Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 1382 Gäste online

Neue Kommentare

Gerd Kruse zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo Frau Lampert,
ich war durch meine He...

Herby Neubacher zu Elbphilharmonie: Das perfekte Buch zum Bau: Absolut richtig. Ich habe das gabnze Drama Elbphi...
Giulio zu „Die Spur”. William Blake und die Rache der Eigenbrötler : Prost Neujahr! Und danke für die vielen schönen...
Hubert Hoffmann zu Elbphilharmonie: Das perfekte Buch zum Bau: Ein Prestige -Objekt für die oberen Zehntausend....
Feindt zu Hamburg: Ein Museum im Hafen: Ein schönes neues Museum und wo bleibt die Berü...

CDs JazzMe

Chris Gall – Piano Solo

Drucken
(232 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Freitag, den 30. Januar 2015 um 11:04 Uhr
Chris Gall – Piano Solo 4.3 out of 5 based on 232 votes.
Chris Gall – Piano Solo (c) Mike Meyer

Chris Gall ist ein deutscher Pianist, aus Bad Aibling, Jahrgang 1975, mit einer fundierten Klassik- und Jazz-Ausbildung am renommierten Berklee College of Music in Boston.
Sein Spiel, seine Arrangements und seine Kompositionen sind gekennzeichnet von genreübergreifenden Elementen: Er ist zwar im Jazz zuhause, aber Klassik, Minimal Music, Tango und Indie-Rock sind wichtige musikalische Energiequellen.

Sein Anschlag ist präzise, im forte wie im pianissimo, er ist zuweilen leicht, selten wirklich hart und im Ton überwiegend warm. Das liegt nicht allein am Klang des Steinway-Flügels auf dem er seine erste Solo-CD eingespielt hat „Piano Solo“.
Schon nach den ersten Stücken des Albums ist der Hörer in der klanglichen Welt Galls aus Impressionismus (My Waltz), romantischen Passagen (Yorke’s Guitar), minimalistischer bis bluesiger Ruhe (Empty, Pale Blue Paper) und expressiven, zuweilen südamerikanischem Temperament (Boedo).

altDie Solo-CD ist der pure Genuss und die Spielfreude, einmal allein und nicht im Duo oder Trio zu spielen, ist dem Pianisten anzumerken. Das von Label und Kritik bereits im Vorfeld der Release in dieser Woche herausgehobene Stück „Yorke’s Guitar“ gehört nicht wirklich zu meinen Favoriten. Es bedient eher den Standard und eine wohlklingende Gefälligkeit aus „déjà entendu“. Möglicherweise verständlich, wenn sich Gall auf einen gewissen "Pete" Yorke bezieht und dessen hypnotisierenden Gitarrenklang. Ich kenne zumindest keinen Gitaristen/Sänger des Namens, lediglich andere Instrumentalisten, die sich so rufen lassen...
Herausgehoben gehört vielmehr „Empty, Pale Blue Paper“. Der Klangteppich, den der Pianist hier anbietet steht für seine Fähigkeiten aus einem einfachen Stück eine immense Vielseitigkeit und Variabilität herauszuholen. Das entstandene Konzentrat ist minimal, intensiv, jazzig, innig und expressiv zugleich. Das blasse Stück Papier wird von Gall beschrieben und zu einem hervorragenden Stück Kunst.

Chris Gall steht aber auch dafür, europäisch zu sein. Vielleicht ist er in seinen meisten Eigenkompositionen am weitesten entfernt von der amerikanischen Auffassung des Jazz und nahe an den europäischen Komponisten der Moderne und des Minimal.

„Boedo, Cuarto dia“ ist eine Reminiszenz an das Arbeiterviertel in Buenos Aires und entstand während seiner Tour-Begleitung für das Weltmusik- und Jazz-Quartett „Quadro Nuevo“. Die vier Tage in Argentiniens Hauptstadt hatten es wohl auch schöpferisch in sich. Es ist ein fließendes Stück von etwas mehr als zwei Minuten. Schon früher widmeten Tango-Komponisten dem Viertel, in dem eine der bekanntesten Literatengruppen der 1920er-Jahre agierte, viele Lieder.
„Forró“ ist der Name eines äußerst beliebten brasilianischen Musik- und Tanzstils. Auch die Tanzfeste, bei denen diese Musik gespielt wird, werden als Forró bezeichnet. Chris Gall fasziniert die Leichtigkeit dieser Musik, deren Feste die ganze Nacht dauern können. Diese “lebensfrohe Wucht“ (Gall) überträgt sich in seiner Komposition.
„A Roundabout’s Diary“ ist der Kreisverkehr unserer Zeit mit Wiederholungen, die im Detail keine identischen sind.
Nicht nur der klassischen Musik von Claude Debussy auch der Hommage ist viel Platz gewidmet: Yann Tiersens Filmtitelmelodie „La Valse a’Amélie“ ist eine Widmung an Amélie Poulain (aus dem Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“), sie ist schwebend – gar eine Liebeserklärung. Für den New Yorker Jazz-Pianisten Jason Moran ist ein eigenes, gleichnamiges Stück auf der CD zu finden sowie für den bereits erwähnten – who ever it is – "Pete" Yorke.

Chris Gall Piano Solo
Label: GLM Music, München / Edition Collage
4014063156129

Tourdaten
Video: Chris Gall Piano Solo – „Empty, Pale Blue Paper"
Video BR Klassik: Jazzpianist Chris Gall präsentiert live im U21-Studio sein neues Album "Piano Solo" und "Forró"


Abbildungsnachweis:
Header: Chris Gall. Foto: Mike Meyer
CD-Cover

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

avatar Chris Gall
+9
 
 
Lieber Claus Friede,
herzlichen Dank für den tollen Beitrag! Das Rätsel um den mysteriösen Peter Yorke möchte ich aber noch gern auflösen: natürlich handelt es sich um den Radiohead-Sänger und Gitarristen Thom Yorke!
Wie sich der Name "Pete" in den eigenen Liner Notes - Freud lässt grüßen - nach all dem Korrekturlesen bis zum Druck fälschlicherweise behaupten konnte ist mir selbst ein Rätsel... Google wird sich mittlerweile wahrscheinlich auch schon wundern;)
Viele Grüße, Chris Gall
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Kolumne > CDs JazzMe > Chris Gall – Piano Solo

Mehr auf KulturPort.De

Chris Gall Trio – Cosmic Playground
 Chris Gall Trio – Cosmic Playground



„There's something a cosmic playground and jazz have in common!"
Dieser Satz ist dynamisch-kursiv auf die Rückseite der neuen CD gedruckt und kann als Handl [ ... ]



James Rosenquist. Eintauchen ins Bild – vom Plakatmaler zur Pop-Art-Ikone
 James Rosenquist. Eintauchen ins Bild – vom Plakatmaler zur Pop-Art-Ikone



Speckstreifen fliegen durch das Weltall, rote Lippenstifte und Atompilze verkünden das nahende Inferno, Butterstücke zerfließen in einer Pfanne, Spaghetti mit [ ... ]



„Die dunkelste Stunde”. Winston Churchill und die Mobilisierung der Sprache
 „Die dunkelste Stunde”. Winston Churchill und die Mobilisierung der Sprache



Joe Wrights eleganter Politthriller „Die dunkelste Stunde” ist das Gegenstück zu Christoper Nolans überwältigendem Suspense-Epos „Dunkirk”. Zwei Filme [ ... ]



Die arabische Prinzessin – Von Leseratten, Fischverkäufern und einer Märchenoper, die nie geschrieben wurde
 Die arabische Prinzessin – Von Leseratten, Fischverkäufern und einer Märchenoper, die nie geschrieben wurde



Im Opernhaus in Hamburg schallen Kinderstimmen durch die Gänge: Es ist wieder opera piccola-Zeit!
Bevor die Kinderoper im Februar auf die Bühne geht, ist im H [ ... ]



Die Diktatur des Geldes – Finanz Tsunami
 Die Diktatur des Geldes – Finanz Tsunami



Ernst Wolff: „Finanz Tsunami. Wie das globale Finanzsystem uns alle bedroht“
Es ist wie es einmal war und heute noch ist: Ein Ausspruch von Henry Ford, des  [ ... ]



Verdis „Rigoletto“ als Genderfrage inszeniert von Katharina Thalbach
 Verdis „Rigoletto“ als Genderfrage inszeniert von Katharina Thalbach


  War es Absicht, dass rund um das Fest der Liebe die Kölner Oper ausgerechnet Giuseppe Verdis Bühnenstück „Rigoletto“ – das 1851 den Wel [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.