Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 961 Gäste online

Neue Kommentare

Phil zu "A Ghost Story". Der wehmütige Minimalismus des David Lowery: Rooney Mara ist wirklich zu bewundern für ihren ...
Herby Neubacher zu Kopf-Hörer 19 - für den Advent geeignet: Ja, da war doch was mit dem Advent? Ach ja, da wu...
franky zu 10 Jahre Lichte Momente 2017 – Outdoor-Videoprojektionen in Osnabrück : Lichte Momente sind großartig und machen richtig...
Dr. Seán Ó Riain, Irische Botschaft, Wien zu Hamburg vergibt Förderpreise für Literatur und literarische Übersetzungen 2017: Ich gratuliere recht herzlich Frau Gabriele Haefs...
Herby Neubacher zu Weihnachtsoratorium vom Ensemble Resonanz: Frohlocken unter Freunden: Die Geschmacklosigkeit schreckt wirklich heute vo...

CDs KlassikKompass

Serenata Italiana – Raphaela Gromes und Julian Riem

Drucken
(118 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 20. September 2017 um 08:28 Uhr
Serenata Italiana – Raphaela Gromes und Julian Riem 4.3 out of 5 based on 118 votes.
Serenata Italiana – Raphaela Gromes und Julian Riem

Gerade war sie noch beim Schleswig-Holstein-Musikfestival zu hören und debütierte – nun kommt zeitnah dazu ihr Debütalbum auf dem Markt. Gemeinsam mit Pianist Julian Riem stellt sie „Serenata Italiana“ vor, eine Sammlung unbekannter Kompositionswerke des späten 19. – frühen 20. Jahrhunderts.
Die junge aus München stammende Raphaela Gromes gilt als vielversprechende Nachwuchscellistin. Als Vierjährige begann sie mit dem Unterricht – die Eltern, beide selbst Cellisten – ermöglichten ab Lebensalter sieben erste Bühnenerfahrung. Studium an der Mendelssohn-Bartholdy-Hochschule in Leipzig bei Peter Bruns, 2010 der Wechsel an die Musikhochschule in München zu Wen-Sinn Yang und anschließend zu Reinhard Latzko an die Universität für Musik und darstellende Kunst nach Wien.
Julian Riem, ebenfalls gebürtiger Münchner studierte an der Musikhochschule seiner Heimatstadt und danach bei Michel Béroff am Conservatoire National Supérieur in Paris. Er gewann internationale Klavierwettbewerbe und erwarb sich mittlerweile auch viel Bühnenerfahrung.
Das gemeinsame Spiel mit Raphaela Gromes gelingt in einer außerordentlichen Harmonie im Spiel.

Serenata Italiana – Raphaela Gromes - Julian RiemDer Text im Booklet von Christoph Vratz kommt mit einem Vergleich in der Überschrift daher: Diese Entdeckungsleistung in die Kammermusik Italiens des späten 19. Jahrhunderts sei vergleichbar mit einer Trüffelsuche, schreibt er.
In der Tat scheint tatsächlich die Nase der Musiker exzellent zu sein, denn in der romantischen Leichtigkeit und Lebensfreude der sechs, eher unbekannten, Komponist-inn-en Ferruccio Busoni (1866-1924), Guiseppe Martucci (1856-1909), Alfredo Casella (1883-1947), Leone Sinigaglia (1868-1944), Matilde Capuis (1913-2017) und Mario Castelnuovo-Tedesco (1895-1978) liegt ein wundervoller Duft bis hinein in die Anfänge der Moderne.

Ferruccio Busonis „Serenata" (Op. 34) ist das Werk eines „Individualisten und universalen Geistes“. Er, der u.a. Kurt Weill in den frühen 1920er-Jahren in Berlin als Schüler aufnahm, zeigt gleich zu Beginn des Albums, wo die Bruchkanten zwischen Romantik und Moderne, allgemeinen Konsens der Zeit und persönlicher Auffassung liegen. Die Individualisierung hält stärker Einzug denn zuvor.
„Durch die vielen reinen Intervalle" – (auf Terzen verzichtet der Komponist fast vollkommen) – „klingt das Ganze schwebend suchend, unbestimmt, quasi improvisando.“ Dieses Zitat der Musiker lässt sich voll und ganz unterstreichen. Diese Serenata beschreibt seinen Schöpfer als einen kosmopolitischen Menschen mit Sinn und Verstand.

In der Person von Martucci spiegeln sich die bereits erwähnten Bruchkanten ebenfalls deutlich wieder. „Er steht im Zentrum unserer neuen Aufnahme“, sagt Gromes und verschafft dem in seiner Zeit berühmten Wagner-Dirigenten und Brahms-Anhänger Raum mit der viersätzigen „Sonate fis-Moll", Op. 52, für Violoncello und Klavier, die er um 1880 komponierte.

Eine weitere Entdeckung ist die sehr alt gewordene Matilde Capuis. Die Neapolitanerin komponierte 1964 das „Animato con passione“. „Nachdem wir uns im Frankfurter Archiv ‚Frau und Musik’ einige Werke verschiedener italienischer Komponistinnen ausgeliehen und angespielt hatten, entschieden wir uns für Capuis. Ihre Musik hat uns von Anbeginn an sehr berührt“, beschreibt Gromes ihre Entdeckungstour.

Castelnuovo-Tedesco paraphrasiert schließlich zum Ende der CD Rossinis „Figaro“-Arie, die wie ein Feuerwerk daherkommt und die italienische Leidenschaft für Virtuosität und Spritzigkeit aufzeigt. Erstaunlich und jugendlich frisch ist die Reminiszenz zum Jazz bei ihm, was sicherlich seiner Immigration in die USA und den vielen Filmmusikkompositionen geschuldet sein dürfte.

Fundstücke, die sich in dieser Kombination sicherlich einprägen werden. Auffallend ist bei einigen Komponisten die Nähe zu Deutschland. Das spiegelt sich nicht allein in der kompositorischen Bezugnahme auf Beethoven, Brahms, Wagner oder Mahler wider, sondern ist auch darin begründet, dass zwei der Musikerkomponisten freiwillig (Busoni) mit Lebensmittelpunkt in Berlin und unfreiwillig (Sinigaglia) nach Deutschland kamen und letztgenannter gleich nach seiner Verschleppung hier verstarb.

Sehenswert ist übrigens der Musik-Video-Clip, der eher in der Storytelling-Manier von Pop- und Rockmusik erzählt wird: „Cello nightmare".

Serenata Italiana
Raphaela Gromes, Violoncello und Julian Riem, Klavier
Label: Sony Classical
CD mit Booklet (engl./deut.)
EAN: 889854130329

YouTube-Video:
Cello nightmare

Nächste Konzerte im Norden:
05.11.2017, 17:00 Uhr
Schloss Reinbek, Schlossstraße 5, 21465 Reinbek
Telefon: +49 (0)40 - 7273 4611, Preis 20.00 €
10.01.2018, Konzerthaus Berlin
13.01.2018, Elbphilharmonie Hamburg
13.04.2018, WDR Funkhaus, Köln



Abbildungsnachweis:
Headerfoto: Christine Schneider
CD-Cover

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Kolumne > CDs KlassikKompass > Serenata Italiana – Raphaela Gromes und Jul...

Mehr auf KulturPort.De

Golnar & Mahan – Derakht
 Golnar & Mahan – Derakht



Ein Repertoire zwischen Weltmusik und Jazz: die Album-Neuerscheinung der beiden in Teheran geborenen – der Komponistin und Sängerin Golnar Shahyar und des Oud [ ... ]



Mike Stern: Trip
 Mike Stern: Trip



Eigentlich war Mike Stern auf dem Weg zum Flughafen, um eine Europatournee zu starten. Ein Unfall, bei dem er sich beide Oberarmknochen brach, brachte ihn dann i [ ... ]



Anton Melbye: Maler des Meeres
 Anton Melbye: Maler des Meeres



Unter dem Titel „Anton Melbye – Maler des Meeres“ findet im Altonaer Museum in Hamburg eine umfangreiche Ausstellung des dänischen Künstlers statt, der v [ ... ]



Johann Joachim Winckelmann – dem Stammvater der Archäologie zum 300. Geburtstag
 Johann Joachim Winckelmann – dem Stammvater der Archäologie zum 300. Geburtstag



Am 9. Dezember 2017 jährt sich der 300. Geburtstag von Johann Joachim Winckelmann.
Als Sohn eines armen Schuhmachermeisters 1717 in Stendal, Sachsen-Anhalt geb [ ... ]



„Drei Zinnen". Oder die Abgründe einer Kinderseele
 „Drei Zinnen



Jan Zabeil inszeniert sein subtiles, visuell virtuoses Familiendrama als verstörendes Survival-Epos.
Mag er eigentlich diesen kräftigen, sportlich durchtraini [ ... ]



Jhumpa Lahiri sagt: "Mit anderen Worten – Wie ich mich ins Italienische verliebte"
 Jhumpa Lahiri sagt:



Als die Pulitzer-Preisträgerin des Millenniumjahrs 2000 Jhumpa Lahiri vor zwei Jahren vom amerikanischen Ex-Präsidenten Barack Obama die "National Humanities M [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.