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Bildende Kunst

Raffael - ein von "Gott gesalbter" Künstler

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Geschrieben von Wilfried Dürkoop  -  Montag, den 31. Dezember 2012 um 10:05 Uhr
Raffael - ein von "Gott gesalbter" Künstler 4.5 out of 5 based on 190 votes.
Raffael. Zeichnungen - Städel Museum Frankfurt

Das Frankfurter Städel Museum zeigt 48 Zeichnungen Raffaels (1483-1520), einer der großen Künstler der italienischen Renaissance, dessen Werke die europäische Kunst über Jahrhunderte prägten.
Die fragilen Leihgaben kommen unter anderem aus dem Louvre, der Sammlung auf Schloss Windsor, der Wiener Albertina und den Uffizien in Florenz.
Die Ideen Raffaels gewannen auf Papier erste Gestalt. Vor in verhaltenem Grünblau gehaltenen Wänden des Frankfurter Städel Museums werden in abgedunkelten Räumen diese 500 Jahre alten Schätze präsentiert.

Er entwickelte und formte schlüssig seine Entwürfe, bereitete ihre Ausführung vor. Die Zeichnungen zeugen von Erfindungsgabe und hoher handwerkliche Präzision. Der junge Raffael lernte von seinen berühmten Zeitgenossen Michelangelo und Leonardo da Vinci und fügte alles zu einem sehr Eigenen. Mit Pinsel und Feder, Tinte und Deckweiß, schwarzer und roter Kreide, Silberstift und Kohle setzte er seine Vorstellungen ins Bild.

Zahlreich vertreten sind Darstellungen Marias mit dem Kind. Raffael belebte den bis dahin üblichen strengen Bildaufbau. Dabei schließen sich schwingende Linien zu ovalen und kreisförmigen Formen zusammen und lassen ein Spannungsgefüge entstehen. Auf der Rückseite einer Madonnendarstellung wurde die Federzeichnung eines vorgebeugten Mannes entdeckt, die wohl als Studie einer Kreuzigungsszene diente. Eine mit Kohle hingeworfene Skizze mit einer schwebenden oder thronenden Maria mit dem eng an sich gedrückten Kind wird als Vorstudie zur Sixtinischen Madonna gewertet. Zu den sicher schönsten Blättern gehört eine fast malerische, sehr plastische Studie zu der „Madonna im Grünen“, die durch ihre Leichtigkeit besticht. Sie stammt aus dem Besitz des Städel Museums, das elf Zeichnungen Raffaels sein Eigen nennt. Die meisten dieser Blätter wurden in den Jahren um 1850 von Johann David Passavant, Inspektor des Museums, auf Auktionen erworben. Er, ein Nazarener, war glühender Bewunderer Raffaels und verfasste eine noch heute gültige Monographie über den Meister.

Raffael war 25 Jahre alt, als an ihn der Auftrag erging, die Stanzen des Vatikans auszumalen. Die Federzeichnungen mit männlichen Akten zu der Komposition „Disputà“, einem Fresko zur Darstellung eines eucharistischen Konzils, zeigen, wie akribisch er die menschliche Anatomie studiert und präzise umgesetzt hat – und wie er das Verhältnis der Personen zueinander und die Lichtführung geprüft hat. In dem weltlichen Gegenstück, der „Schule von Athen“, mit den Denkern der Antike, lagert entspannt lesend und halbnackt Diogenes, das Gewand zu einem gefalteten Bündel zusammen geschoben.

In den Seitenräumen der Ausstellung werden Reproduktionen der Fresken gezeigt, die Raffael mit seinen Zeichnungen vorbereitete. Auf ihnen ist zu erkennen, mit welch erstaunlicher Sicherheit der Künstler schon beim Zeichnen durch Gebärden einen Raum zu erzeugen imstande war und wie plastisch und anatomisch korrekt er etwa die Drehung eines Körpers abbilden konnte.

In dieser wunderbaren Ausstellung kann die Finesse und luzide Kunstfertigkeit Raffaels bewundert werden, der dem jungen Goethe ein „Gesalbter Gottes“ war.


Die Ausstellung "Raffael. Zeichnungen" ist noch bis zum 3. Februar 2013 im Städel Museum, Schaumainkai 63, in Frankfurt/Main zu sehen.
Der Katalog, erschienen im Hirmer Verlag, kostet im Museum 34,90 Euro.

Fotonachweis:
Header: Ausstellungsansicht "Raffael. Zeichnungen". Foto: Norbert Miguletz
Galerie:
01. Raffael (Raffaello Santi, 1483–1520), Studie eines nach rechts stürmenden Soldaten, dahinter zwei Reiter, um 1515/1516, Rote Kreide über Griffel auf beigem Papier, 318 x 246 mm. Collection Jean Bonna, Genf. Foto: Patrick Goetelen, Genf
02. Entwurf für die Disputa, um 1508/1509, Schwarzer Stift (Kreide?), Feder in Braun, über Griffel, auf beigem Papier, 284 mm x 416 mm. Städel Museum, Graphische Sammlung, Frankfurt am Main
03. Der Bethlehemitische Kindermord, um 1510, Rote Kreide über mit schwarzem Stift und Griffel auf beigem Papier, 246 x 413 mm. The Royal Collection © Royal Collection Trust / © Her Majesty Queen Elizabeth II 2012
04.Maria mit dem Kind und dem Johannesknaben (Studie für die »Madonna im Grünen), um 1505/1506, Pinsel in Hellbraun, weiß gehöht, über Bleigriffel, auf cremefarbenem Papier, 219 x 180 mm. Ashmolean Museum of Art and Archeology, Oxford © Ashmolean Museum, Oxford
05. Studien für Maria mit dem Kind, um 1508, Feder in Braun über schwarzem Stift (Kreide ?), auf cremefarbenem Papier; 230 x 313 mm;. École Nationale Supérieure des Beaux-Arts, Paris. Foto: Jean-Michel Lapelerie. © École Nationale Supérieure des Beaux-Arts, Paris
06. Studie eines auf dem Boden kauernden Mannes, um 1510–1514, Schwarzer Stift (Kreide ?) auf gelblichem Papier, 293 x 327 mm. The British Museum, London. Foto: The Trustees of the British Museum
07. Studie einer sitzenden Sibylle, um 1510–1514, Rote Kreide über Griffel, auf beigem Papier, 261 x 165 mm. The British Museum, London. Foto: The Trustees of the British Museum
08. Thronende Madonna mit Kind, um 1500/1502, Schwarzer Stift (Kreide ?), Feder in Braun, über Griffel auf beigem Papier, 213 × 145
mm. Städel Museum, Graphische Sammlung, Frankfurt am Main
09. Diogenes, um 1508/1509, Silberstift auf beigem, rosa-hellviolett grundiertem Papier, 245 mm x 284 mm. Städel Museum, Graphische Sammlung, Frankfurt am Main
10. Ausstellungsansicht "Raffael. Zeichnungen". Foto: Norbert Miguletz

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