Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 624 Gäste online

Neue Kommentare

Marlies Lampert zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo liebe Hüsungianer,
ich bin ca. 1999...

SingulART zu Kunstmuseum Wolfsburg: This Was Tomorrow. Pop Art in Great Britain: Grossartige Ausstellung war das! Wir haben unsere...
tommy zu Ensemble Resonanz zu Gast bei NEW HAMBURG: gute sache, dass sie mal aus ihrem bunker rauskom...
Lena Baal zu Zum Tode von Peter Härtling: Peter Härtling war nicht nur ein großartiger Sc...
Elisabeth Warken zu Gurre-Lieder in der Elbphilharmonie: Zu wenig Vertrauen in die leisen Töne: Die Kritik zu den Sängern kann ich nicht ganz ve...

Anzeige

Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Hamburger Architektur Sommer 2015


Bildende Kunst

Michael Jäger und Wilhelm Mundt: „Jetzt nicht“

Drucken
(201 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 26. Juli 2012 um 08:02 Uhr
Michael Jäger und Wilhelm Mundt: „Jetzt nicht“ 4.5 out of 5 based on 201 votes.
Michael Jäger und Wilhelm Mundt: „Jetzt nicht“

Die Doppelausstellung von Michael Jäger und Wilhelm Mundt „Jetzt nicht“ in der Kirche St. Petri zu Lübeck zeigt Hinterglasmalereien von Michael Jäger und Skulpturen von Wilhelm Mundt.
Jägers explodierende Farbkompositionen korrespondieren mit Mundts auf dem Boden liegenden monochromen Objekten aus poliertem Aluminium. Eine effektvolle Symbiose, die den weißen Innenraum der Kirche erstrahlen lässt.

Die Hinterglasmalerei, häufig als bäuerliche Volkskunst belächelt, hat eine Jahrhundert alte Tradition, die auf die Antike zurückgeht und sich durch alle kunsthistorischen Epochen zieht. Jäger erweckt diese alte Kunstform zu neuem Leben und stellt sie in einen modernen Kontext. Seine leuchtenden, farbintensiven Figurationen sind sozusagen die zeitgenössische Variante der tradierten Hinterglasmalerei mit ihren häufig sakralen Motiven.

Der in Köln lebende Künstler hat anlässlich der Ausstellung in Lübeck sechs, etwa 60 x 280 cm hohe abstrakte Hinterglasbilder konzipiert. Eine wichtige Komponente war für ihn das Zusammenspiel, der Dialog von Kirchenraum und Bildern. Wie ist die visuelle Präsentation der Exponate? Harmonisieren Raum und Malerei miteinander? Oder divergieren sie?

Seine abstrakten Kompositionen bestehen aus geometrischen Mustern von Rechtecken und Rauten, Gittern und Streifen, die er mit kräftigen Farbflächen und -schleifen kombiniert. Mit Lack- oder Ölfarben auf Acrylglaspaneele aufgetragen, bleiben die spiegelverkehrt von vorn nach hinten konstruierten Farbgründe entweder sichtbar oder verschwinden hinter vorgelagerten Schichten. Somit ist der erste Farbauftrag zugleich die Sichtfläche des Bildes. Die schmalen Exponate zeigen ein Feuerwerk von Farben, die sich entweder kaskadenartig über die Bildfläche ergießen oder in Flächen von berstender Farbigkeit gefangen sind. Assoziationen an Eva und die Schlange kommen in den Sinn, schlängelt sich doch bei einem Bild eine braun geschuppte Farbschlange aus einem gitterartigen Muster heraus. Neben diesen Abstraktionen sind vier großformatige, monochrome Bilder ausgestellt.

Ein faszinierender Aspekt von Jägers Hinterglasmalereien ist, dass die bis zu 18 aufgetragenen Farbschichten bei Lichteinfall einen tiefgründigen und spiegelnden Effekt auf der Sichtfläche der Bilder erzeugen. Spiegelungen, die den realen Kirchenraum oder Menschen wiedergeben.
Die nach bekannten Musikern benannten Arbeiten hängen nicht, vielmehr lehnen sie an Pfeilern und Wänden des weiß gestrichenen Kirchenraums. Wie Gläubige des Mittelalters, denn zu jener Zeit war der Kirchenraum noch unbestuhlt.

Jäger und sein Kollege und Freund Wilhelm Mundt – beide studierten in den 1980er-Jahren an der Düsseldorfer Kunstakademie – waren bereits auf mehreren Ausstellungen gemeinsam vertreten. Gleichwohl ist die Ausstellung in einer mittelalterlichen Kirche eine Premiere für beide Künstler.

Aus Mundts Werkkomplex „Trashstone“ präsentiert die Schau klein- und großformatige Skulpturen. Darunter sein 1000 kg schweres, silberfarbenes Objekt Nr. 553, welches erstmals in der Kunsthalle Düsseldorf zu sehen war und jetzt den Lübecker Kirchenraum dominiert. Mit seiner zerklüfteten Oberfläche und amorphen Form erinnert der Stein an Findlinge oder an einen vom Himmel gefallenen Meteoriten. Abenteuerlich ist der Herstellungsprozess, denn die Skulpturen sind, wie der Name es bereits verrät, aus Müll hergestellte Produkte. In einem intensiven Arbeitsprozess wird Müll jeglicher Art und Form - bis auf organischen Abfall - nach einem vorher festgelegten Schema durch Pressung komprimiert, gebunden und verklebt. Anschließend mit Lagen von farbigem Kunststoff oder Polyesterharz ummantelt, geschliffen, poliert und mit einer Produktionszahl nummeriert. Letztendlich kann nur der Künstler anhand der Seriennummer feststellen, welche Art von Müll im Inneren verborgen ist.

Im Fall der Lübecker Objekte, sind die „Trashstones“ silberfarben. Nach einem Tauchbad in flüssigem Aluminium, wurden sie anschließend mit der Schleifmaschine bearbeitet und auf Hochglanz poliert. In der kalt-glänzenden Oberflächenstruktur spiegeln sich die Malereien Jägers sowie die Besucher und der Kirchenraum mit seinen Terrakotta-Bodenfliesen, den Fenstern, den hohen Pfeilern und dem Kreuzrippengewölbe. Spiegelungen, die anders als in Jägers Bildern, keine reale Bildwelt, sondern eine irrationale, grotesk verzerrte Spiegelwelt zeigen.

Unwillkürlich stellt sich die Frage, ist Mundt, der bereits 1989 seinen ersten Stein mit der Nummer 001 produziert hat, im Sinne der akademischen Bildhauerkunst ein Bildhauer? Nicht natürliche Gesteinsarten wie Sandstein oder Marmor stehen für ihn im Fokus, sondern ein aus recyceltem Abfall gefertigter, künstlicher Stein. Ein Stein, der eigentlich kein Stein ist. Sein von ihm entwickeltes, gestalterisches Konzept bricht damit alle tradierten Konventionen und revolutioniert die Bildhauerei. Als einer der innovativsten zeitgenössischen Bildhauer erhielt der Künstler 2007 für seine Werkgruppe „Trashstone“ von der Royal Academy in London den Jack Goldhill Award for Sculture.

Der Titel der Doppelausstellung „Jetzt nicht“ ist eine zufällige Wortfindung ohne inhaltliche Relevanz. Man sollte die ironisch gemeinte Titulierung nicht wörtlich nehmen, denn diese Schau ist unbedingt sehenswert. Obwohl Michael Jäger und Wilhelm Mundt unterschiedliche künstlerische Positionen vertreten, stehen die präsentierten Exponate mit ihrer Farbigkeit und ihren facettenreichen Spiegelungen in einem kompositorischen Dialog: Bilder und Objekte von ästhetischer Schönheit, die miteinander kommunizieren.

St. Petri zu Lübeck ist eine der renommiertesten Adressen für zeitgenössische Kunst in der Hansestadt. Mit ihrem 108 Meter hohen Turm überragt die Kirche die mittelalterlichen Häuser an der Obertrave. Im 13. Jahrhundert als Hallenkirche in Backstein errichtet, blickt das Bauwerk auf eine bewegte Vergangenheit zurück: Brände, Einstürze und vor allen Dingen die Bombardierung am Palmsonntag 1942 zerstörten das Kirchengebäude. Bei der Restaurierung der Außenfassade 1962, erhielt der Innenraum einen weißen Anstrich. St. Petri ist heute die Universitätskirche der Universität zu Lübeck. Sie ist zudem ein Ort für kulturelle Veranstaltungen und für Ausstellungen zeitgenössischer Avantgarde und moderner Kunst. Moderne und Mittelalter? Kein Widerspruch, wie die aktuelle Doppelausstellung „Michael Jäger und Wilhelm Mundt - Jetzt nicht“
beweist.


Die Doppelausstellung Michael Jäger und Wilhelm Mundt: „Jetzt nicht“ ist bis zum 26. August 2012 in der Kirche St. Petri zu Lübeck, Am Petrikirchhof 1, 23552 Lübeck zu besichtigen.
Kuratiert von Valentin Rothmaler.
Ein Katalog ist erhältlich.
Öffnungszeiten: Di.-So. von 11 bis 16 Uhr
www.st-petri-luebeck.de


Fotonachweis:
Header: Wilhelm Mundt, „Trashstone“, Aluminium. Foto: Christel Busch
Galerie:
01. bis 03. Blick in die Ausstellung. Fotos: Valentin Rothmaler
04. bis 07. Blick in die Ausstellung. Fotos: Christel Busch
08. v.l.n.r.: Michael Jäger und Wilhelm Mundt. Foto: Christel Busch

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Bildende Kunst > Michael Jäger und Wilhelm Mundt: „Jetzt ni...

Mehr auf KulturPort.De

Vienna Vocal Consort: Nostre Dame
 Vienna Vocal Consort: Nostre Dame



Das Vienna Vocal Consort zählt seit Gründung im Jahr 2007 zu Österreichs renommiertesten Vokalensembles für Alte Musik. Deren neues Album „Nostre Dame“  [ ... ]



„Dalida”. Oder die Angst vor der Dunkelheit
 „Dalida”. Oder die Angst vor der Dunkelheit



Wie viel Tragik verkraftet ein Film in Zeiten von „Wonder Woman” oder „Atomic Blonde”? Tough ist angesagt, und viele Kritiker reagierten eher störrisch  [ ... ]



Chilly Gonzales in Lübeck – atemberaubend mitreißend
 Chilly Gonzales in Lübeck – atemberaubend mitreißend



Der Schlafrock war schwarz und nicht rot, wie am Vorabend in der Elbphilharmonie. Entsprechend seriös, ganz leise und melodisch der Einstieg.
Chilly Gonzales l [ ... ]



Sommerliche Musiktage in Hitzacker: Durchwoben vom ständigen Wandel
 Sommerliche Musiktage in Hitzacker: Durchwoben vom ständigen Wandel



Dass „die Tonkunst eine rührend-kurze Freude (ist), die aus dem Nichts entsteht und ins Nichts vergeht... eine kleine fröhliche Insel... die auf dem dunklen, [ ... ]



Kassé Mady Diabaté – ein Ausflug in die westafrikanische Musik
 Kassé Mady Diabaté – ein Ausflug in die westafrikanische Musik



„La parole des anciens est secrée.“ (Das Wort des Ältesten ist heilig)

Das Mandingo-Reich (Manding) wurde im 13. Jahrhundert vom sagenhaften Mali-Kaiser [ ... ]



Rudi Stephan – Chamber Works and Songs
 Rudi Stephan – Chamber Works and Songs



Rudi Stephan (1887-1915) konnte sein Leben nicht lange leben, er konnte sein unglaublich großes musikalisch-kompositorisches Talent nicht vollständig ausreifen [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.