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Er ist ein radikaler Filmemacher, euphorisch gefeiert oder entschieden abgelehnt, doch niemandem egal: In diesem Jahr vergibt FILMFEST HAMBURG den Douglas Sirk Preis an den heimlichen Superstar des französischen Kinos, Leos Carax. Die Preisverleihung findet am Samstag, den 2. Oktober, anlässlich der Deutschlandpremiere seines neuen Films Annette (Frankreich, Belgien, Deutschland, USA, Japan, Mexiko, Schweiz 2021) im CinemaxX Dammtor statt. 

 

Nach neun Jahren hat Leos Carax einen neuen Wurf gelandet: Das Musical und Melodram über eine Liebe, das Showbusiness und einen Kinderstar ist ein Kinoereignis, exzessiv und ergreifend. Darin verkörpern Adam Driver und Marion Cotillard ein glamouröses Paar in Los Angeles – Henry als exzentrischer Stand-up-Comedian mit Hang zum Kontrollverlust und Ann als renommierte Operndiva, die vom Publikum verehrt wird. Dann wird ihr erstes Kind geboren – Annette, ein geheimnisvolles Mädchen mit einer außergewöhnlichen Begabung, das das Leben von Henry und Ann verändern wird.

Annette ist die erste englischsprachige Regiearbeit von Leos Carax und eröffnete die diesjährigen Internationalen Filmfestspiele von Cannes. Dort lag ihm das Publikum zu Füßen, Carax gewann den Regie-Preis. In Hamburg wird er nun für seine Verdienste um die Filmkultur mit dem Douglas Sirk Preis ausgezeichnet.

 

Bei der Verleihung des Ehren-Leoparden 2012 in Locarno sagte Carax, dass er als Kind nichts als reisen wollte. »Dann entdeckte ich den Film. Ich verstand, dass es genügt, ins Dunkel des Kinos abzutauchen, um die ganze Welt kennenzulernen.«

 

Geboren 1960 als Alexandre Oscar Dupont in Suresnes bei Paris, Vater Franzose, Mutter Amerikanerin, schrieb er unter der Leitung des legendären Serge Daney Kritiken für die »Cahiers du Cinéma« und war Stammgast der Pariser Cinémathèque. Dort sah und brachte er sich alles bei, was er für seine spätere Arbeit brauchte. Eine Filmhochschule hat er nie besucht.

 

Seine Karriere als Regisseur ist geprägt von Höhen und Tiefen. Mit seinen ersten beiden Langfilmen Boy Meets Girl (1984) und Die Nacht ist jung (1986) etablierte sich Leos Carax und galt als das größte Talent des französischen Kinos. Er gehörte neben Luc Besson und Jean-Jacques Beineix der Generation französischer Filmemacher an, die durch eine auffallend künstliche, stilisierte Inszenierung das »Cinéma du look« prägten. Nach seinem Welterfolg von Die Liebenden von Pont-Neuf (1991) folgte Ende der 1990er-Jahre der Absturz. Die Melville-Verfilmung Pola X (1999) war ein Flop, das einstige Wunderkind Carax abgemeldet. Erst 13 Jahre später folgte sein nächster Langfilm. Mit Holy Motors (2012) meldete er sich eindrucksvoll zurück und schuf einen der prägenden Filme des Jahrzehnts. Holy Motors ist Carax‘ wütende Abrechnung mit dem Stumpfsinn der Unterhaltungsindustrie und gleichzeitig eine tiefe Verbeugung vor dem Kino, wie es einmal war. Der Film enthält auch eine von Kylie Minogue gesungene Szene – sie wirkt wie ein Vorgriff auf das lang ersehnte Musical Annette, das nun endlich realisiert wurde und in Hamburg seine Deutschlandpremiere feiert.

 

Der Douglas Sirk Preis, benannt nach dem in Hamburg als Detlef Sierck geborenen Regisseur, ist die renommierteste Auszeichnung von FILMFEST HAMBURG und seit 1995 fester Bestandteil des Festivals. Er wird stets an eine Persönlichkeit verliehen, die sich durch ihre Arbeit um die Filmkultur und Filmbranche verdient gemacht hat. Zu den weiteren Preisträger·innen der vergangenen Jahre gehören Nina Hoss (2019), Jafar Panahi (2018), Wim Wenders (2017), Catherine Deneuve (2015), Fatih Akin (2014), Tilda Swinton (2013) und Kim Ki-duk (2012).

 

FILMFEST HAMBURG findet vom 30. September bis 9. Oktober 2021 statt. Gezeigt werden rund 100 Produktionen aus aller Welt als Europa-, Deutschland- oder Hamburg-Premieren. Festivalkinos sind das Abaton, CinemaxX Dammtor, Metropolis, Passage und das Studio-Kino. Das komplette Programm wird am 14. September bekannt gegeben, der Vorverkauf startet am 16. September.

 

Quelle: Filmfest Hamburg gGmbH

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