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Feierliche Stimmung mit Blick auf die Elbe: Am 1. November traf sich die Hamburger Theaterwelt im Opernloft im Alten Fährterminal, um den wichtigsten Theaterpreis der Stadt zu verleihen, den Theaterpreis Hamburg – Rolf Mares. Seit 2006 werden damit jährlich Künstler*innen aus den unterschiedlichsten Bereichen für ihre herausragenden Leistungen in der vergangenen Spielzeit ausgezeichnet.
 
Nachdem die Verleihung im letzten Jahr aufgrund der Pandemie nicht stattfinden konnte, ging die festliche Gala dieses Jahr im Opernloft mit rund 250 geladenen Gästen über die Bühne. Moderiert wurde der Abend von Michel Abdollahi, das Ensemble des Opernlofts sorgte für abwechslungsreiche musikalische Einlagen. Die Staatsrätin der Behörde für Kultur und Medien, Jana Schiedek sprach ein Grußwort.
 
Die Highlights der Preisverleihung werden am 2. November um 19 Uhr als Stream auf der Webseite des Theaterpreises veröffentlicht. Damit wird die Verleihung erstmals einem größeren Publikum zugänglich gemacht.
 
In vier unterschiedlichen Kategorien wurden insgesamt acht Preisträger*innen ausgezeichnet. Jeder Preis ist mit 1000 Euro dotiert. Zusätzlich erhalten alle Preisträger*innen einen personalisierten Montblanc-Füller. Um den besonderen Umständen der Pandemie und der damit verbundenen fast eineinhalbjährigen Schließung der Theater Rechnung zu tragen, wurden in diesem Jahr auch herausragende digitale Inszenierungen ausgezeichnet.
 
Helge Schmidt erhielt den Preis für die eindrucksvolle und künstlerische Umsetzung seiner Inszenierung „Tax for free“ am LICHTHOF Theater, die den abstrakt-absurden Dreiecks-Aktienhandel „CumEx“ mit Kleists „Michael Kohlhaas“ verknüpft. Die Jury hat besonders überzeugt, wie dieser Stoff der politischen Weltbühne auf kleinstem Raum komprimiert und damit einfach und wirkungsvoll das Thema Gerechtigkeit auf die Bühne gebracht wurde. Entstanden ist die Inszenierung im Rahmen des innovativen Formates #lichthof_lab, das digitale Bühne, Streaming-Plattform und Experimentierraum zugleich ist.
 
David Bösch, Patrick Bannwart und Falko Herold bekamen die Auszeichnung für ihr filmisches Gesamtkunstwerk „WEISSE ROSE“ an der Staatsoper Hamburg, das als faszinierender medialer Mix aus erschütterndem Musikdrama, puristischem überzeugendem Bühnenbild und Kostümen (Patrick Bannwart), wunderbar handgezeichneter Animation (Falko Herold) und sensibler Filmkunst (Kamera: Matthias Wittkuhn) beeindruckte. Frei von einer realistischen Handlung verdeutlicht das Werk die Gefühle, Erinnerungen und Zweifel der beiden Widerstandskämpfer*innen Sophie und Hans Scholl gegen das NS-Regime in den letzten Stunden vor ihrer Hinrichtung. „Der Film kreierte eine Mehrdimensionalität und Dichte, die auf einer analogen Bühne so gar nicht hätte entstehen können“, urteilt die Jury.
 
In der Kategorie Herausragender Darsteller wurde Thomas Niehaus vom Ensemble des Thalia Theaters für seine Rolle des Ingwer Feddersen im Stück „Mittagsstunde“ ausgezeichnet. Die Jury würdigte den mühelosen Wechsel zwischen distanziertem Erzähler, Sänger, Multi-Instrumentalist und Darsteller des „Ingwer“ in mehreren Zeitebenen. In der Jurybegründung heißt es: „Dieser Ingwer ist gutmütig, sympathisch-stoffelig, humorvoll und dabei zutiefst melancholisch – wie überhaupt die gesamte Geschichte, die auf der Bühne erzählt wird. Ein wunderbarer Abend und eine herausragende Leistung von Thomas Niehaus.“
 
Die Auszeichnung in der Kategorie Herausragende Darstellerin ging an Ines Nieri für ihre vielseitige, temperamentvolle und intensive Verkörperung von gleich vier Rollen in Erik Schäfflers Inszenierung „Tyll“ (nach dem Roman von Daniel Kehlmann) am Ernst Deutsch Theater. „Eine große Bandbreite in einer von Lebenslust überbordenden Inszenierung mit Tanz, Akrobatik und Musik und ein neuer Höhepunkt in der beachtlichen Karriere der jungen Schauspielerin, die schon als Kind und Jugendliche in Film und Fernsehen auf sich aufmerksam machte“, so die Jury.
 
In der Kategorie Herausragende Darstellerin wurde ein weiterer Preis vergeben: Eva Mattes erhielt die Auszeichnung für ihre magische, verführerische und verzaubernde Darstellung der Kirke in der Uraufführung von Elfriede Jelineks Theaterstück zur Pandemie „Lärm. Blindes Sehen, Blinde Sehen!“ am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Die Jury zeigte sich beeindruckt von ihrer mitreißenden Spiellust und ihrem unvergleichlich eigenen Tempo und Timbre: „Ganz Eva Mattes, ganz großes Theater in dieser grandiosen Kakophonie des Coronageschwätzes am Schauspielhaus.“
 
Mit dem Sonderpreis wurde in diesem Jahr die Behörde für Kultur und Medien ausgezeichnet, welche die Hamburger Theater auch in der schwierigen Zeit der Corona-bedingten Schließungen durchgehend unterstützt und in einzigartiger Weise die Not der Theater abgefedert hat. „Hamburg hat dafür viel Geld in die Hand genommen, es wurde unbürokratisch gehandelt, dazu gab es Beratung in jeder Lage, zu jeder Zeit, und immer auch vom Senator Dr. Carsten Brosda selbst. Die Theater in Hamburg fühlten sich verstanden und sehr gut aufgehoben“, begründet die Jury. Der Sonderpreis war in diesem Jahr nicht dotiert.
 
Zusätzlich zu den Preisträger*innen der Spielzeit 2020/21 wurde die Ehrung der bereits bekannten Preisträger*innen aus der Spielzeit 2019/20 nachgeholt, um auch diese im Rahmen einer feierlichen Veranstaltungen zu würdigen.
 
Ein gelungener Abend, der die Hamburger Theaterwelt in ihrer herausragenden Vielfalt und Leistung gefeiert und gleichzeitig eindrucksvoll verdeutlicht hat, dass sich die Kulturstadt Hamburg selbst in schwierigen Zeiten kulturell nicht unterkriegen lässt, sondern mit viel Kreativität, neuen Formaten und gelebter Solidarität reagiert.

Quelle: Christoph O. Hofbauer, Kulturkommunikation

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