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CDs KlassikKompass

Philippe Jaroussky und sein überirdischer Orfeo

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(73 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Montag, den 10. April 2017 um 10:05 Uhr
Philippe Jaroussky und sein überirdischer Orfeo 4.3 out of 5 based on 73 votes.
Philippe Jaroussky und sein überirdischer Orfeo

Gleich drei Opern zum Thema Orpheus hat der Countertenor Philipe Jaroussky stilvoll geplündert und die Musik von Monteverdi, Rossi und Sartorio zu einer kompakten neuen Mini-Oper zusammengefügt, punktgenau zum 450. Geburtstags von Monteverdi. Wenn man Jaroussky zuhört, versteht man, dass eine Stimme auch Felsen zum Weinen bringen kann.

Einmal Unterwelt und zurück – eine hochdramatische Reise. Dazu eine unsterbliche Liebe zwischen einer Nymphe und einem hochbegabten Götterliebling. Und göttliche Musik. Kein Wunder, dass Claudio Monteverdis Favola in musica „L’Orfeo“ seit ihrer ersten Aufführung 1607 in Mantua nicht mehr in Vergessenheit geraten ist. Das Stück, bei dem schließlich die Liebe an der Liebe scheitert, an Orpheus’ voreiligem Blick auf die fast schon aus dem Totenreich gerettete Eurydike, gilt als erste Oper der Musikgeschichte; der Stoff wurde ein Dauerbrenner des Musiktheaters, dem viele reizvolle Vertonungen folgten.

Am 15. Mai jährt sich zum 450. Mal der Geburtstag des Komponisten, dessen Werk den Übergang von der Renaissance zum Frühbarock markiert. Und Philippe Jaroussky, allgegenwärtiger Countertenor, hat sich dazu ein apartes Geschenk einfallen lassen: eine CD unter dem Titel „La storia di Orfeo“ – ein Pasticcio, einen Zusammenschnitt von Monteverdis Orfeo und zwei anderen Opern zum selben Thema. In Paris wurde 1647, 40 Jahre nach Monteverdis Bühnen-Hit, Luigi Rossis „Orfeo“ uraufgeführt, und in Venedig 1672, noch einmal 25 Jahre später Antonio Sartorios „L’Orfeo“. 65 Jahre, in denen sich die Musik vom Ausgang des Mittelalters bis in die Vorgärten Händels und Bachs entwickelte, in denen sich die Melodie freischwamm, und in der langen Zeit gültige Formen entstanden.

Philippe Jaroussky - Orfeo - CoverJaroussky sucht sich aus allen drei Opern zu gleichen Anteilen die Leckerbissen heraus und schafft eine packende 64-Minuten-Fassung des Orpheus-Dramas, die sich elegant aneinanderfügen. „Dieses Projekt ist konzipiert als eine Art Mini-Oper oder als Kantate für zwei Solostimmen und Chor und hat zwei Charaktere: Orpheus und Eurydike“, schreibt Jaroussky im Booklet. „Die drei Opern haben ihren Fokus auf unterschiedlichen Aspekten der Geschichte: Sartorio und Rossi zeigen das Glück der jungen Verliebten und die Szene, in der Eurydike von der Schlange gebissen wird. Anders Monteverdi, er konzentriert sich mehr auf die Suche des Orpheus nach Eurydike in der Unterwelt, und der Höhepunkt seines Werks ist eine Arie, die ohne Parallele in der Geschichte der Oper geblieben ist: Das magische ‚Possente spirto’, das ich hier in aller Kühnheit als Countertenor singe, zum ersten Mal auf einer Aufnahme.“ Es sind fast neun Minuten Musik von äußerster Konzentration und Delikatesse, feinsten Verzierungen und überirdischer Tongebung.

Strahlender Mittelpunkt ist natürlich Jarousskys makellose, geradezu unheimlich perfekte Stimme, Gänsehaut pur – und man versteht ohne weiteres, wie es Orpheus mit seiner Stimme schaffen konnte, wilde Tiere, Bäume, Felsen und sogar die grausamen Furien handzahm zu machen. Jarousskys Eurydice für diese CD ist die ungarische Sängerin Emöke Barath, ein wunderbar klarer Sopran, nahezu gleich timbriert wie Jaroussky, nur ein winziges Spürchen heller, weniger sinnlich – so dass sich die Stimmen in den Duetten nahtlos anfeuern und gut ergänzen – etwa in Sartorios „Cara e amabile catena“ oder in Rossis „M’ami tu?“, ohne dass es langweilig wird.

Instrumental unterstützt wird die Opern-Collage durch das Originalklang-Ensemble „I Baroccisti“ unter Diego Fasolis, der ein Feuerwerk an Farben und Stimmungen erklingen lässt. Beweglich,aber vielleicht etwas zu mächtig in dem filigranen Klanggespinst: der Coro della Radiotelevisione svizzera.

Philippe Jaroussky: La Storia di Orfeo
Orchesterstücke, Arien und Duette aus Opern von Antonio Sartorio, Luigi Rossi und Claudio Monteverdi.
Philippe Jaroussky (Countertenor), Emöke Barath (Sopran), I Barocchisti, Leitung: Diego Fasolis.
CD Erato
EAN 01902958511903

YouTube-Video:
Philippe Jaroussky Records 'La Storia di Orfeo' - Monteverdi, Rossi, Sartorio


Abbildungsnachweis:
Pierre Jarrousky. Foto: Simon Fowler
CD-Cover

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