Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 790 Gäste online

Neue Kommentare

Marlies Lampert zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo liebe Hüsungianer,
ich bin ca. 1999...

SingulART zu Kunstmuseum Wolfsburg: This Was Tomorrow. Pop Art in Great Britain: Grossartige Ausstellung war das! Wir haben unsere...
tommy zu Ensemble Resonanz zu Gast bei NEW HAMBURG: gute sache, dass sie mal aus ihrem bunker rauskom...
Lena Baal zu Zum Tode von Peter Härtling: Peter Härtling war nicht nur ein großartiger Sc...
Elisabeth Warken zu Gurre-Lieder in der Elbphilharmonie: Zu wenig Vertrauen in die leisen Töne: Die Kritik zu den Sängern kann ich nicht ganz ve...

Anzeige


CDs KlassikKompass

Dürfen Tenöre Hamburg-Lieder singen?

Drucken
(63 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 18. Oktober 2016 um 10:19 Uhr
Dürfen Tenöre Hamburg-Lieder singen? 4.1 out of 5 based on 63 votes.
Dürfen Tenöre Hamburg-Lieder singen? Daniel Behle

Daniel Behle, lyrischer Tenor, Jahrgang 1974, steht längst auf den größten Bühnen. Covent Garden, Semperoper, Concertgebouw Amsterdam, Konzerthaus Wien, Festspielhaus Bayreuth und bald auch Elbphilharmonie. Doch das Band des Hamburgers zu seiner Heimatstadt hat gehalten. Seine neue CD heißt „Mein Hamburg“ – es sind ganz besondere Hafen- und Hamburg-Lieder.

Reicht es nicht, dass Hans Albers den in der weichen Seele vernarbten Seemann gibt, nach der Freiheit runter und die Reeperbahn wieder rauf, nachts um halb eins? Muss da tatsächlich einer kommen, der echt singen kann? Und das schöne, aber reichlich abgenudelte Repertoire mit Augenzwinkern und kristallklaren Spitzentönen ein wenig bereichert?
„Mein Hamburg“ nennt der Hamburger Jung Daniel Behle, inzwischen zuhause in der Schweiz und auf den großen Opernbühnen der Welt, sein neustes Kabinettstückchen, einen Gruß „An die schönste Stadt der Welt!“ Das Cover seemannsblau unterlegt, Kräne, Michel und Segelschiff, Köhlbrandbrücke und Elbphilharmonie dazugezeichnet. Mit ihm werfen die Leinen los das Schnyder Trio und Elbeblech im „Klabautermannquintett“.
Daniel Behle - mein HamburgEin intelligenter musikalischer Spaß. Auch wenn die 18 Titel mehrheitlich salzwasser- und seemannsgarn-affines Liedgut vermuten lassen, hat Behle zwischen Evergreens wie „Auf der Reeperbahn“, „Ob blond, ob braun“ oder „Kleine Möwe, flieg nach Helgoland“ immer wieder Opern- und Konzertarien geschmuggelt. Die heißen dann „Meine kleine Elbeschleuse“, „Schlicht an der Waterkant“, „Klaus Störtebeker“, „Kennt ihr schon Hamburg“, „FC St. Pauli“, „Ich bin stolz auf meinen Steinway“ oder „Ein Tor zur weiten Welt“.
Und klingen auch ohne Akkordeon schön hamburgisch, es sind aber eingemeindete U-Boote aus der großen weiten Welt eines Spitzentenors – man kann mit dieser CD herrlich „Erkennen Sie die Melodie?“ spielen sowie Klassik- und Hamburg-Fans gleichermaßen verwirren. Die kleine Elbeschleuse öffnet sich zur Musik von Dvoraks Humoreske op. 101, Nr.7. „Ob blond, ob braun“ stammt von dem großen Seemannskomponisten Robert Stolz, für „Schlicht an der Waterkant“ hat Behle die grandiose und höllenschwere Arie des Paris „Au Mont Ida“ aus Offenbachs „La Belle Hélène“ umgedichtet, der „Postillon von Lonjumeau“ wird zum Piraten Störtebeker, mit Strauss’ „Komm in die Gondel“ lockt Behle verführerisch zu einer Fahrt durch die Hamburger Fleete. Und Granada sieht ganz schön alt aus, wenn er losschmettert: „Kennt ihr schon Hamburg bei Nacht?“

Ein Lied für die gebeutelten St. Pauli-Fans
Behle dichtet munter drauf los – reim dich, oder ich hau dich! Dabei kommen dann so hübsche Verse raus wie: „Der Weltpokalbesieger ist schnell / und wird es abends am Millerntor ganz hell / dann zeigen wir den anderen Fans / wie man das Leder ins Tor schlenzt / Denn David ist mächtig und Goliath ist doof / das hat sich bewiesen auf unserem Hof / ... / FC St. Pauli, mein St. Pauli / du bist ja im Grunde genau wie die Frau, die /wie ich für mich hier konstatier / im Leben ich nie mehr verlier.“ Wäre doch `ne amtliche Maßnahme, wenn er nun vor jedem Spiel auf einen Hebekran stiege, um die Pauli-Elf damit aus dem Tabellentief herauszusingen!
Auch auf die Melodie von „Ein Lied geht um die Welt“ des unsterblichen Josef Schmidt ersetzt er den alten Text der ‚Comedian Harmonists‘ durch Eigenreime, in denen er alte Hamburg-Lied-Klischees aus mehreren Songs elegant zusammenstrickt: „Ein Tor zur weiten Welt“. Da heißt es dann im Refrain: „Auch wenn die Winde harsch, ist’s schön auf Geest und Marsch, auch wenn die Aussicht trübe, werde ich nimmer müde: Hamburg, du Perle, bleibst doch auf ewig mein!“ Allein dieses Lied reicht aus, die in der Überschrift gestellte Frage mit einem klaren „JA!“ zu beantworten
Ganz klar: Da hat jemand offensichtlich schwere Sehnsucht nach Astra, Fischmarkt und Matjesbrötchen. Und mit einigen seiner Titel könnte locker die Uralt-Jukebox jeder Hafenkneipe aufpeppen.

Behles nächste Hamburg-Auftritte sind allerdings wieder etwas ernster: Im Dezember kommt er am 15. und 16. zu Bachs „Weihnachtsoratorium“ in die Laeiszhalle, unter der Leitung von Thomas Hengelbrock, bevor er dann am 26. und 28. Mai in der neuen Elbphilharmonie den Loge in Wagners „Rheingold“ singt.
Aber im Frühjahr 2017, das hat Daniel Behle versprochen, geht er dann auf Tour mit „Mein Hamburg“.

Daniel Behle, Schnyder Trio, Elbeblech: „Mein Hamburg“
CD Berlin Classics
0300826BC.
Und wer es ein bisschen mehr Retro mag, bekommt sie auch auf Vinyl als LP.
Hörbeispiel: ‚Mein Hamburg‘
YouTube-Video: Daniel Behle „Mein Hamburg“


Abbildungsnachweis:
Headerfoto von Daniel Behle: Nancy Horowitz
CD-Cover

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Kolumne > CDs KlassikKompass > Dürfen Tenöre Hamburg-Lieder singen?

Mehr auf KulturPort.De

Franz Andreas Meyer – Hamburgs vergessener Stadtplaner
 Franz Andreas Meyer – Hamburgs vergessener Stadtplaner



Kennen Sie die Heiligengeistbrücke über das Alsterfleet? Die Feenteichbrücke an der Außenalster? Die Brooksbrücke, die vom Katharinenviertel zur Speichersta [ ... ]



Philippe Quesne: Die Nacht der Maulwürfe – magische Farborigien
 Philippe Quesne: Die Nacht der Maulwürfe – magische Farborigien



Es gibt sie noch, die wundersamen Glücksmomente im Theater, die gestandene Kritiker (und Kritikerinnen) mit großen Augen dasitzen und staunen lassen wie Kinder [ ... ]



Mariano Pensotti: „Loderndes Leuchten in den Wäldern der Nacht“
 Mariano Pensotti: „Loderndes Leuchten in den Wäldern der Nacht“



Was für ein ungewöhnliches Stück! Eines? Nein: Was für drei ungewöhnliche Stücke – so intelligent, humorvoll und hintersinnig!
Mariano Pensottis „Lod [ ... ]



Vienna Vocal Consort: Nostre Dame
 Vienna Vocal Consort: Nostre Dame



Das Vienna Vocal Consort zählt seit Gründung im Jahr 2007 zu Österreichs renommiertesten Vokalensembles für Alte Musik. Deren neues Album „Nostre Dame“  [ ... ]



„Dalida”. Oder die Angst vor der Dunkelheit
 „Dalida”. Oder die Angst vor der Dunkelheit



Wie viel Tragik verkraftet ein Film in Zeiten von „Wonder Woman” oder „Atomic Blonde”? Tough ist angesagt, und viele Kritiker reagierten eher störrisch  [ ... ]



Chilly Gonzales in Lübeck – atemberaubend mitreißend
 Chilly Gonzales in Lübeck – atemberaubend mitreißend



Der Schlafrock war schwarz und nicht rot, wie am Vorabend in der Elbphilharmonie. Entsprechend seriös, ganz leise und melodisch der Einstieg.
Chilly Gonzales l [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.