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Serenata Italiana – Raphaela Gromes und Julian Riem

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Mittwoch, den 20. September 2017 um 09:28 Uhr
Serenata Italiana – Raphaela Gromes und Julian Riem 4.3 out of 5 based on 110 votes.
Serenata Italiana – Raphaela Gromes und Julian Riem

Gerade war sie noch beim Schleswig-Holstein-Musikfestival zu hören und debütierte – nun kommt zeitnah dazu ihr Debütalbum auf dem Markt. Gemeinsam mit Pianist Julian Riem stellt sie „Serenata Italiana“ vor, eine Sammlung unbekannter Kompositionswerke des späten 19. – frühen 20. Jahrhunderts.
Die junge aus München stammende Raphaela Gromes gilt als vielversprechende Nachwuchscellistin. Als Vierjährige begann sie mit dem Unterricht – die Eltern, beide selbst Cellisten – ermöglichten ab Lebensalter sieben erste Bühnenerfahrung. Studium an der Mendelssohn-Bartholdy-Hochschule in Leipzig bei Peter Bruns, 2010 der Wechsel an die Musikhochschule in München zu Wen-Sinn Yang und anschließend zu Reinhard Latzko an die Universität für Musik und darstellende Kunst nach Wien.
Julian Riem, ebenfalls gebürtiger Münchner studierte an der Musikhochschule seiner Heimatstadt und danach bei Michel Béroff am Conservatoire National Supérieur in Paris. Er gewann internationale Klavierwettbewerbe und erwarb sich mittlerweile auch viel Bühnenerfahrung.
Das gemeinsame Spiel mit Raphaela Gromes gelingt in einer außerordentlichen Harmonie im Spiel.

Serenata Italiana – Raphaela Gromes - Julian RiemDer Text im Booklet von Christoph Vratz kommt mit einem Vergleich in der Überschrift daher: Diese Entdeckungsleistung in die Kammermusik Italiens des späten 19. Jahrhunderts sei vergleichbar mit einer Trüffelsuche, schreibt er.
In der Tat scheint tatsächlich die Nase der Musiker exzellent zu sein, denn in der romantischen Leichtigkeit und Lebensfreude der sechs, eher unbekannten, Komponist-inn-en Ferruccio Busoni (1866-1924), Guiseppe Martucci (1856-1909), Alfredo Casella (1883-1947), Leone Sinigaglia (1868-1944), Matilde Capuis (1913-2017) und Mario Castelnuovo-Tedesco (1895-1978) liegt ein wundervoller Duft bis hinein in die Anfänge der Moderne.

Ferruccio Busonis „Serenata" (Op. 34) ist das Werk eines „Individualisten und universalen Geistes“. Er, der u.a. Kurt Weill in den frühen 1920er-Jahren in Berlin als Schüler aufnahm, zeigt gleich zu Beginn des Albums, wo die Bruchkanten zwischen Romantik und Moderne, allgemeinen Konsens der Zeit und persönlicher Auffassung liegen. Die Individualisierung hält stärker Einzug denn zuvor.
„Durch die vielen reinen Intervalle" – (auf Terzen verzichtet der Komponist fast vollkommen) – „klingt das Ganze schwebend suchend, unbestimmt, quasi improvisando.“ Dieses Zitat der Musiker lässt sich voll und ganz unterstreichen. Diese Serenata beschreibt seinen Schöpfer als einen kosmopolitischen Menschen mit Sinn und Verstand.

In der Person von Martucci spiegeln sich die bereits erwähnten Bruchkanten ebenfalls deutlich wieder. „Er steht im Zentrum unserer neuen Aufnahme“, sagt Gromes und verschafft dem in seiner Zeit berühmten Wagner-Dirigenten und Brahms-Anhänger Raum mit der viersätzigen „Sonate fis-Moll", Op. 52, für Violoncello und Klavier, die er um 1880 komponierte.

Eine weitere Entdeckung ist die sehr alt gewordene Matilde Capuis. Die Neapolitanerin komponierte 1964 das „Animato con passione“. „Nachdem wir uns im Frankfurter Archiv ‚Frau und Musik’ einige Werke verschiedener italienischer Komponistinnen ausgeliehen und angespielt hatten, entschieden wir uns für Capuis. Ihre Musik hat uns von Anbeginn an sehr berührt“, beschreibt Gromes ihre Entdeckungstour.

Castelnuovo-Tedesco paraphrasiert schließlich zum Ende der CD Rossinis „Figaro“-Arie, die wie ein Feuerwerk daherkommt und die italienische Leidenschaft für Virtuosität und Spritzigkeit aufzeigt. Erstaunlich und jugendlich frisch ist die Reminiszenz zum Jazz bei ihm, was sicherlich seiner Immigration in die USA und den vielen Filmmusikkompositionen geschuldet sein dürfte.

Fundstücke, die sich in dieser Kombination sicherlich einprägen werden. Auffallend ist bei einigen Komponisten die Nähe zu Deutschland. Das spiegelt sich nicht allein in der kompositorischen Bezugnahme auf Beethoven, Brahms, Wagner oder Mahler wider, sondern ist auch darin begründet, dass zwei der Musikerkomponisten freiwillig (Busoni) mit Lebensmittelpunkt in Berlin und unfreiwillig (Sinigaglia) nach Deutschland kamen und letztgenannter gleich nach seiner Verschleppung hier verstarb.

Sehenswert ist übrigens der Musik-Video-Clip, der eher in der Storytelling-Manier von Pop- und Rockmusik erzählt wird: „Cello nightmare".

Serenata Italiana
Raphaela Gromes, Violoncello und Julian Riem, Klavier
Label: Sony Classical
CD mit Booklet (engl./deut.)
EAN: 889854130329

YouTube-Video:
Cello nightmare

Nächste Konzerte im Norden:
05.11.2017, 17:00 Uhr
Schloss Reinbek, Schlossstraße 5, 21465 Reinbek
Telefon: +49 (0)40 - 7273 4611, Preis 20.00 €
10.01.2018, Konzerthaus Berlin
13.01.2018, Elbphilharmonie Hamburg
13.04.2018, WDR Funkhaus, Köln



Abbildungsnachweis:
Headerfoto: Christine Schneider
CD-Cover

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