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Hamburg: Oberhafen-Kantine goes Art

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Sonntag, den 20. September 2009 um 17:11 Uhr
Weihung für ein mobiles Kunstwerk: Der Hamburger Kulturinvestor Klausmartin Kretschmer hat seine Oberhafen-Kantine in Originalgröße von Künstler Thorsten Passfeld nachbauen und das Kunstwerk von einem Pastor weihen lassen. Jetzt soll es als Botschafter für (regionale) Werterhaltung und Innovation um die Welt reisen.

Unverwüstlich steht die schräge Oberhafen-Kantine seit 1925 am Eingang zum Hamburger Oberhafen. Sie ist die einzige noch erhaltene Kaffeeklappe: Früher wurden hier die Hafenarbeiter mit Essen versorgt und noch heute genießen die Gäste einfache, aber qualitativ hochwertige Speisen aus regionalen Zutaten. Sie ist gewissermaßen der Vorläufer aller Coffeeshops und Burgerbuden. „Während die Original-Oberhafen-Kantine seit jeher Nahrung für den Körper bietet, bieten wir mit dem Nachbau als Kunstwerk Nahrung für Seele und Geist“, so Klausmartin Kretschmer. Das Kunstwerk wurde aus Holz von Abrisshäusern und Baustellen errichtet, um den Aspekt Nachhaltigkeit in den Blickpunkt zu stellen. Außerdem wurden beispielsweise die alten Fenster der Oberhafen-Kantine eingesetzt, und die Dämmung ist aus alten Weinkorken – ebenfalls ein nachhaltiger Werkstoff. Baumeister ist der Hamburger Künstler Thorsten Passfeld, der in den letzten Jahren bereits verschiedene Projekte dieser Art realisiert hat. Nicht nur von außen, sondern auch von innen sieht das Kunstwerk genauso aus wie die echte Oberhafen-Kantine und dank einer Hubkonstruktion kann es sogar genauso schief aufgebaut werden wie das Original. Das Gebäude kann innerhalb von drei Tagen auf- und wieder abgebaut werden und passt komplett in zwei Überseecontainer, sodass es mobil ist und überall auf der Welt Neugierige und Gäste empfangen kann.

Denn ab nächstem Jahr soll das Kunstwerk auf Weltreise gehen und zum Beispiel auf der Expo Shanghai, im Central Park und am Hyde Park Corner aufgestellt werden. Es wird dort als Botschafter für das stehen, was die OberhafenCity ausmacht: eine Atmosphäre der Nachhaltigkeit als Nährboden für kreative Milieus.

Bereits auf der 8. Internationalen Architekturbiennale Sao Paulo, die vom 31. Oktober bis 6 . Dezember 2009 stattfindet, ist Klausmartin Kretschmer mit dem Projekt „Der Hamburger Weg: Oberhafen-Kantine, Brandshof, Rote Flora“ vertreten. „Unser Kunstwerk dürfen wir in Sao Paulo aber nicht komplett aufbauen, weil es dort Probleme mit der Genehmigung gibt. Das ist zwar schade, aber leider nicht zu ändern“, so Kretschmer.

Die Weihung des Kunstwerks nahm am 20. September Frank-Michael Wessel, Pastor der Kirchengemeinde Eirene zu Hamburg-Langenhorn, vor. „Wir möchten mit dieser Weihung unserem Kunstwerk den nötigen Schutz für seine Reisen geben“, so Klausmartin Kretschmer. Die Sopranistin Julia Wachsmann präsentierte zu dem feierlichen Anlass die neue Oberhafen-Hymne „Een beten scheef hat gott leev “, eine Gemeinschaftsproduktion von ihr und dem Hamburger Komponisten Tim Haufe.

Über die Oberhafen-Kantine:
Seit 1925 steht die windschiefe Oberhafen-Kantine auf der Kaimauer in der Stockmeyerstraße auf dem Hamburger Hafengelände. Von 1925 bis 1997 wurde sie von Kultwirtin Anita Haendel betrieben. 2002 kaufte Kulturinvestor Klaus-Martin Kretschmer das Gebäude und begann 2005 mit der aufwendigen Sanierung. Seit Frühjahr 2008 wird die Oberhafen-Kantine von Thorsten Gillert bewirtschaftet, der daneben weiterhin auch als Küchenchef im Gourmetrestaurant „Artisan“ tätig ist. Schon in Jugendtagen hatte Gillert von Zeit zu Zeit in der Oberhafen-Kantine bei Anita mit am Herd gestanden. Die Küche der Oberhafen-Kantine hat täglich außer Montag von 12:00 bis 21:00 Uhr geöffnet. Die Speisekarte bietet traditionelle und preiswerte Gerichte in allerhöchster Qualität. Neben dem Gastraum unten mit circa 25 Sitzplätzen gibt es einen Klubraum für maximal 21 Personen, der für Veranstaltungen gemietet werden kann.

Über Thorsten Passfeld:
Der Künstler Thorsten Passfeld lebt und arbeitet in Hamburg. 2002 entstand sein erstes großes temporäres Werk im öffentlichen Raum, das 60 Quadratmeter große „Haus aus Holz“ in St. Pauli, das er aus Fundholz zusammenzimmerte. Der Abriss ist Teil des Werks. Dieses Konzept behielt Thorsten Passfeld bisher für alle seine Häuser bei: 2004 baute er das 130 Quadratmeter große „Hoftheater Vier Linden", in dem an zehn Tagen ein Theaterprogramm des Deutschen Schauspielhauses veranstaltet wurde. 2005 errichtete er in der Hamburger Hafencity die nur 15 Quadratmeter große Hafenkneipe „Zum Falschen Freund", die einen Monat lang betrieben wurde. Im Sommer 2007 entstand im Rahmen des Kunst- und Kultursommers der Internationalen Bauausstellung (IBA) das bisher größte Haus Passfelds im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg: Die 150 Quadratmeter große „Kirche des Guten Willens“.

Über Julia Wachsmann:
Neben zahlreichen Konzerttätigkeiten arbeitet die Hamburger Sopranistin Julia Wachsmann zurzeit an ihrer Promotion über die Kommunikation an sakralen Orten. Ihre Magisterarbeit schrieb sie über die „Semiotik der Oberhafen-Kantine.“ Aktuell ist sie in Fatih Akins neuem Film „Soul Kitchen“ zu sehen. Das Lied „Een beten scheef hat gott leev “ ist eine Gemeinschaftsproduktion von ihr und dem Komponisten Tim Haufe. Für die Oberhafen-Kantine singt sie außerdem den „Hamburger Weißwurst-Song“.

Quelle und weitere Informationen unter: www.oberhafenkantine-hamburg.de

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