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Mit einer feierlichen Übergabezeremonie sind heute (Dienstag, 8. Februar 2022) acht iwi kūpuna (menschliche Überreste) aus dem Sammlungsbestand des Übersee-Museum Bremen an Vertreterinnen und Vertreter des Office of Hawaiian Affairs (OHA) der Vereinigten Staaten von Amerika (U.S.A.), Bundesstaat Hawai’i, zurückgegeben worden.

 

Edward Halealoha Ayau, Kalehua Caceres und Mana Caceres haben als Repräsentantin und Repräsentanten des Office of Hawaiian Affairs an der Übergabezeremonie im Übersee-Museum Bremen teilgenommen. Die hawaiische Delegation wurde vom Generalkonsul der USA aus Hamburg, Darion Akins, begleitet. Die Freie Hansestadt Bremen war vertreten durch den Präsidenten des Senats, Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte, das Übersee-Museum Bremen durch Direktorin Prof. Dr. Wiebke Ahrndt sowie durch den Leiter der Abteilung Naturkunde, Dr. Michael Stiller.

 

Das OHA hatte sich am 5. August 2019 mit einem Rückgabegesuch an das Übersee-Museum Bremen gewandt. Dieses hat daraufhin gemeinsam mit dem Senator für Kultur und dem OHA, gefördert durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste, die Angelegenheit im Rahmen der zugänglichen Quellen und auf Grundlage ethischer Standards umfassend erforscht und aufbereitet. Nach sorgfältiger Prüfung empfahl das Übersee-Museum dem Senat der Freien Hansestadt Bremen die Rückgabe der menschlichen Überreste. Dieser stimmte dem Gesuch in seiner Sitzung am 1. Februar 2022 zu.

 

„In den vergangenen Jahren hat sich in Europa ein ausgeprägtes Bewusstsein dafür ausgebildet, dass es insbesondere aus ethischen Gründen dringend geboten ist, eingehend zu untersuchen, unter welchen Umständen die Sammlungen von Museen entstanden sind. Ganz besonders gilt dies für die Sammlungen menschlicher Überreste. Die Bewertung, ob ein wissenschaftliches Interesse es rechtfertigen kann, menschliche Gebeine aus einer anderen Kultur nach Deutschland zu bringen, um sie dort zu präsentieren und zu erforschen, stellt sich heute grundsätzlich anders dar als zu Zeiten des Kolonialismus. Auch Fragen nach der Legitimität dieses vermeintlichen Eigentums werden heute glücklicherweise anders beantwortet. Und deshalb haben wir die Verantwortung, die moralische Pflicht und die historische Chance, das begangene Unrecht zu beenden. Wiedergutmachen lässt es sich nicht.

 

Wir können Sie nur aufrichtig um Verzeihung bitten und Reue zeigen für das, was Ihrem Volk und Ihren Vorfahren angetan wurde“, sagte Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte an die Delegation aus Hawai’i gerichtet.

 

Die Provenienz-Forschung hat in diesem Fall ergeben, dass die menschlichen Überreste aus unterschiedlichen Quellen dem Übersee-Museum zugeführt wurden. Demnach wurden dem Museum 1934 zwei der menschlichen Überreste von Kurt-Felix (auch Kurd-Felix) Franke bzw. 1865 von Hermann von Eelking überlassen. Für zwei weitere menschliche Überreste wird Prof. Hugo Schauinsland, Gründungsdirektor des Übersee Museums, als Einlieferer angegeben und das Einlieferungsdatum auf 1897 geschätzt.

 

Für die übrigen vier fehlen diese Angaben gänzlich. Anhaltspunkte für eine genauere geographische Zuordnung bietet bei mindestens fünf der menschlichen Überreste die Beschriftung. Dieser zufolge sollen vier der iwi kūpuna von Kaua’i und einer von Moloka’i stammen. Auf welchen Quellen diese Herkunftsangaben beruhen, ließ sich im Rahmen der Recherche allerdings nicht nachvollziehen. Bei zwei weiteren menschlichen Überresten kann aufgrund der Quellen eventuell eine Herkunft von der Insel Hawai‘i (Big Island) in Betracht gezogen werden.

 

„Im zurückliegenden Jahrzehnt hat sich unter Museumsfachleuten und Anthropologen viel verändert, was ein besseres Verständnis für die indigenen Völker und die an uns begangenen Ungerechtigkeiten der Vergangenheit verdeutlicht. Wir erkennen dies natürlich an und begrüßen die Re-Humanisierung dieser Personen und Institutionen", sagte die OHA-Vorstandsvorsitzende Carmen ‚Hulu‘ Lindsey. „Heute ermöglichen uns diese Aktionen, nicht nur als Individuen, sondern als lāhui (hawaiische Nation) zu heilen."

 

Die heutige Veranstaltung ist Teil einer großen Initiative des OHA und der hawaiischen cultural pracitioners zur Rückführung von iwi kūpuna aus internationalen Sammlungen. Auf dieser Reise wird die hawaiische Delegation 58 iwi kūpuna, die vor über einem Jahrhundert aus Hawaiʻi entwendet wurden, aus vier verschiedenen Institutionen in Deutschland und einer in Österreich zurückbringen. Die hawaiische Delegation wird von Edward Halealoha Ayau angeführt, der sich seit mehr als 30 Jahren als ehemaliger Vorstand von Hui Mālama I Nā Kūpuna O Hawai'i Nei (Gruppe, die sich um die hawai'ischen Ahnen kümmert) für die Rückführung von iwi kūpuna (hawaiische Gebeine), moepū (Grabbeigaben) und mea kapu (heilige Gegenstände) einsetzt. Er arbeitet weiterhin ehrenamtlich für das OHA an der internationalen Rückführung.

 

„Heute ist es aus ethischen Gründen nicht länger gerechtfertigt, die menschlichen Überreste weiterhin in unserer Sammlung zu verwahren. Generell sind derartige sensible Ankäufe mit unbekannter Provenienz für uns ausgeschlossen", betont Prof. Dr. Wiebke Ahrndt und versichert: „Für die Fehler unserer Vorgänger*innen stehen wir in der Verantwortung. Es ist unsere Aufgabe unseren Teil dazu beizutragen, vergangenes Unrecht zu korrigieren.“

 

Unter der Leitung von Prof. Dr. Ahrndt wurden vom Deutschen Museumsbund Empfehlungen zum Umgang mit menschlichen Überresten in Museen und Sammlungen verfasst. Mit der Rückführung folgt der Senat den 2019 beschlossenen "Ersten Eckpunkte" zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten. Darin erklären die Kulturministerinnen und -minister der Länder, Vertreterinnen und Vertreter des Bundes und der kommunalen Spitzenverbände die generelle Bereitschaft zur Rückführung von Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten, insbesondere von menschlichen Überresten, in die Herkunftsstaaten und Herkunftsgesellschaften.

 

Quelle: Übersee-Museum Bremen

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