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Hamburger Architektur Sommer 2019

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Das 1978 gegründete Kieler Schifffahrtsmuseum in der historischen Fischauktionshalle ist eine der wichtigsten Museumseinrichtungen der Landeshauptstadt. Rund 65.000 Besucherinnen und Besucher haben dort bis Oktober 2019 die große Sonderausstellung zum 100. Jubiläum des Kieler Matrosenaufstandes gesehen. 
 
Nach Abschluss des Umbaus sollte eigentlich Mitte März die neue Dauerausstellung „Marine, Werften, Segelsport – die Geschichte der Hafenstadt Kiel“ eröffnet werden. Aufgrund der Corona-Pandemie musste dieser Termin verschoben werden – am 2. Juni öffnet die historische Fischhalle, Wall 65, nun endlich wieder ihre Türen. Gezeigt werden insgesamt rund 600 Exponate. Der Eintritt ist frei.
 
Kiels Bürgermeisterin und Kulturdezernentin Renate Treutel betont: „Stadtmuseum und Stadtgalerie haben vorgelegt, jetzt folgt endlich das Schifffahrtsmuseum. Das ist ein erfreulicher Schritt zur weiteren Öffnung unserer vielfältigen städtischen Kulturlandschaft. Ich wünsche allen Besucherinnen und Besuchern viel Freude beim Erkunden der nagelneuen Ausstellung zur maritimen Kieler Stadtgeschichte.“
 
Auf der rund 600 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche der Fischhalle sind in den vergangenen Monaten 300 laufende Meter Hängefläche für Gemälde und historische Fotos sowie 50 Vitrinen für maritime Objekte entstanden. Die moderne Ausstellungsarchitektur mit ihrem barrierefreien Stellwandsystem wurde entworfen von der Agentur Iglhaut + von Grote aus Berlin. 
 
Eine großzügige Freifläche in der Mitte der Halle schafft eine angenehme Empfangsatmosphäre und lädt ein, von hier ausgehend die in einzelne Themeninseln gegliederten Ausstellungseinheiten zu entdecken. Zugleich geht der Ausblick aus der Halle durch das große Panoramafenster bis aufs Wasser und auf den Hafen, so dass die inhaltlichen Bezüge von Kiels maritimer Gegenwart draußen und der Schifffahrtsgeschichte drinnen im Museum deutlich werden. 
 
Riesige Großfotos und ein freundliches Farbkonzept bilden erste Blickfänge und einleitende Textelemente führen die Museumsbesucherinnen und Museumsbesucher in die vier großen Themenbereiche der Ausstellung ein: die Marine, die Werften, den Segelsport und den zivilen Hafen. Beleuchtet werden diese Themen in ihrer Bedeutung für die Geschichte Kiels in den vergangenen 200 Jahren. 
 
Aufgrund der Corona-Auflagen wurde das Aufsichtspersonal im Museum verstärkt, um die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln besser kontrollieren zu können. Die Medienstationen wurden angepasst: Digitale Bildpräsentationen funktionieren ohne Berührungen, die Hörstationen und alle „Hands-On-Exponate“ wurden entfernt oder abgesperrt. 
 
 
Das zeigt die neue Ausstellung
Im Mittelpunkt des Rundgangs durch Kiels maritime Geschichte steht die seit 1865 hier ansässige Marine, die als Motor der Stadtentwicklung gilt. Von ihr abhängig waren stets die großen Schiffbaubetriebe, aber auch der Segelsport, der ebenfalls auf Marineaktivitäten zurückgeht. Die Entwicklung von Fischereiwirtschaft, Hafen und Schifffahrt wurde durch die Dominanz der Marine dagegen eher gedämpft. Der militärisch-industrielle Komplex von Rüstung und Marine bestimmte die Prozesse der Industrialisierung, Urbanisierung und Modernisierung der Stadt und prägte so die lokale Identität. 
 
Die einseitige Ausrichtung auf Marine und Kriegsschiffbau ließ Kiel einst im Glanz des Kaiserreiches aufblühen, brachte aber auch Krieg, Revolution und Krisen. Der militärische Schiffbau war der Grund für die schwere Stadtzerstörung im Zweiten Weltkrieg, dem nach 1945 ein mühsamer ziviler Neubeginn folgte. Immer wieder gab es auch Proteste gegen die Rüstungsindustrie – etwa visualisiert durch die in der Ausstellung gezeigten Werke des Kieler Malers Harald Duwe. Die Ausstellung erlaubt durchaus den kritischen Blick auf diese Seite von Kiels maritimer Geschichte. 
 
Durch die vier Themenbereiche Marine, Werften, Segelsport und Hafenstadt führt jeweils ein chronologischer Rundgang, der Durchgänge zu verschiedensten Sonderthemen in den umliegenden Kabinetten bietet. Ein Kabinett ist zum Beispiel der Kolonialgeschichte mit ihren ethnografischen Exponaten aus Ostasien oder der Südsee gewidmet, ein anderes den „Blauen Jungs“, die die deutsche Marinebegeisterung personifizieren und die zugleich Auslöser des Kieler Matrosenaufstands von 1918 waren. 
 
Die Kieler Werftengeschichte – angefangen vom Holzschiffbau bis zu modernen Tankern – wird ergänzt durch Themenkabinette, die etwa den Uboot-Bau sowie den Schiffbauboom der Wirtschaftswunderjahre dokumentieren sowie die weltweit beachteten nautischen Erfindungen aus Kiel wie Kreiselkompass und Echolot. Zur Geschichte der Hafenstadt, die auch immer touristischer Anziehungspunkt war, gehören auch der 1895 eingeweihte Nord-Ostsee-Kanal oder die Entwicklung der modernen Passagierschifffahrt mit den riesigen Skandinavienfähren und Kreuzfahrtschiffen wie dem Traumschiff „Deutschland“. 
 
Auch dem Fischfang und der Fischindustrie, deren Geschichte auf das alte Fischerdorf Ellerbek zurückgeht, ist ein Themenkabinett gewidmet. Zusätzlich werden kultur- und kunsthistorische Aspekte angesprochen wie die Entwicklung der Marinemalerei mit imposanten Schiffsdarstellungen und Seestücken oder die Idealisierung der Seefahrt vorindustrieller Zeit in einer eigens eingerichteten „Wunderkammer“. 
 
Alle Ausstellungsinhalte beruhen in ihrer Darstellung auf neuesten historischen oder kulturgeschichtlichen Forschungen, teilweise aus dem eigenen Haus. Jedes Exponat wird exakt in seinen geschichtlichen Kontext gestellt, wird erläutert und ergänzt durch zahlreiche Medienstationen. So vermitteln sich vielfältige Geschichten und Erzählstränge, die in der Zusammenschau der Ausstellung ein komplexes Bild von Kiels maritimer Geschichte bieten.  
 
 
Die Exponate
Im Mittelpunkt der Präsentation stehen die rund 800 historischen Exponate zur Kieler Seefahrtsgeschichte, auf die die Ausstellungsarchitektur die Besucherinnen und Besucher hinlenkt. Etliche Stücke gehören zu den immer wieder gezeigten Schätzen der Kieler Schifffahrtsgeschichte. Andere sind Neuerwerbungen der vergangenen Jahre und wurden nie zuvor präsentiert, zum Beispiel die ethnografischen Objekte der Kolonialgeschichte. 
 
Gut 60 große und kleinere filigran gearbeitete Schiffsmodelle unterschiedlichster Typen – Frachter, Passagierschiffe, Kreuzer, U-Boote oder Segeljachten – dokumentieren die verschiedenen Epochen der Seefahrtsgeschichte aus der Zeit der Großsegler, Dampfer und Motorschiffe. Gezeigt werden vor allem Schiffe, die in Kiel gebaut wurden oder hier bereedert waren. Sie werden ergänzt durch zwei Originalboote: ein Finn Dinghi von den olympischen Wettbewerben 1972 und ein über 200 Jahre alter Ellerbeker Fischerkahn. Auch das Wracksegment eines Klein-U-Bootes vom Typ „Seehund“ wird wieder zu sehen sein.  
 
Nautisches Gerät und andere maritime Antiquitäten – etwa Marine-Reservistika oder wertvolle Regattapokale der Kaiserzeit – sollen die Museumsbesucherinnen und Museumsbesucher ebenso faszinieren wie seemännisches Kunstgewerbe vom Buddelschiff bis zu den sogenannten Scrimshaws, den aus Wal- und Fischbein gefertigten Gegenständen. 
 
Eine andere wichtige Exponatgruppe sind die 70 teilweise sehr großformatigen Gemälde namhafter Marinemaler und anderer Künstler mit Kieler Motiven aus der eigenen Sammlung des Stadt- und Schifffahrtsmuseums. Hinzu kommen zahlreiche gerahmte Grafiken oder prägnante historische Plakate sowie mehrere hundert Fotoreproduktionen an den Wänden und in den Medienstationen, die die Originale inhaltlich ergänzen. Dazu zählt auch das „Kaiserpanorama“ mit seinen dreidimensional erscheinenden Stereoskopfotos aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. 
 
Viele museumspädagogische Angebote in Vorbereitung
Durch die neue Ausstellung sollen – sobald die Corona-Auflagen dies zulassen – regelmäßig Sonntagsführungen und Führungen für Gruppen nach Anmeldung angeboten werden. Zudem wird an weiteren begleitenden museumspädagogischen Elementen und Programmen gearbeitet. Auch ein mehrsprachiger Audioguide mit barrierefreien Angeboten für Sehbehinderte und in Leichter Sprache sowie ein Museumsführer in Buchform sollen aufgelegt werden. 
 
 
Museumsbrücke öffnet später
Die Museumsbrücke direkt am Schifffahrtsmuseum bleibt bis auf weiteres geschlossen, da an der Brücke aufgrund von Sturmschäden derzeit Reparaturen vorgenommen werden. Die historische Brausebude muss instandgesetzt werden. Das Museumsschiff „Hindenburg“ wird in den kommenden Wochen repariert und kehrt erst danach an die Museumsbrücke zurück. Auch das Museumsschiff „Bussard“ ist noch nicht für Besucherinnen und Besucher zugänglich, da der Betreiberverein die für den Saisonbetrieb nötigen Instandhaltungsarbeiten wegen der Corona-Einschränkungen noch nicht abschließen konnte. 
 

Marine, Werften, Segelsport – die Geschichte der Hafenstadt Kiel

ab 2. Juni 2020
Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum Fischhalle
Wall 65
24103 Kiel
 
Öffnungszeiten: 
dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr
Eintritt frei
 
Quelle: Landeshauptstadt Kiel, Pressereferat

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