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Bildende Kunst

Ingrid Hora – Wasserballett an der Medienfassade

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Geschrieben von Claus Friede  -  Samstag, den 07. Juli 2012 um 16:11 Uhr
Ingrid Hora – Wasserballett an der Medienfassade 4.6 out of 5 based on 155 votes.
Ingrid Hora – Wasserballett an der Medienfassade des Museion Bozen

Die Medienfassade des Museion – Museum für zeitgenössische Kunst in Bozen sieht aus wie eine riesige Schwimmhalle. Eine großflächige Projektion der aus Südtirol stammenden Künstlerin Ingrid Hora zeigt ein Video mit dem Titel „Die Wende“.
Hora ließ eine Gruppe von Frauen – alle über 60 Jahre alt – aus der ehemaligen DDR, eine von ihr und einer Dramaturgin ausgearbeitete Choreographie, synchronisierte Wasserballett-Bewegungen aufführen und interpretiert den Begriff „Wende“ gleich mannigfaltig.

altAbgesehen davon, dass die Künstlerin die Frauen einzeln ihre Geschichte zum Moment der „Wende“, dem Fall der Mauer erzählen ließ und aufzeichnete, ließ sie später, im Jahr 2009, in einer Art Theaterstück die Damen an von ihr entwickelten Geräten Trockenübungen machen, sie quasi kopfüber und rückwärts Wenden vollführen. In dem auf der Medienfassade gezeigten Video, an dem sie von 2010 bis 2012 arbeitete, wird nun die Wende im Wasser vollzogen – ebenfalls rückwärts. Außerdem noch viele sonstige Übungen à la Esther Williams, das Alter der Balletteusen berücksichtigend. Alle Damen sind aktive Mitglieder eines Ostdeutschen Wasservereins und trainieren seit 20 Jahren gemeinsam.

Ingrid Hora, die zunächst Architektur an der Technischen Universität in Wien studierte und ihren Master am Bartlett University College absolvierte, schloss danach einen weiteren Master am Royal College of Arts in London an. Sie lebt und arbeitet in Berlin.
2010 wurde „Die Wende“, Akt 2+3 im Gallery Program in Berlin gezeigt, 2011 stellte sie mit „Seitenlichtsaal: Raumproduktion“ in der Kunsthalle Düsseldorf aus und in diesem Jahr machte sie durch die Ausstellungsbeteiligung „Premio Arte Laguna“ im Arsenale Venezia in Venedig auf sich aufmerksam.

Ihre Werke sind vielseitig, so wie die Wahl ihrer Medien und Techniken. Auch wenn keine weiteren Arbeiten im Museion zu sehen sind, neben Video stellt sie Objekte und Skulpturen her, die an Möblierungen erinnern. Performances, Fotografie und Zeichnungen ergänzen ihr Oeuvre. Es ist interessant, sich einmal mit ihrem Werkbegriff zu beschäftigen. Einige der Werke erinnern an den 1. und 2. Werksatz von Franz Erhardt Walther, denn die Künstlerin arbeitet mit Einzelpersonen oder Personengruppen im Landschaftsraum und lässt diese Objekte benutzen. Ein besonderer Unterschied zu Walther liegt allerdings darin, dass sie in sehr unterschiedlichen Kulturräumen arbeitet und dass sich wie ein roter Faden das Mit- und Nebeneinander von expliziet unterschiedlichen Generationen durch ihr Werk zieht.
Sie bucht für einen Tag eine „Hochzeitsband“ in Indien und lässt die Musiker unterschiedlichste Tätigkeiten und Übungen vollbringen. Die Band spielt jedoch keinen einzigen Ton auf ihren Instrumenten.

In Japan lädt sie eine Gruppe von älteren Menschen zu einer Bergwanderung ein und bittet sie einen Platz zu finden wo sie gerne ein Geheimnis vergraben möchten, etwas, was niemand weiß und von dem sie nie jemanden erzählt haben.
In China bewegt sie einen alten Mann dazu, auf einer 400-Meter-Tartanbahn, so schnell wie er noch vermag sich Runde um Runde zu bewegen. Sehr schön übrigens, wie im Wechsel der ruhigen Bilder die Generationen wie selbstverständlich miteinander ihre Bahnen ziehen. Dass der Laufstil und die Schwierigkeiten des alten Mannes sein Tempo zu halten durchaus eine ironische Seite haben ist für Ingrid Hora gewollt. Überhaupt ist ihr Werk immens humorvoll und wohltuend frisch.

Ingrid Hora arbeitet noch intensiv an ihrem künstlerischen Werkbegriff: Sind für sie die Aktionen, Performances und Handlungen immer Werk, so definiert sie ihre fotografische Dokumentationen und Objekte in Abhängigkeit vom Ort der Präsentation. Sie weicht immer stärker davon ab, diese in rein musealen Zusammenhängen auszustellen. „Die Verbindung zur eigentlichen Handlung, zum Nutzen darf in der Präsentation oder Ausstellung nicht unterbrochen sein“, sagt Hora und ergänzt: „Aber wie kann ich Handlung und Aktion zeigen? Das geht eigentlich nur mit dem Medium Video oder einer Theateraufführung. Die fotografische Dokumentation oder das Objekt ohne Handlungszusammenhang ist kaum als Werk zu bezeichnen, weil sie nur ein künstlerisches Fragment zeigen können.“


Die Videoprojektion „Die Wende“ wird am 11., 18. und 25. Juli an der Medienfassade des Museion jeweils ab 22:00 Uhr zu sehen sein.
Museion – Museum für zeitgenössische Kunst, Dante Straße 6, in 39100 Bozen, Italien.

Fotonachweis:
Header: Detail aus Ingrid Hora: „Die Wende“. Courtesy of Museion Bolzano. Foto: Othmar Seehauser. Medienfassade des Museion mit Brücke im Vordegrund am Premierenabend, 6.7.2012.
Galerie:
01. „Die Wende“. Fotografie. Courtesy of Museion Bolzano
02. „Die Wende“. Fotografie. Courtesy of Museion Bolzano
03. „Die Wende“. Courtesy of Museion Bolzano. Foto: Othmar Seehauser
04. „reaching out“, 2005, Fotografie. © Ingrid Hora
05. „Insulation“, 2005, Fotografie. © Ingrid Hora
06. „Listening Chair“, 2005, Fotografie. © Ingrid Hora
07. „Wurfskulptur“, 2005, Fotografie. © Ingrid Hora
08. „aka Ten Mountain“, Fotografie. © Ingrid Hora
09. und 10. „The Weddingband“, Fotografie. © Ingrid Hora

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