Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 1325 Gäste online

Neue Kommentare

tommy zu Ensemble Resonanz zu Gast bei NEW HAMBURG: gute sache, dass sie mal aus ihrem bunker rauskom...
Lena Baal zu Zum Tode von Peter Härtling: Peter Härtling war nicht nur ein großartiger Sc...
Elisabeth Warken zu Gurre-Lieder in der Elbphilharmonie: Zu wenig Vertrauen in die leisen Töne: Die Kritik zu den Sängern kann ich nicht ganz ve...
Lothar zu „Axolotl Overkill”. Dialektik eines Enfant Terrible: Zugegeben ... ich fand das Buch recht grauenvoll,...
Lena Baal zu La Fura dels Baus: Die ‚Schöpfung’ in der Elbphilharmonie – tonbrillant, aber bildideenschwach: Wieder einige Fragen an den Autor dieser Zeilen, ...

Anzeige

Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Hamburger Architektur Sommer 2015


Grafik & Design

Gezeichnete Engel auf Berliner Dächern: „Der Himmel über Berlin“ als Graphic Novel

Drucken
(104 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 26. August 2015 um 10:12 Uhr
Gezeichnete Engel auf Berliner Dächern: „Der Himmel über Berlin“ als Graphic Novel 4.8 out of 5 based on 104 votes.
Gezeichnete Engel auf Berliner Dächern: „Der Himmel über Berlin“ als Graphic Novel

Wim Wenders Filmklassiker „Der Himmel über Berlin“ gilt als Meisterwerk des deutschen Kinos. Die nun erschienene Graphic-Novel-Adaption versucht sich an der grafischen Neuinterpretation des preisgekrönten Films und re-inszeniert die poetische Erzählung im Berlin von heute.

Ein ikonisches Bild der deutschen Filmgeschichte: Die gebeugte Gestalt auf der Dachkante, im dunklen Mantel mit hell-transparenten Engelsflügeln, die ihren melancholischen Blick über das Treiben der Stadt schweifen lässt, nur sichtbar für wenige auserwählte Menschen, deren Blick sich nach oben verirrt. So inszenierte Wim Wenders 1987 den „Himmel über Berlin“, seine prominente Filmerzählung über die beiden Engel Damiel (Bruno Ganz) und Cassiel (Otto Sander), die ziellos durch die geteilte Metropole wandern, die Menschheit beobachten und vereinzelt tröstend eingreifen – bis sich Damiel in eine Sterbliche verliebt. Mit „Der Himmel über Berlin“, Wim Wenders’ ersten Film nach seinem achtjährigen USA-Aufenthalt, schaffte der Regisseur ein Vorzeigewerk der deutschen Filmkunst, das international vielfach ausgezeichnet wurde und zahlreiche Adaptionen inspiriert hat: u.a. wurde die Geschichte 1998 als „Stadt der Engel“ mit Nicolas Cage und Meg Ryan neu verfilmt.

Auf der Grundlage von Film und Drehbuch ist jetzt eine weitere Erzählversion von „Der Himmel über Berlin“ entstanden: der gleichnamige Graphic Novel von Sebastiano und Lorenzo Toma, der die poesievolle Sprache und monochrome Bildwelt des Films in neuer Form erprobt. Dabei will die bildlich-zeichnerische Neuinterpretation des Kinoklassikers aber keine bloße Übersetzung der Filmvorlage in comicähnliches Design, sondern versucht eine Aktualisierung des Erzählstoffs in das Berlin von heute. Dazu haben die beiden Autoren die kennzeichnenden Schauplätze des Films aufgesucht und so grafisch aufgegriffen, wie sie zurzeit aussehen: anstelle der brachliegenden Fläche nun die Geschäftigkeit des Potsdamer Platzes, anstatt der Berliner Mauer nun die „East Side Gallery“. Zu sehen ist das Holocaustdenkmal und die „Molecule Men“-Skulpturen, von den Plattenbauten blinken die Satellitenschüsseln. Bezahlt wird nicht mehr in Mark, sondern Euro, und statt Schallplatten zeigt der Comicroman jetzt geschäftige Laptopnutzer, die sich YouTube-Videos ansehen.

Außerdem anders: „Der Himmel über Berlin“ basiert in seiner gezeichneten Variante auf Szenen, die von heutigen Schauspielern und Künstlern nachgestellt wurden. Das bedeutet, dass man das vertraute Originalbesetzung des Films in der Graphic-Novel-Adaption vergeblich suchen wird; Gesicht und Gestalt der dargestellten Protagonisten sind den aktualisierten Rollenzuschreibungen des jetzt neu ausgewählten Ensembles nachempfunden. Dennoch bleibt „Der Himmel über Berlin“ im Kern der Originalgeschichte treu: Die Liebesbeziehung von Engel Damiel und Trapezkünstlerin Marion steht immer noch im Vordergrund der Handlung.

Die detailreiche Ausarbeitung der Zeichnungen und die vielseitige Gestaltung der Textelemente zeugen von einem sorgfältigen und überlegten Arbeitsprozess, den Sebastiano und Lorenzo Toma in die grafische Erarbeitung von „Der Himmel über Berlin“ gesteckt haben – Qualitätsmerkmale, durch die sich illustrierte Romane allgemeinhin als Adaptionen etablierter Stoffe auszeichnen. Dass die in Hamburg ansässigen Autoren beide einen Hintergrund in der Theater- und Filmproduktion haben, meint man der Szenendarstellung ebenfalls oft anzumerken.

Es stellt sich dennoch die Frage, wen die Graphic-Novel-Neuauflage von „Der Himmel über Berlin“ anspricht bzw. ansprechen kann. Der Zeitpunkt der Publikation ist mit Wim Wenders’ 70. Geburtstag mehr als glücklich gewählt, und auch mit der Beibehaltung von Originaltitel und -erzählung kann die gezeichnete Adaption auf den Bekanntheitsgrad des Films bauen. Ob sich nun alteingesessene Cineasten von der grafischen Neuinterpretation des Klassikers überzeugen lassen, mag fraglich sein; immerhin weicht der Graphic Novel dankenswert und stark vom ikonischen Filmmaterial ab. Konservative Literaturleser könnten sich an der im Vergleich zum Schrifttext doch eher plakativ daherkommenden Optik stören. Für Liebhaber des zunehmend populären Segments Graphic Novel ist die Adaption von „Der Himmel über Berlin“ sicherlich eine eigene, künstlerisch überaus ästhetische und lesenswerte Spielform des vertrauten Erzählstoffs.

Sebastiano und Lorenzo Toma: „Der Himmel über Berlin“
nach dem Film von Wim Wenders und dem Drehbuch von Wim Wenders, Peter Handke und Richard Reitinger.
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten, Verlagshaus Jacoby & Stuart,
1. Auflage 2015. ISBN 978-3-942787-57-4. € [D] 12,95 | € [A] 13,40.
Trailer zum Buch



Abbildungsnachweis:
Header und Galerie:
Diverse Ausschnitte aus der Graphic Novel. (c) Verlagshaus Jacoby & Stuart

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

avatar Mika
+2
 
 
Während die großen Verlage Graphic Novels „in Auftrag geben“ und so bekannte Storys wie „Im Westen nichts Neues“, „Die Verwandlung“ oder eben die hier besprochene herausgeben, tut sich sehr viel bei den kleinen Verlagen, die eben einfach Näher am Künstler sind.
Genannt sei hier exemplarisch nur die im Herbst erscheinende Graphic Novel „Baikonur mon amie“ für die es bei YouTube ebenfalls schon einen sehr vielversprechenden Trailer gibt.
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Grafik & Design > Gezeichnete Engel auf Berliner Dächern: „D...

Mehr auf KulturPort.De

Telemann: Pietsch spielt die Fantasien für die Violine ohne Bass
 Telemann: Pietsch spielt die Fantasien für die Violine ohne Bass



Von der Lebenslust polnischer Spielleute über italienische und französische Anklänge bis zur neuen Musik des empfindsamen Zeitalters reicht der Bogen, den Tel [ ... ]



„The Party”. Apokalypse statt Canapés
 „The Party”. Apokalypse statt Canapés



Sally Potter besitzt ein untrügliches Gespür für die Absurdität menschlichen Leidens. Sie präsentiert „The Party” als hintergründige Farce über den Ve [ ... ]



„Anna Karenina“ – Erfahrungen eines ganzen Menschenlebens
 „Anna Karenina“ – Erfahrungen eines ganzen Menschenlebens



John Neumeiers jüngstes Ballett bei den 43. Ballett-Tagen in Hamburg umjubelt.

Es ist mitunter durchaus von Vorteil, eine Uraufführung zu verpassen. Mit etw [ ... ]



Morten Kargaard Septet: Zealand
 Morten Kargaard Septet: Zealand



Gut Ding will Weile haben, sagt ein deutsches Sprichwort. Von der Idee Morten Kargaards im Jahr 2012 bis zur Fertigstellung des Albums hat es fünf Jahre gedauer [ ... ]



National Ballet of China: Der Ruf der Kraniche und Maos Altlasten
 National Ballet of China: Der Ruf der Kraniche und Maos Altlasten



Mit Ausschnitten aus sechs opulenten neueren Produktionen beeindruckte das National Ballet of China in der Staatsoper Hamburg. Und vier kleine Choreographien pun [ ... ]



Transkulturelle Marmorausstellung „Metamorphic Resonance“ in der Toskana
 Transkulturelle Marmorausstellung „Metamorphic Resonance“ in der Toskana



Sommerzeit – Reisezeit? Auf den Spuren Michelangelos und der „Erschaffung Adams“ muss man nicht unbedingt wandeln. Denn bis zum 31. Juli ist in dem italien [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.