Neue Kommentare

Frank-Peter Hansen zu Frank-Peter Hansen: Die Heidegger-Dekomposition: Im Spätherbst letzten Jahres anlässlich einer S...
bbk berlin zu Dortmund geht neue Wege bei der Kunst-Förderung: Die Berliner Künstler*innen freut es sehr, dass ...
Markus Semm zu Frank-Peter Hansen: Die Heidegger-Dekomposition: Sehen Sie: Der Unterschied zw. Heidegger und Cass...
Karin Schneider zu Frank-Peter Hansen: Die Heidegger-Dekomposition: Ein großartiger Artikel! Stefan Diebitz schafft ...
S.Scheunemann-Eichner ,Silke zu Mühlenpfordt – Neue Zeitkunst. Reformarchitektur und Hochschullehre: Eine wunderbare Einführung zu der Ausstellung im...

Hamburger Architektur Sommer 2019


News-Port

Die Neueröffnung des Israel-Museums

Drucken
Dienstag, den 03. August 2010 um 15:48 Uhr
Der Geist von Givat Ram.
Die Neueröffnung des Israel-Museums in Jerusalem nach dreijährigen Renovierungsarbeiten zeugt von einer enormen kulturellen Investition. Das Museum wurde für umgerechnet etwa 76 Millionen Euro – vorwiegend von privaten Spendern und Stiftungen - erneuert, und die Ausstellungsfläche auf 58 000 Quadratmeter erweitert, wodurch nun die gleichzeitige Präsentation von archäologischen Funden und Kunstwerken aus allen Epochen ermöglicht wird. Die Stellung des Museums unter den Museen der Welt und seine Position als Israels primäres kulturelles Zentrum werden dadurch bekräftigt.

Das Ereignis sollte daran erinnern, dass Israel auf der Weltkarte auch dank eines reichen geistigen Erbes und exzellenten kulturellen und künstlerischen Schaffens herausragen kann und nicht nur dank seiner Kriege. Darüber hinaus macht es deutlich, dass die „Felsen unserer Existenz“ und die „Stätten des Erbes“ des Israeli-Seins nicht notwendigerweise umstritten sein müssen, eingehüllt in religiöses Gewand oder in Landesteilen angesiedelt, deren Zukunft diskutabel ist.

In Zeiten, da wir architektonischer Megalomanie und korrupter Planung ausgeliefert sind (der Neubau des Habima-Theaters und das Holyland-Projekt sind nur Beispiele dafür), ist der Sinn für Maß und Geschmack derjenigen zu loben, die die Renovierung des Israeli-Museums planten. Sie haben neue Eingangshallen, originelle Übergänge und bequeme Zugänge zu den Ausstellungshallen hinzugefügt – und all das, ohne die ursprüngliche, zurückhaltende und ‚rustikale‘ Anlage zu beschädigen, die sich bescheiden über den Höhenzug von Givat Ram erstreckt und in ihn einfügt.

Der feierliche Neueröffnung des Museums und die internationale Berichterstattung darüber bringen das Gefühl zurück, dass die Eröffnung des Museums im Jahr 1965 begleitete. Im Leitartikel der Haaretz wurde damals die Hoffnung ausgedrückt, dass „Israel dank dieses Unternehmens einen Platz auf der Weltkarte der Museen erhalten“ werde, „in mancher Hinsicht bescheiden, aber in anderer Hinsicht wichtig und herausragend“.

Mit einer gewissen Bescheidenheit hieß es in dem Artikel: „Wir können nicht mit den großen Museen in Europa und Amerika konkurrieren, die sich über Jahrhunderte entwickelt haben“; doch wurden Worte des Stolzes und der Vision für die Zukunft ausgedrückt sowie die Hoffnung, dass das Museum neben der Tradierung der Kultur des Alten Israels und der jüdischen Kunst und der „Pflege des ästhetischen Gefühls bei den Bürgern Israels“ kosmopolitische Offenheit widerspiegeln und Israel in den internationalen künstlerisch-kulturellen Raum integrieren werde. Diese Hoffnung wurde in Form der Entwicklung von Sammlungen israelischer und internationaler Kunst des Museums und seiner wichtigen Ausstellungen verwirklicht.

Das Museum wurde zwei Jahre vor dem Sechstagekrieg eingeweiht, welcher mit einem Schlag die Betonung von der Bescheidenheit, dem Sinn für das Maß und der Konzentration auf Kultur und Geistesleben – wie sie vom Jerusalemer Stadtteil Givat Ram symbolisiert werden – hin zur physischen Expansion, zur Macht und zum Kult der Gebiete verschob. Durch die Anstrengung, auf einen Schlag all das zu verdauen, wofür der Ammunition Hill, die Westmauer (Klagemauer), Gilo, Jebel Mukaber und Abu Dis stehen, ist der geistige Reichtum des Israel-Museums, der Hebräischen Universität, des Skulpturengartens und des Schreins des Buches fast in Vergessenheit geraten.

Man kann nur wünschen, dass dieses symbolische Givat Ram kein museales Artefakt wird und dass mit der Erneuerung des Israel-Museums auch der Geist erneuert wird, der seine Gründung begleitete.

Quelle: Haaretz (Leitartikel der Redaktion)

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > NewsPort > Die Neueröffnung des Israel-Museums

Mehr auf KulturPort.De

Matthias Bublath: Eight Cylinder Bigband
 Matthias Bublath: Eight Cylinder Bigband



Ein Achtzylinder macht was her – so, wie die Bigband von Matthias Bublath.
Und schon das Intro zeigt: Der Mann für die Tasteninstrumente will was auf die B [ ... ]



Außergewöhnliche Spielfreude und künstlerische Qualität zur Aspekte-Festival-Eröffnung in Salzburg
 Außergewöhnliche Spielfreude und künstlerische Qualität zur Aspekte-Festival-Eröffnung in Salzburg



„Wir sind glücklich eines der führenden Kammerorchester weltweit für das aspekteFESTIVAL 2020 gewonnen zu haben, sagt Intendant Ludwig Nussbichler über das [ ... ]



„The Gentlemen”. Guy Ritchie und die Akribie des Skurrilen
 „The Gentlemen”. Guy Ritchie und die Akribie des Skurrilen



Mit „The Gentlemen”, einem raffiniert schrägen Film-im-Film kehrt Guy Ritchie zurück zu seinen Wurzeln: Absurde, herrlich bösartige Gangsterkomödien wie  [ ... ]



Nils Landgren & Jan Lundgren: Kristallen
 Nils Landgren & Jan Lundgren: Kristallen



Gerade wurde Nils Landgren für „4WheelDrive“ (zusammen mit Michael Wollny, Lars Daniellson, Wolfgang Haffner) als erfolgreichstes Jazzalbum des Jahres 2019  [ ... ]



„Willkommen! Bienvenue! Welcome!“ – Cabaret
 „Willkommen! Bienvenue! Welcome!“ – Cabaret



Hansa Theater ade, am Steindamm steht jetzt der Berliner Kit Kat Club.
Vergangenes Wochenende feierte das Erfolgsmusical „Cabaret“ in Deutschlands älteste [ ... ]



Frank-Peter Hansen: Die Heidegger-Dekomposition
 Frank-Peter Hansen: Die Heidegger-Dekomposition



In einer ziemlich rabiaten Kritik demontiert Frank-Peter Hansen den berühmtesten deutschen Philosophen des 20. Jahrhunderts.

Die letzten Jahre müssen schwer [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.