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Nibelungenlied ist Weltdokumentenerbe

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Montag, den 17. August 2009 um 14:25 Uhr
Kaum ein Werk hat sich über die Jahrhunderte so erfolgreich behauptet wie das Nibelungenlied. Die UNESCO hat die Sage Ende Juli in das Weltdokumentenerbe aufgenommen. Sie gilt als besonderes Beispiel europäischer Heldenepik – vergleichbar mit der griechischen Troja-Sage. Das Nibelungenlied ist der elfte deutsche Beitrag in der Schatzkammer der Geistesgeschichte.

Es ist ein großer Stoff. Die Geschichte der Nibelungen bietet alles, was das Herz wärmt und das Blut in den Adern gefrieren lässt. Es geht um schrecklichen Verrat, gnadenlose Rache, große Liebe. Es ist ein Klagelied aus ferner Zeit, deren Themen aber nach wie vor zeitlos sind. Die strophische Dichtung erzählt von der Liebe des Drachentöters Siegfried zur burgundischen Königstochter Kriemhild und ihrer Heirat, von Siegfrieds Tod durch Hagen und Kriemhilds Rache mit Hilfe des Hunnenkönigs Etzel, die zum Untergang des Burgunden-Reiches führt.

Seit Jahrhunderten fasziniert die Menschen die germanische Sage um Aufstieg und Fall der Nibelungen. Und so gibt es heute kaum ein Genre, das den Stoff der Nibelungen nicht aufgegriffen hat. Hörspiel, Comic, Roman, Film, Musical, Oper, Theater, Lyrik – zu allen Zeiten haben sich die Menschen für den mittelalterlichen Bestseller interessiert. Die Sage stammt aus der Zeit der Völkerwanderung im 5. Jahrhundert. Historischer Kern ist der Sieg der Hunnen über die Burgunden im Jahr 436 nach Christus. Über Jahrhunderte hinweg wurde das Nibelungenlied mündlich weiter erzählt, bis ein unbekannter Dichter um 1200 den mythischen Stoff niederschrieb.
Künstler machen Nibelungen bekannt

Das Nibelungenlied, das aus 2.400 Strophen besteht, geriet im 16. Jahrhundert in Vergessenheit. Die moderne Rezeption begann erst wieder im Jahr 1755, als ein Arzt, der eine besondere Vorliebe für alte Bücher und Schriften hatte, eine der Handschriften des Nibelungenlieds in Schloss Hohenems in Österreich wiederentdeckte. Künstler der Neuzeit machten den tragischen Stoff populär, indem sie ihn bearbeiteten und neu gestalteten. Friedrich Hebbel schrieb ein Theaterstück, Richard Wagner brachte es in seinem Musikdrama "Ring des Nibelungen" auf die Opernbühne, Fritz Lang verfilmte die Sage erstmals in den Jahren 1922 bis 1924.

Obwohl die Dichtung auch ein Lehrstück über den totalen und sinnlosen Untergang ist, wurde der Geist der Nibelungen oft beschworen und ideologisch instrumentalisiert. Im 19. Jahrhundert hatte das Nibelungenlied große Bedeutung als nationales Epos während der antinapoleonischen Befreiungskriege. Im Ersten Weltkrieg mobilisierte das "germanische Heldentum" die Soldaten für den endgültigen Sieg. Und die Nazis beriefen sich im Geist eines blinden Hurra-Patriotismus ebenfalls auf die Nibelungentreue. Der blutige Ausgang in Stalingrad ist bekannt.

Die Sage um den Drachentöter Siegfried gilt heute trotz seiner verhängnisvollen Instrumentalisierung als ein herausragendes Beispiel europäischer Heldenepik - vergleichbar mit der griechischen Troja-Sage. Hätte der Dichter des Nibelungenliedes geahnt, was für ein zeitloses Werk er schreibt, er hätte wohl seinen Namen darunter gesetzt. Die UNESCO hat jetzt die drei wichtigsten und vollständigsten Handschriften, die den Text des Nibelungenlieds dokumentieren, für das Weltdokumentenerbe ausgewählt. Aufbewahrt werden sie in der Bayerischen Staatsbibliothek in München, der Stiftsbibliothek des Klosters St. Gallen in der Schweiz und der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe.

193 Werke gehören zum "Gedächtnis der Menschheit"
Das Nibelungenlied ist der elfte deutsche Beitrag, der in die "Schatzkammer der Geistesgeschichte" aufgenommen wurde. Im "Memory of the World" der UNESCO verzeichnet sind unter anderem Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks um 1450, die Märchen der Gebrüder Grimm, Beethovens neunte Sinfonie und Fritz Langs Stummfilmklassiker "Metropolis".

Die UNESCO will mit ihrem Programm "Memory of the World" außergewöhnliche Dokumente in den Archiven, Bibliotheken und Museen der Welt sichern. In dem UNESCO-Register stehen 193 Dokumente, die digitalisiert vor Verlust und Zerstörung bewahrt werden sollen. Mit der Anerkennung als Weltdokumentenerbe verpflichten sich die Herkunftsländer, die Dokumente digital aufzubereiten und über das Internet öffentlich zugänglich zu machen.

Quelle: UNESCO.de

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