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Vom 30. Juni bis 2. Juli 2026 findet in der lettischen Hauptstadt Riga der 2. Internationale Kongress zum Thema Transkulturelle Studien statt. Die als Gemeinschaftsprojekt dreier europäischer Universitäten – der Lettischen Kulturakademie in Riga, der italienischen Universität von Macerata und der Katholischen Universität Löwen in Belgien – koordinierte Forschungsinitiative folgt auf den 2025 an der Universität Macerata ausgetragenen 1. Internationalen Kongress für Transkulturelle Studien. Dieses Jahr widmet sich der Kongress dem Thema Geben und Nehmen: Transdisziplinäre Räume der kohäsiven Vernetzung von glokaler Geschichte bis hin zu Digitalisierungskonzepten, Augmented-Reality- und KI-Technologien.

 

Inspiriert an der neuesten Publikation Die Welt als Gewebe (2025) des zuletzt an der Universität Jena tätigen und in Berlin lebenden deutschen Philosophen Wolfgang Welsch – bekannt als Begründer des postmodernen Konzepts der Transkulturalität – beabsichtigt der Kongress, die von Welsch beschriebene „Netzwerk-Euphorie“ ebenso kritisch wie innovationsorientiert zu hinterfragen. In persönlicher Anwesenheit von Wolfgang Welsch sowie rund dreißig weiteren Sprechern – darunter Kultur-, Literatur-, Film-, Erziehungs- und Musikwissenschaftler sowie Kunsttherapeuten, Semiologen und der US-amerikanische Künstler deutscher Herkunft Till Nowak, der u.a. die Lebenswelten für Francis Ford Coppolas letzten großen Film Megalopolis (2024) geschaffen hat – sollen Welschs speziell auf die Künste angewandte transkulturelle Phänomenologie und die von ihm bereits zu Beginn der 1990er Jahre eingeführte Netz-Metapher aufgegriffen und auf die analogen sowie digitalen Wirklichkeitsauffassungen in verschiedensten Bereichen von Kunst, Kultur, Literatur und Bildung angewandt werden.

 

Angesichts der offensichtlichen Analogie zwischen Welschs theoretischem Konzept der Netz-Terminologie und der weltweit fortschreitenden Digitalisierung von Kulturen, Kommunikationswegen und Gesellschaften folgt der Kongress Welschs Ansatz mit Blick auf die künstlerische Praxis, die Kreativwirtschaft und die Weiterentwicklung der Transkulturellen Studien im digitalen Zeitalter, um dessen Parameter progressiv auszubauen. Gerade das „Geflecht“ von Transkulturalität, Internet und Kunst bietet derzeit vielseitige und neuartige transdisziplinäre Möglichkeiten sowohl für Lehrkräftefortbildungen, didaktische Methoden und pädagogische Ansätze als auch für die durch Postmigration entstandenen und sich unentwegt auf sozialer wie technischer Ebene neu konstituierenden „dritten Räume“ und postkolonialen Schmelztiegel.

 

An der Schwelle zu einer neuen Ära nomadischer Mobilität, hochspezialisierter medialer Möglichkeiten und zunehmender föderalistischer Verlagerungen und transnationalen Vernetzungen muss das von Welsch beschriebene, gewebeartige – das heißt, kohäsive – menschliche Paradigma neu kodiert bzw. kreativ „verwoben“ und verflochten werden, um eine konviviale und nachhaltige humane Zukunft zu gestalten. Durch Hervorhebung spezifischer transkultureller Verbindungslinien und Knotenpunkte soll das Prisma transkultureller Netzwerke nicht nur auf kulturwissenschaftlicher Ebene multiperspektivisch durchleuchtet werden. Vielmehr diskutiert der Kongress auch das kreative soziologische Potenzial eines transkulturellen Kosmopolitismus und die übergeordneten Ziele einer Bildung zur Weltbürgerschaft (Global Citizenship Education) im Rahmen eines gegenwärtigen „post-postmodernen“ Transkulturalismus, der im Zeichen eines kollektiven Gebens und Nehmens steht, wie es sich der Titel der Konferenz vornimmt. Die Konferenzsprache in Riga ist Englisch. Eine Publikation ist auf der digitalen Plattform des Wissenschaftsmagazins Transculturale geplant.

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