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Tadeusz Dąbrowski: „Eine Liebe in New York“. Rasante Reise durch eine Amour Fou

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Mittwoch, den 29. Mai 2019 um 08:02 Uhr
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Tadeusz Dabrowski Eine Liebe in New York. Rasante Reise durch eine Amour Fou

Tadeusz Dąbrowski ist von Haus aus Lyriker. Bisher hat der polnische Autor sechs Gedichtbände, die in zwanzig Sprachen übersetzt wurden, veröffentlicht. Auf Deutsch erschienen „Schwarzes Quadrat auf schwarzem Grund“ (2010) und „Die Bäume spielen Wald“ (2014).
Jetzt hat der renommierte polnische Autor seinen ersten Roman veröffentlicht: „Eine Liebe in New York“ (Verlag Schöffling & Co.). Übersetzt hat diesen Roman die mehrfach preisgekrönte Übersetzerin Renate Schmidgall. Beides ist ein Glücksfall für die Gegenwartsliteratur.

Tadeusz Dabrowski: Eine Liebe in New York. BuchumschlagIn „Eine Liebe in New York“ ist Tadeusz Dąbrowski Autor, Erzähler und Romanheld in einem. „Tad“ befindet sich in New York auf Lesereise, um seinen Gedichtband „Schwarzes Quadrat auf schwarzem Grund“ zu vermarkten. Kaum angekommen in New York, beginnt die fulminante Reise einer Amour Fou. Rein zufällig lernt der Tad die Architektin Megan in der Metro kennen: „Sie war etwas über zwanzig und hatte so intensiv blaue Augen, dass ich sie in einem Film oder auf einem Foto für den reinsten Kitsch gehalten hätte […]“ (S. 6). Megan lebt in New York, interessiert sich für moderne Kunst und ist als typische Amerikanerin blond, jung und oberflächlich. So jedenfalls erscheint es dem polnischen Dichter, mit dem Megan ein paar leidenschaftliche Nächte verbringt. Doch dann muss der Dichter abreisen und es herrscht Sendepause, jedenfalls von Megans Seite. Tad jedoch hat ein ziemlich großes Problem damit, dass Megan sich nach seiner Abreise nicht meldet und auch per Handy nicht erreichbar ist. Er ist verzweifelt, ruhelos, rastlos: „Eine Woche verging, ein Jahr verging. […]. Und das Jahr war wie ein Wechsel des Bühnenbildes von Winter auf Winter, den italienischen Winter ersetzte der Berliner Winter.“ (S. 49)

Ein Buch, das sie ihm zum Abschied geschenkt hat, ist alles, was Tad von Megan bleibt. Darin steht eine Geschichte, die sich wie ein Spiegel der eigenen, wenig greifbaren Begegnung inmitten der New Yorker Großstadtkulisse liest. Megans Buch heißt „Es ist, wie's ist“. Doch was ist schon, wie es ist? Wenig greifbar scheint es zu sein, das wirkliche Leben. Genauso wenig wie diese (un)wirkliche Liebe in New York es ist. Was jedoch für den Leser durchaus greifbar ist, ist die Liebe dieses Dichters zur poetischen Sprache. Dass dessen eigentliche Berufung das Dichten ist, spürt der Leser auf jeder Seite des Romans – sei die Suche nach der Liebe auch noch so rasant auf der Jagd nach Megan durch Manhattan und Brooklyn. Was für stimmige Bilder, was für treffliche Formulierungen kann dieser Autor finden. Ein kleines, feines Beispiel: „Eine Woche und ein Jahr. Eine Woche Blut und ein Jahr Papier eine Rolle Verband. Oder ein Jahr Schmerz und eine Woche Sammeln von Notizen, Zetteln, mit Reißzwecken an den eigenen Körper gepinnt […] (S. 50).

Tadeusz Dąbrowski wirft in diesem Roman ganz nebenbei – wie nebensächlich - humorvoll-kritische Blicke auf das heutige Amerika, auf die Gesellschaft und letztlich auch auf uns Leser. Zudem gewährt er Einblicke in das Leben eines Autors (auf Lesereise): „Eine Autorenlesung ist eine verdammt verdächtige Sache; der Schriftsteller schreibt, um sich zu verhüllen, sich hinter dem eigenen Text zu verbergen, von den Menschen abzugrenzen […]. Ganz im Ernst: Stellt euch ein Puppentheater vor, in dem der Schauspieler seine Puppe verdeckt – genau das empfinde ich, wenn ich den Leuten Gedichte vorlese. […] (S. 15).“

Über die Liebe schreibt er in diesem Roman vieles, unter anderem auch dies: „Du kamst, trafst und gabst vor, dich verliebt zu haben, oder vielleicht warst du`s auch, denn wenn du liebst, spielst du auch immer ein bisschen das Lieben, das ungewollt am Stamm der großen Liebe wuchert, von dem die Rinde abgeht […] (S. 83). Dieses Spiel um die Liebe wird in diesem Roman versinnbildlicht durch die Suche nach Megan, durch die Suche nach der unerklärlichen, vielleicht unerfüllten Liebe im Labyrinth der Großstadt New York. Schlicht gesagt: „Eine Liebe in New York“ ist das gelungene Romandebüt eines großen zeitgenössischen Dichters.

Tadeusz Dąbrowski, Eine Liebe in New York

Roman. Aus dem Polnischen von Renate Schmidgall
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2019
Gebunden, 144 Seiten
ISBN 9783895614675


Abbildungsnachweis:
Headerfoto Claus Friede,
Buchumschlag Schöffiung und Co. Verlag
 

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