Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 1254 Gäste online

Neue Kommentare

Herby Neubacher zu Weihnachtsoratorium vom Ensemble Resonanz: Frohlocken unter Freunden: Die Geschmacklosigkeit schreckt wirklich heute vo...
Sabine Carbon zu „Karl Marx, Das Kapital“. Eine Hommage im Museum der Arbeit: Bei zu viel Text hilft vielleicht unser Kinderbuc...
Sabine Albrecht zu Neues Angebot der Kunstmeile Hamburg: Der 3-Tage-Kunstmeilenpass: Guten Tag,
ich suche nach einer Erklärun...

B.F.Schwarze zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo, Frau Lampert,
leider gibt es nicht ...

Angela zu „The Square”. Oder das Zeitalter des Misstrauens: Oh, dann Danke für den Lang-Spoiler - da muss ja...

CDs JazzMe

Chris Gall – Piano Solo

Drucken
(231 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Freitag, den 30. Januar 2015 um 11:04 Uhr
Chris Gall – Piano Solo 4.3 out of 5 based on 231 votes.
Chris Gall – Piano Solo (c) Mike Meyer

Chris Gall ist ein deutscher Pianist, aus Bad Aibling, Jahrgang 1975, mit einer fundierten Klassik- und Jazz-Ausbildung am renommierten Berklee College of Music in Boston.
Sein Spiel, seine Arrangements und seine Kompositionen sind gekennzeichnet von genreübergreifenden Elementen: Er ist zwar im Jazz zuhause, aber Klassik, Minimal Music, Tango und Indie-Rock sind wichtige musikalische Energiequellen.

Sein Anschlag ist präzise, im forte wie im pianissimo, er ist zuweilen leicht, selten wirklich hart und im Ton überwiegend warm. Das liegt nicht allein am Klang des Steinway-Flügels auf dem er seine erste Solo-CD eingespielt hat „Piano Solo“.
Schon nach den ersten Stücken des Albums ist der Hörer in der klanglichen Welt Galls aus Impressionismus (My Waltz), romantischen Passagen (Yorke’s Guitar), minimalistischer bis bluesiger Ruhe (Empty, Pale Blue Paper) und expressiven, zuweilen südamerikanischem Temperament (Boedo).

altDie Solo-CD ist der pure Genuss und die Spielfreude, einmal allein und nicht im Duo oder Trio zu spielen, ist dem Pianisten anzumerken. Das von Label und Kritik bereits im Vorfeld der Release in dieser Woche herausgehobene Stück „Yorke’s Guitar“ gehört nicht wirklich zu meinen Favoriten. Es bedient eher den Standard und eine wohlklingende Gefälligkeit aus „déjà entendu“. Möglicherweise verständlich, wenn sich Gall auf einen gewissen "Pete" Yorke bezieht und dessen hypnotisierenden Gitarrenklang. Ich kenne zumindest keinen Gitaristen/Sänger des Namens, lediglich andere Instrumentalisten, die sich so rufen lassen...
Herausgehoben gehört vielmehr „Empty, Pale Blue Paper“. Der Klangteppich, den der Pianist hier anbietet steht für seine Fähigkeiten aus einem einfachen Stück eine immense Vielseitigkeit und Variabilität herauszuholen. Das entstandene Konzentrat ist minimal, intensiv, jazzig, innig und expressiv zugleich. Das blasse Stück Papier wird von Gall beschrieben und zu einem hervorragenden Stück Kunst.

Chris Gall steht aber auch dafür, europäisch zu sein. Vielleicht ist er in seinen meisten Eigenkompositionen am weitesten entfernt von der amerikanischen Auffassung des Jazz und nahe an den europäischen Komponisten der Moderne und des Minimal.

„Boedo, Cuarto dia“ ist eine Reminiszenz an das Arbeiterviertel in Buenos Aires und entstand während seiner Tour-Begleitung für das Weltmusik- und Jazz-Quartett „Quadro Nuevo“. Die vier Tage in Argentiniens Hauptstadt hatten es wohl auch schöpferisch in sich. Es ist ein fließendes Stück von etwas mehr als zwei Minuten. Schon früher widmeten Tango-Komponisten dem Viertel, in dem eine der bekanntesten Literatengruppen der 1920er-Jahre agierte, viele Lieder.
„Forró“ ist der Name eines äußerst beliebten brasilianischen Musik- und Tanzstils. Auch die Tanzfeste, bei denen diese Musik gespielt wird, werden als Forró bezeichnet. Chris Gall fasziniert die Leichtigkeit dieser Musik, deren Feste die ganze Nacht dauern können. Diese “lebensfrohe Wucht“ (Gall) überträgt sich in seiner Komposition.
„A Roundabout’s Diary“ ist der Kreisverkehr unserer Zeit mit Wiederholungen, die im Detail keine identischen sind.
Nicht nur der klassischen Musik von Claude Debussy auch der Hommage ist viel Platz gewidmet: Yann Tiersens Filmtitelmelodie „La Valse a’Amélie“ ist eine Widmung an Amélie Poulain (aus dem Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“), sie ist schwebend – gar eine Liebeserklärung. Für den New Yorker Jazz-Pianisten Jason Moran ist ein eigenes, gleichnamiges Stück auf der CD zu finden sowie für den bereits erwähnten – who ever it is – "Pete" Yorke.

Chris Gall Piano Solo
Label: GLM Music, München / Edition Collage
4014063156129

Tourdaten
Video: Chris Gall Piano Solo – „Empty, Pale Blue Paper"
Video BR Klassik: Jazzpianist Chris Gall präsentiert live im U21-Studio sein neues Album "Piano Solo" und "Forró"


Abbildungsnachweis:
Header: Chris Gall. Foto: Mike Meyer
CD-Cover

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

avatar Chris Gall
+8
 
 
Lieber Claus Friede,
herzlichen Dank für den tollen Beitrag! Das Rätsel um den mysteriösen Peter Yorke möchte ich aber noch gern auflösen: natürlich handelt es sich um den Radiohead-Sänger und Gitarristen Thom Yorke!
Wie sich der Name "Pete" in den eigenen Liner Notes - Freud lässt grüßen - nach all dem Korrekturlesen bis zum Druck fälschlicherweise behaupten konnte ist mir selbst ein Rätsel... Google wird sich mittlerweile wahrscheinlich auch schon wundern;)
Viele Grüße, Chris Gall
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Kolumne > CDs JazzMe > Chris Gall – Piano Solo

Mehr auf KulturPort.De

Kopf-Hörer 18
 Kopf-Hörer 18



Alexander M. Wagner ist 22 Jahre jung. Er brilliert bei TYXart mit Tschaikowskys b-Moll-Klavierkonzert und präsentiert seine eigene zweite Symphonie. Außerdem  [ ... ]



Andreas Brandhorst: „Das Erwachen“ – Maschinenintelligenz außer Kontrolle
 Andreas Brandhorst: „Das Erwachen“ – Maschinenintelligenz außer Kontrolle



Dieser Thriller hat es in sich. „Das Erwachen“ bestätigt all unsere Ängste und Befürchtungen: Maschinenintelligenz (MI) bemächtigt sich der Künstlichen  [ ... ]



All Johr Wedder – Schöne Bescherungen im Ohnsorg Theater
 All Johr Wedder – Schöne Bescherungen im Ohnsorg Theater



Oje, du Fröhliche! Das Ohnsorg Theater stimmt mit „All Johr wedder“, der plattdeutschen Fassung von Alan Ayckbourns „Schöne Bescherungen“, auf die Weih [ ... ]



add art 2017 – von der Wirkung von Kunst in Unternehmen
 add art 2017 – von der Wirkung von Kunst in Unternehmen



Seit dem Jahr 2013 findet die „add art“ in Hamburg statt und seit jenem Jahr nehmen unterschiedliche Unternehmen der Hansestadt daran teil, ihre Türen für  [ ... ]



Weihnachtsoratorium vom Ensemble Resonanz: Frohlocken unter Freunden
 Weihnachtsoratorium vom Ensemble Resonanz: Frohlocken unter Freunden



Seit 2014 spielt das Ensemble Resonanz jedes Jahr seine ganz eigene Fassung von Bachs „Weihnachtsoratorium“ im Resonanzraum im Bunker an der Feldstraße in H [ ... ]



„Die Geburt des Kunstmarktes. Rembrandt, Ruisdael, van Goyen und die Künstler des Goldenen Zeitalters“
 „Die Geburt des Kunstmarktes. Rembrandt, Ruisdael, van Goyen und die Künstler des Goldenen Zeitalters“



Reproduktionen und Variationen sind keine Erfindung der Moderne. Wie „Die Geburt des Kunstmarktes“ im Bucerius Kunst Forum zeigt, gingen schon „Rembrandt,  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.