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Festivals, Medien & TV

„Menschen im Hotel“: CineFest Hamburg 2015 erkundet begrenzte Filmräume

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Freitag, den 13. November 2015 um 12:30 Uhr
„Menschen im Hotel“: CineFest Hamburg 2015 erkundet begrenzte Filmräume 4.7 out of 5 based on 84 votes.
„Menschen im Hotel“: CineFest Hamburg 2015 erkundet begrenzte Filmräume

Das diesjährige Hamburger „CineFest“ betrachtet das Hotel als filmischen Erzählraum: An so einem Transit-Ort, wo verschiedenste Menschen temporär zusammentreffen, ist längst nicht immer alles, wie es scheint. Gezeigt werden Filme aus den Anfängen des Kinos bis hin zur Gegenwart.

Eine weitläufige Lobby oder enge Fahrstuhlkabinen, gewundene Treppen oder schnurgerade Korridore, imposante Gästezimmer oder die spärlichen Kammern des Personals: Das Hotel bietet dem Film mit seinen multiplen Raumanordnungen nicht nur visuell ansprechende Motive, sondern eröffnet zugleich erzählerisch ein komplexes Geflecht menschlicher Begegnungen, die sich in der filmisch begrenzten Topografie entspinnen. Hierarchien sind im Hotel auch architektonisch verbürgt: Wer sich die Präsidentensuite leisten kann, muss wichtig sein, andere werden dagegen in Souterrain oder Dachgeschoss einquartiert. Hintereingänge und Hintertreppen sind den Angestellten zugewiesen, um sich möglichst unsichtbar durchs Gebäude zu bewegen, während die prominenten Gäste über roten Teppich und Marmorboden flanieren.

Diese Ordnung wird filmisch sowohl immer wieder bestätigt als auch hinterfragt: Denn im Durchgangsort Hotel kreuzen sich die Wege von Charakteren unterschiedlichster nationaler und sozialer Herkunft, deren zeitweises Aufeinandertreffen in der (mehr oder weniger) geschlossenen räumlichen Struktur des Hotelkomplexes erst möglich wird. So stößt eine alternde Ballerina auf einen Trickbetrüger („Grand Hotel“), ein exzentrischer Millionär freundet sich mit einem arbeitslosen Werbefachmann an („Drei Männer im Schnee“), und eine als Pagenjunge verkleidete Dame findet ihr Glück beim reichen Baron („Der Page vom Dalmasse-Hotel“). Das Hamburger CineFest, bei dem diese drei Filme mit auf dem Programm stehen, widmet sich dieses Jahr ganz den „Menschen im Hotel“ – ihren Beziehungen, Ränkespielen, Geheimnissen und Konflikten.

Wer reist unter falschem Namen an, wer hat verdeckte Motive? Lügen, Intrigen, Erpressung, Diebstahl, und sogar Mord: Im Hotel kommen auch die finsteren Seiten menschlichen Miteinanders hervor. Als Ort des Verbrechens erhält das Hotelgeschehen einen mysteriösen und gefährlichen Beigeschmack, bei dem die Enge des Beieinanderseins plötzlich bedrohlich wird. Geld und Wertgegenstände kommen häufig abhanden, zum Beispiel im „Palace Hotel“, wo das Zimmermädchen Emilie um ihre Unschuld kämpfen muss, oder der gestohlene Schmuck im „Grand Hotel ...!“, der gleich von Gast zu Gast wandert. Aber auch vor der ein oder anderen Leiche schreckt der Hotel-Film nicht zurück: Im tschechischen „Hotel pro Cizince“ (Hotel für Fremde) wird ein junger Dichter tot aufgefunden; in der Artisten-Unterkunft „Pension Boulanka“ ist es ein zwielichtiger Belgier. Dass es für den Schriftsteller Jack Torrance in der Kubrick-Verfilmung „The Shining“ ebenso wenig gut ausgeht, ist wohl bekannt.

Eine Besonderheit hat das CineFest dieses Jahr im Programm: Durch die Mehrfachverfilmung einiger beliebter Hotelstoffe wird es möglich sein, den direkten Vergleich zwischen den verschiedenen Adaptionen zu ziehen. Dazu zählt „Der letzte Mann“, im Original ein Stummfilm von „Nosferatu“-Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau. Die Geschichte des alternden Hotelportiers, der seine Position stolz ausführt und an dieser auch festzuhalten versucht, als er zum Toilettenmann degradiert wird, wurde 1955 mit Hans Albers und Romy Schneider neu verfilmt. Aber auch der Klassiker „Menschen im Hotel“, basierend auf dem gleichnamigen Bestseller-Roman von Vicki Baum, eignet sich zum unmittelbaren Vergleich. Drei der angesetzten Festivalfilme basieren auf dieser Erzählung: die US-Version von 1931/32 mit Greta Garbo und John Barrymore, das bundesdeutsche Remake von 1959 mit Heinz Rühmann und Michèle Morgan, und, in eher loser Adaption, der Film „Hotel Berlin“ (1944/45), der zu Ende des Zweiten Weltkriegs spielt, als die unterschiedlichsten Menschen – ein Nazi-Offizier, ein Untergrundkämpfer, eine Schauspielerin, eine regimetreue Empfangsdame – im heruntergekommenen Hotelkomplex Unterschlupf finden.

Der vielzitierte Mikrokosmos der Gesellschaft – im Hotel ist er unmittelbar ablesbar. Experten, Fachkundige und Wissenschaftler werden die Schwerpunkte des Festivals beim Filmhistorischen Kongress in Vorträgen und Diskussionen vertiefen; eine Begleitausstellung zum Festival ist vom 09. bis 26. November in den Hamburger Bücherhallen am Hühnerposten zu sehen.

„Cinefest“, XI. Internationales Festival des deutschen Film-Erbes
startet am 14.11. und endet am 22.11.2015
Festivaltrailer
Das Filmprogramm
Mehr Informationen: www.cinefest.de


Abbildungsnachweis:
Header: "Grand Hotel (Menschen im Hotel)"(US 1931/32, Edmund Goulding). Quelle: Bundesarchiv-Filmarchiv, Berlin (BArch FILMSG 1 11328_05)
Galerie:
01. "Drei Männer im Schnee" (AT 1955, Kurt Hoffmann). Quelle: MFA+ Filmdistribution e.K
02. "Drei Männer im Schnee" (AT 1955, Kurt Hoffmann). Quelle: Bundesarchiv-Filmarchiv, Berlin (BArch FILMSG 1 03005_03)
03. "Grand Hotel (Menschen im Hotel)" (US 1931/32, Edmund Goulding). Quelle: Filmarchiv Austria, Wien
04. "Menschen im Hotel" (BRD 1959, Gottfried Reinhardt). Quelle: Deutsches Filminstitut, Frankfurt am Main
05. "Der Page vom Dalmasse-Hotell" (D 1933, Victor Janson). Quelle: Deutsches Filminstitut, Frankfurt am Main
06. "Grand Hotel...!" (D 1927, Johannes Guter). Quelle: Deutsche Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen, Berlin
07. "Grand Hotel...!" (D 1927, Johannes Guter). Quelle: Bundesarchiv-Filmarchiv, Berlin (BArch FILMSG 1 06094_02)
08. "Hotel für Fremde (Hotel pro cizine)" (CS 1966, Antonín Máša). Quelle: Bundesarchiv-Filmarchiv, Berlin (BArch FILMSG 1 07377_01)
09. "Hotel für Fremde (Hotel pro cizine)" (CS 1966, Antonín Máša). Quelle: Deutsche Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen, Berlin
10. "Palace Hotel" (CH 1951/52, Leonard Steckel, Emil Berna). Quelle: Deutsche Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen, Berlin
11. "The Shining" (GB 1978/80, Stanley Kubrick). Quelle: Warner Brothers, USA

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