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Theater - Tanz

Lady Salsa

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(80 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Geschrieben von Isabelle Hofmann  -  Mittwoch, den 03. Juni 2015 um 10:14 Uhr
Lady Salsa 4.4 out of 5 based on 80 votes.
Lady Salsa foto stefan malzkorn

Was für Tänzer! Was für Körper! Was für eine geballte Ladung Energie und Erotik!
„Lady Salsa“ ist nach zwölf Jahren wieder zu Gast im St. Pauli Theater und wer die Show damals gesehen hat, muss feststellen: Sie ist noch fetziger, noch farbiger, noch feuriger geworden. Genau das richtige, um sich in diesem kühl-feuchten Frühling mal so richtig aufzuwärmen.

Wörtlich übersetzt bedeutet Salsa „scharfe Sauce“ und trefflicher lässt sich die kubanische Tanz- und Musikshow auch kaum beschreiben. Der schottische Regisseur Toby Gough, der unter anderem auch schon „The Bar at Buena Vista“ verantworte, hat hier die wechselhaften Geschicke des Landes gleichsam auf das unglaublich positive Lebensgefühl der Inselbewohner komprimiert. Auf ihre Hits und Rhythmen, in denen sich Sehnsucht und Träume spiegeln; auf ihren unbändigen Bewegungsdrang, der sich in Rumba, Mambo und Cha-Cha entlädt – vor allem aber im Salsa, den Tanz, den man in Kuba überall auf den Straßen tanzt, beim Karneval und auf den Fiestas. Wie akrobatisch und abwechslungsreich der sein kann, zeigen Choreograf Roclan Gonzales Chaves und seine atemraubenden neun Tänzerinnen und Tänzer. Was sie hier bieten, ist Showtanz auf höchstem Niveau! Dass ihre Gazellen gleichen Körper und Schwindel erregenden Hüftschwünge zudem noch höchst erotisch wirken, komplettiert das Vergnügen. „Selten erschien Tanzen offenkundiger als der vertikale Ausdruck eines horizontalen Wunsches“, schrieb dazu einmal ein Kritiker des „Daily Telegraph“. Wohl wahr! Doch was wären diese Hüftschwünge ohne den mitreißenden Sound der siebenköpfigen Band „Sonora La Calle“! Die teils hochbetagten Herren aus Santiago de Cuba versetzten an ihren Congas, Bongos und Timbales selbst die kühlsten Hamburger in Karibiklaune, allen voran Luis Valiente Marin, genannt Betun, der sicher schon weit über 70 Jahre alt ist, aber an Vitalität und Virtuosität jedem Jungspund das Wasser reicht.

Die Folie für den explosiven Mix aus lateinamerikanischen Rhythmen, farbenprächtigen Kostümen und lasziver Ästhetik bietet die Lebensgeschichte von Siomara Valdes, einer ebenso charismatischen wie gewichtigen Sängerin, die „irgendwann in den 1940er Jahren“ geboren wurde und heute als eine der letzten kubanischen Diven gilt. Vom ersten Augenblick an zieht diese temperamentvolle alte Dame das Publikum in ihren Bann. Wie sie mit funkelnden Augen, strahlendem Lächeln, dicker Havanna zwischen den Fingern und rauchiger Stimme „Guantanamera“ anstimmt, muss man einfach erlebt haben.

Moderiert von dem Sänger und Schauspieler Leo Almaguer lässt „Lady Salsa“ ihr Leben in kurzen Spotlights Revue passieren. Anders, als in der ersten Fassung reduziert Toby Gough dabei klug den historischen Rahmen: Spanische Kolonialzeit und die Einschleppung zigtausender schwarzafrikanischer Sklaven für die Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen werden anfangs nur angedeutet, ebenso Fidel Castros und Che Guevaras Revolution 1959. Stattdessen steht nun das persönliche Schicksal von Siomara im Vordergrund, die als kleine Garderobiere im Club Tropicana anfing, Kubas berühmten Baseball-Spieler Changa heiratete und in den „goldenen 50er Jahren“ des kubanischen Showbizz vor Ernest Hemingway und Nat King Cole sang.

Die junge Siomara Valdes verkörpert Luna Manzanares, die bereits als „neuer Stern“ des kubanischen Latino-Jazz gehandelt wird. Ihre hinreißenden Interpretationen von „Summertime“, „Bésame Mucho“ und dem Beatles-Song „Blackbird“ jedenfalls machen deutlich, dass die Zeit der großen musikalischen Diven auf der Zuckerrohrinsel noch längst nicht vorbei ist. Kuba, wir kommen!

„Lady Salsa“, St. Pauli-Theater, Spielbudenplatz 29, in Hamburg
Zu erleben bis 12. Juli, täglich außer montags jeweils 20 Uhr, Di. und So. jeweils 19 Uhr,
Karten unter (040) 4711 0666, www.st-pauli-theater.de und allen bekannten Vorverkaufsstellen.


Abbildungsnachweis:
Lady Salsa. Alle Fotos Stefan Malzkorn

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