Na ja. Damals war ich noch jung und unschuldig und ich dachte wirklich, das würde ganz gut bezahlt.

D.S.: Und Sie sind dann weiter angefordert worden, für andere Rollen?



 

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