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Vilnius und die Nutzung postindustrieller Gebäude als alternative Zentren für Kultur und Nachtleben

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Donnerstag, den 22. August 2019 um 08:30 Uhr
Vilnius und die Nutzung postindustrieller Gebäude als alternative Zentren für Kultur und Nachtleben 3.9 out of 5 based on 43 votes.
Vilnius Loftas

In den letzten Jahren haben viele osteuropäische Städte Projekte gestartet, um ehemalige Industriegebäude und bislang ungenutzte Flächen in Zentren städtischer Kultur und des Nachtlebens zu verwandeln. Indem die Stadt Vilnius Kultur und Nachtleben in Industriegebäuden aus Sowjetzeiten fördert, folgt sie dem Beispiel anderer Städte mit einer ähnlichen Vergangenheit, wie z.B. Berlin, Budapest und Warschau.
Nach einem Besuch in Vilnius lobt Lutz Leichsenring, Sprecher der Clubcommission Berlin und Gründer der globalen Nachtlebensinitiative VibeLab, die litauische Hauptstadt für ihre „faszinierende und kreative" Verwandlung ehemaliger Industriegebäude in alternative Zentren der Kultur und des Nachtlebens. Und der Nachtbürgermeister der litauischen Hauptstadt fügt hinzu, dass ausländische Besucher „immer beeindruckt" von den umgestalteten Flächen seien, die zum Kulturleben von Vilnius beitragen.

„Meiner Meinung nach wirken große Flächen und Gebäude aus dem Industriezeitalter mystisch und faszinierend auf Menschen, die ein Erlebnis wollen und nicht „nur“ zu einer Veranstaltung gehen möchten", sagte er. „Vilnius hat viel Kreativität bewiesen, indem es Gebäude, die unter einem repressiven Regime errichtet wurden, in faszinierende Orte für alternative Musik und Kunst verwandelt hat. Die Neugestaltung dieser Gebäude zeigt, dass die Hauptstadt Litauens auf einem guten Weg zu einer Identität als moderne und kreative Metropole ist."
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands hat sich Ost-Berlin als „Go-to"-Hauptstadt für Einheimische und Besucher etabliert, die die viel gefeierte Underground-Szene der Stadt erleben wollen. Am beliebtesten sind die legendären Techno-Clubs wie der Tresor oder das Berghain.
Leichsenring glaubt, dass die Nutzung von Gebäuden aus DDR-Zeiten in Ost-Berlin als alternative Kultur- und Nachtlebensorte ebenso viel Anziehungskraft hat wie die Veranstaltungen selbst. Er hat die Entwicklung Berlins in den 1990er Jahren selbst erlebt. Er führt die Attraktivität auf die neue Nutzung der alten Gebäude zurück, die als positives Symbol für den Wandel stehen und einen festen Beitrag zur Entwicklung des Nachtlebens der Stadt leisten.
Er verglich die Nutzung postindustrieller Gebäude in Vilnius als alternative Zentren des Nachtlebens mit der Entwicklung Berlins und nannte die Clubs Kablys, Peronas und Loftas als Beispiel.
Einst gehörte das Gebäude Elfa, dem größten Hersteller von Radiobauteilen in der Region. Loftas wurde nach der Schließung der Fabrik zu einem beliebten Nachtclub und zieht Disco-Gänger, Raver und Künstler aus aller Welt an. Hier findet seit 2012 jährlich das Loftas Fest , ein innerstädtisches Musikfestival, statt, dieses Jahr vom 13. bis 14. September.

Kablys, früher „Kulturpalast für Eisenbahner", ist heute der größte Techno-Club der Stadt und Veranstaltungsort für Konferenzen und Festivals. Es beherbergt auch eine Gastro-Bar, ein Hostel und einen Indoor-Skatepark.
Peronas befindet sich auf einem Bahnsteig des Bahnhofs von Vilnius, einem der letzten Beispiele der Architektur des sozialistischen Klassizismus in der Stadt. In einem stillgelegten Zugdepot neben den Bahngleisen gelegen, dient es gleichzeitig als Bar und Club mit Live Musik und hostet Veranstaltungen aus allen Genres, vom Live-Jazzquartett bis zur Drum'n'Bass-Party.
Der selbsternannte Nachtbürgermeister von Vilnius und ehemalige Stadtrat Mark Adam Harold schloss sich Leichsenring an und fügte hinzu: „Ausländische Künstler sind immer wieder beeindruckt von den umgebauten Räumen und der besonderen Atmosphäre dort, sei es in einer alten Gewerkschaftshalle, einer stillgelegten Fabrik oder in einem genutzten Bahnhof.“

„Diese Orte sind für kreative Menschen inspirierender als speziell errichtete Gebäude. Alte Bauwerke sind etwas Besonderes und ihr kulturelles Potenzial muss voll ausgeschöpft werden. Ich arbeite ständig daran, Leben in vergessene Ecken unserer Stadt zu bringen und Orte zu finden, an denen unsere kreativen Bürger ihre Arbeit zeigen können."
Vilnius' Beschäftigung mit der Vergangenheit beschränkt sich nicht nur auf den Bereich der alternativen Kultur und des Nachtlebens. Liebhaber der sowjetisch-modernistischen Architektur werden sich freuen zu erfahren, dass Führungen durch Fabijoniškės und Justiniškės angeboten werden, zwei Hochhausviertel, die während der Perestroika gebaut wurden, nachdem beide als Double für die Stadt Pripyat in der von Kritikern gelobten HBO-Serie Chernobyl zu sehen waren.

Wenn die Unterstützung durch Nightlife-Hotspots wie Berlin fortgesetzt wird, wird Vilnius zweifellos seinen Weg zur Entwicklung zu einem Party-Hotspot weiter gehen, v.a. für Disco-Gänger, die alternative Cluberlebnisse an neuartigen Orten suchen.

Go Vilnius

Go Vilnius ist die offizielle Tourismus- und Wirtschaftsförderungsagentur der Stadt Vilnius. Die Geschäftsstelle bietet Touristen, Investoren, ausländischen Fachkräften, Unternehmern und Firmen alle wichtigen Informationen über die litauische Hauptstadt. Go Vilnius informiert über alle möglichen Themen, von der Wohnungssuche bis hin zu Freizeitaktivitäten in Vilnius, um den Prozess der Reise, des Umzugs oder der Investition in Vilnius zu vereinfachen.
Weitere Informationen


Abbildungsnachweis:
Headerfoto: Loftas in Vilnius. © GO Vilnius

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