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CDs KlassikKompass

Lorelei Dowling: Ein Fagott zum Verlieben

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(31 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Montag, den 20. März 2017 um 10:55 Uhr
Lorelei Dowling: Ein Fagott zum Verlieben 4.4 out of 5 based on 31 votes.
Lorelei Dowling: Ein Fagott zum Verlieben

Vergessen Sie alles, was Sie bisher vom Fagott gehört haben! Diese CD von Lorelei Dowling zeigt das Instrument, das auch Frank Zappa besonders mochte, in einem ganz neuen Licht: faszinierend, vielseitig, unerhört und aufregend sinnlich – „I was like WOW“.

Was muss passieren, damit man sich, schneller als ein Wimpernschlag, in eine CD mit zeitgenössischer Fagott-Musik verliebt? Vielleicht muss die Musik so leichtfüßig, atmosphärisch hellblau-sonnig daherkommen wie der erste Tango von Elena Kats-Chernin, der mit seinen vier folgenden Nummern eine wunderbare kleine Liebesgeschichte erzählt, wie man sie sonst nur aus Träumen kennt. Und dann muss das gefühlvolle, kecke Fagott auch noch von einer Zauberin wie Lorelei Dowling gespielt werden, die neben dieser Tango-Suite noch vier faszinierende Stücke ausgewählt hat – sie alle markieren in ganz unterschiedlichen Klangwelten Stationen ihrer Lebensreise.
Einer aufregenden Lebensreise an der Seite ihres Fagotts, die den Titel trägt „I was like WOW“. Lorelei Dowling stammt aus Australien, wo sie mit 24 Mitglied des Sydney Symphony Orchestra wurde. Von dort wanderte sie durch viele internationale Orchester und gehört seit 1994 zum Klangforum Wien, dem weltweit renommierten Ensemble für Neue Musik. Und gründete 2013 in Wien das Fagott-Ensemble „Lindsay Cooper Quartet“ mit. Daneben unterrichtete sie rund um den Globus – Manhattan, Moskau, Singapur, Venedig, Portugal, Manchester und in den USA, derzeit in Graz und in Madrid.

Treffen sich Shostakovich, Satie und diese dunkelblonde Fagottistin...
Fangen wir an mit den Tangos von Elena Kats-Chernin, einer russisch-australischen Komponistin, die selbst als Begleiterin am Klavier sitzt. Zwischen 1996 und 2012 entstanden ihre kurzen Stücke, die hier in eine Geschichte erzählen. Eine, die so klingt, als habe Shostakovich auf einer Beachparty „Down Under“ Satie getroffen, man unterhält sich über Debussy und Argentinien, und dann kommt diese dunkelblonde Fagottistin dazu. Vor dem inneren Auge laufen Stummfilmszenen ab, inspiriert von Titeln wie Slicked Back Tango, Faded Curtains, Nonchalance oder Afterwards. Lieder ohne Worte, Tango moods, kleine Elegien und zum Schluss ein kesser Ragtime. Die hinreißende Leichtigkeit des Seins; verzauberte blaue Stunde.
Von da geht’s in deutlich schwerere Wasser. Von Johannes Maria Staud aus Innsbruck stammt „Celluloid“– ein knapp zwölf Minuten langes Solo-Stück, das dem Fagott wirklich alles abverlangt, was man ihm an Klängen, Geräuschen, Tönen, Gefühlen entlocken kann, inspiriert von einem Gedicht Rolf Brinkmanns.
Nicht wenige fordernd Pierluigi Billones „Blaues Fragment“, geschrieben für die Solistin. Auch hier erfindet sich das Fagott neu, spielt mit unerhörten Klängen, die Töne Flattern, es gibt Glissandi und zweistimmiges Spiel – ein Ausflug in eine magische Klangwelt.
Es folgen zwei Stücke, die auch politische Statements sind: Jacob TV (Ter Veldhuis) schrieb „I was like WOW“, ein Stück für Posaune und medial verfremdete Interviews mit zwei US-Soldaten, die 2003 aus dem Irak-Krieg zurückkehrten. Lorelei Dowling hat es für Fagott adaptiert – ein Werk, das unter die Haut geht.

Der Kampf des Individuums gegen die Macht der Masse
Genau wie das 1975, in Moskau geschriebene Concerto for Bassoon and Low Strings von Sofia Gubaidulina. Fünf Sätze, in denen sich der tiefe Konflikt zwischen dem Individuum mit seinem Freiheits- und Unabhängigkeitswillen und der genormten Masse auf der anderen Seite spiegelt. Gubaidulina erzählt das extrem subtil, aber die Bilder im eignen Kopf entwickeln sich mit großer Gewalt. Vier Celli und drei Kontrabässe versuchen, die Melodielinien des Fagotts einzufangen, einzuschränken. Sie schleichen sich an die elegische Klage des Fagotts heran, spielen anders, dagegen, bedrängen es mit massierten Klängen – bis im vierten Satz ein schriller Schrei ertönt, die col legno auf die Saiten geschlagenen Bögen klingen auf einmal wie Schüsse aus Maschinenpistolen. Das freche Fagott überlebt, ist aber hörbar erschöpft – offenbleibt, wer am Ende gewinnt.
Eines aber ist sicher: Die Hörer dieser musikalischen Affären, Erzählungen und Auseinandersetzungen sind auf jeden Fall auf der Gewinner-Seite.

Lorelei Dowling: I was like WOW
CD TYXart
TXA 16081
EAN 4250702800811
Hörproben
YouTube-Video:
in between 4 bassoons


Abbildungsnachweis:
Header: CD-Cover

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