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17. Filmfest Hamburg: Filme im Fokus "Pulsierende Metropolen"

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Dienstag, den 18. August 2009 um 16:45 Uhr
Vom 24. September bis zum 3. Oktober 2009 setzt das 17. Filmfest Hamburg seinen Fokus auf Filme zum Thema "Pulsierende Metropolen". Claus Friede, der Kurator des Fokus', sieht in der Auswahl der 12 internationalen Spiel- und Dokumentarfilme "Metropolen mit ungeheuren Gegensätzen. Die Filme sind soziale Kritiken, thematisieren radikale Überlebensstrategien, zeigen gewachsene urbane Traditionen und atemlose Hypermoderne." Für Filmfestleiter Albert Wiederspiel erzählen die Filme "aktuelle globale Entwicklungen und Veränderungen, die aus sehr unterschiedlichen Perspektiven urbanes Leben widerspiegeln, erschreckende Realitäten aufzeigen oder in gelassener Weise ihre Protagonisten durch die Stadt treiben lassen."

Das Programm des Fokus' "Pulsierende Metropolen" umfasst die Spielfilme "Al Ghaba (Demons of Cairo)" (2008) von Ahmed Atef, "Beirut, Open City" (2008) von Samir Habchi, "Black Dogs Barking" (2008) von Mehmet Bahadir Er und Maryna Gorbach, "Bombay Summer" (2009) von Joseph Mathew Varghese, "Burning Down the House: The Story of CBGB" (2009) von Mandy Stein, "Here and There" (2009) von Darko Lungulov, "Low Lights" (2009) von Ignas Mi˚kinis, Fatih Akins "Soul Kitchen" (2009) und "The Firm Land" (2008) von Chapour Haghighat sowie die Dokumentarfilme "A Virus in the City" (2008) von Cédric Venail, "Examined Life" (2008) von Astra Taylor und "Tehran Without Permission" (2009) von Sepideh Farsi.

Multi- und Subkulturen, Szenen und alternative Lebensformen in Metropolen gelten häufig als Gegenkultur zu den etablierten Strukturen und wirken als innovative Schrittbeschleuniger gesellschaftlicher sowie kultureller Entwicklungen. Sie entstehen immer dort, wo günstiger Wohn- und Arbeitsraum vorhanden ist, wo ethnische oder soziale Minderheiten leben und sich Viertel bilden, die sich von der Gesellschaft bewusst oder unbewusst abgrenzen. Auf diese Weise entstanden in Hamburg so unterschiedliche Quartiere wie das Schanzen-, das Karo- und das Portugiesenviertel sowie Ottensen, St. Pauli und St. Georg. Mit dem Schlagwort "Gentrification" werden heute diese gewollten und ungewollten Veränderungen definiert. Der Eröffnungsfilm von Filmfest Hamburg, Fatih Akins "Soul Kitchen" (2009), führt unmittelbar in das Schwerpunktthema ein. Das Phänomen der Veränderungen begrenzt sich jedoch nicht nur auf Hamburg, sondern lässt sich weltweit auch in anderen Metropolen finden. Davon erzählen die diesjährigen Fokus-Filme, von denen nachfolgend eine Auswahl vorgestellt wird.
 
"Al Ghaba (Demons of Cairo)" (2008) thematisiert den brutalen Überlebenskampf von zwei Millionen Straßenkinder in Kairo. Gewalt prägt das tägliche Leben, ob für die Kinder oder für die Erwachsenen: Straßenkämpfe, Willkür und Brutalität, aber auch Fürsorge in einigen ganz wenigen Momenten. Der Spielfilm zeigt die ägyptische Hauptstadt als gnadenlosen Moloch und entwirft eine apokalyptische Welt, die nur besser werden kann.

"Examined Life" (2008) nähert sich dem Thema Leben in Metropolen: philosophisch, nachdenklich, lebensklug und intelligent. Der Film lockt Denker aus ihren Büros und von deren Schreibtischen weg und fährt oder geht mit ihnen durch die Stadt oder zu Orten, an denen man jedwedes Denken nicht vermutet. Die Protagonisten sprechen über Moralphilosophie, Sozialwissenschaft, über autonome Individuen, Umwelt und über Themen der Kulturtheorie.

Unterschiedlicher könnten zwei Städte nicht sein: New York ist nicht Belgrad. Robert ist von New York abgestumpft und seinem serbischen Freund Branko vergibt Big Apple keinen Fehler. Um seine Freundin in die USA zu holen, soll Robert nach Belgrad reisen und diese dort heiraten, damit sie die US-Einwanderungspapiere erhält. Das Unternehmen scheint völlig schief zu laufen. Belgrad macht den Eindruck, als wolle jeder Zweite so schnell wie möglich die Stadt verlassen: Man sitzt auf gepackten Koffern. "Here and There" (2009) zeigt mit stoischem Humor, wie ein New Yorker der serbischen Hauptstadt durchaus etwas abgewinnen kann.

Istanbul ist ein Sammelbecken für Millionen Kleinstbürger, die hart für ihren sozialen Aufstieg arbeiten müssen oder in die Armut abrutschen. Die Vorstädte bestehen aus kriminellen Machogesellschaften. Sie bestimmen darüber, ob jemand erfolgreich sein kann oder nicht. Die Männer in den Anzügen haben das Sagen!
Alle Jungen wollen etwas aus sich machen - wie schwer das ist, zeigt "Black Dogs Barking" (2008), eine Sozialkritik aus Istanbul, rasant, gewalttätig, übertrieben.
 
In "Low Lights" (2009) geht es um zwei Männer und eine Frau, die sich nach Sonnenuntergang mit Night Driving beschäftigen: ziellosem Cruisen durch Litauens Hauptstadt Vilnius. Die nächtliche Fahrt verwandelt die Stadt; sie kommen an Orte, die man tagsüber gar nicht wahrnehmen würde, entdecken wettbewerbsorientierte Jugendkulturen und Szenelokale und lassen sich immer weiter treiben.

"Tehran Without Permission" (2009) fängt die Stimmungen der Strasse und privater Lebenswelten in der iranischen Hauptstadt ein. Der ausschließlich mit Handykamera, teils im Verborgenen, gedrehte Dokumentarfilm ist ein persönliches, lebenslustiges Portrait von Teheran und seiner in Gegensätzen und Widersprüchen verhafteten Bevölkerung.
 
Im Rahmen des Fokus "Pulsierende Metropolen" zeigt der Künstler Stefan Szczygiel am 27.09. um 21:00 Uhr im Foyer des Metropolis Kinos seinen Film "Zeitflug Hamburg - Warschau", eine Hommage an beide Städte. In ruhigen Bildern kreiert Szczygiel einen eigenen urbanen Rhythmus, der die beiden pulsierenden Metropolen in einem kontemplativen Tempo vorstellt. Fokus-Kurator Claus Friede wird mit einigen einleitenden Worten in den Film einführen.

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