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Keine Einreise-Visa für ivorische Tanzschüler*innen

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Dienstag, den 18. Februar 2020 um 21:21 Uhr
Junge Künstler*innen durften der Einladung nach Hamburg zu internationalem Netzwerktreffen nicht folgen
Fünf Schüler*innen des künstlerischen Ausbildungszentrums GLS_LA fabrique culturelle in Abidjan an der Elfenbeinküste haben keine Visa für die Einreise nach Deutschland bekommen und können deshalb nicht an der 7. Biennale Tanzausbildung in Hamburg teilnehmen. Zur Eröffnung des Tanz-Festivals auf Kampnagel gestern Abend haben der Leiter der Schule, Franck Edmond Yao, und Tanzschüler Djédjé Éric Gbadie (er hatte bereits ein Visum und durfte deshalb als einziger reisen) einen Brief der Studierenden an das Publikum verlesen. Darin äußern die jungen Tänzer*innen ihre Enttäuschung über einen ihrer Meinung nach unfairen und diskriminierenden behördlichen Prozess, der sie willkürlich von einem internationalen Festival exkludiere: „So we are not part of the "international?", fragen sie in dem Schreiben. Und weiter: „What does "international" mean? It means that only artists from certain countries are allowed to take part in projects such as the Biennale.”

Hier ist der vollständige Brief der Schüler*innen:
Kampnagel Intendantin Amelie Deuflhard: "Dies ist leider kein Einzelfall. Seit einigen Jahren beobachten wir eine zunehmend restriktive Visa-Vergabe für internationale Künstler*innen. Wir erleben es immer wieder, dass Projekte von u.a. afrikanischen Künstler*innen von deutschen Stiftungen oder Institutionen gefördert werden, dann aber die Einreise und Präsentation der Arbeiten von der deutschen Botschaft abgelehnt wird. Nicht nur für uns als Internationales Produktionshaus, sondern vor allem für die Künstler*innen sind Reisen ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit. Ohne Reisen gibt es keine Möglichkeit der Begegnung, des Austauschs und des Erlernens anderer Ästhetiken und Strukturen."

Die vom 17. bis zum 23. Februar stattfindende BIENNALE TANZAUSBILDUNG 2020 HAMBURG ist ein Treffen der Mitglieder der Ausbildungskonferenz Tanz, das alle zwei Jahre Tanzstudierende zum Netzwerken und gemeinsamen Arbeiten in einer anderen Stadt zusammen bringt. In Hamburg richten Kampnagel, die Ballettschule des Hamburg Ballett John Neumeier, K3 | Tanzplan Hamburg und das Bundesjugendballett dieses Treffen gemeinsam aus. Parallel findet das Festival FOKUS TANZ auf Kampnagel statt. Neben Studierenden von neun deutschen Tanzschulen wurden auch neun internationale Schulen nach Hamburg eingeladen. Gefördert wird die Biennale vom Bundesministerium für Bildung und Forschung; das internationale Austauschprogramm wird zusätzlich gefördert von der Hamburger Behörde für Kultur und Medien. Die Teilnehmer*innen der Biennale äußerten ihre Solidarität mit den ivorischen Kolleg*innen und haben eigeninitiativ begonnen, sich in Gruppen auszutauschen und weitere Aktionen zu planen. Eine Unterschriften-Aktion läuft bereits. Die aus Tunesien angereisten Gäste berichteten ihrerseits über einen ähnlich schwierigen Prozess der Visavergabe. Sämtliche Bemühungen der Biennale-Organisator*innen, die Ausreise der ivorischen Tanz-Schüler*innen zu ermöglichen, blieben erfolglos.
2014 hat der Tänzer und Choreograf Franck Edmond Yao das Ausbildungszentrums GLS_La fabrique culturelle zusammen mit Chantal Djédjé initiiert und gehört zur Leitung. Das Konzept des Zentrums ist, Kultur für alle zugänglich zu machen und Unterricht in verschiedenen künstlerischen Disziplinen anzubieten, um interdisziplinäre, professionelle Künstler*innen, Tänzer*innen, Sänger*innen und Schauspieler*innen auszubilden.
Yao ist ein sowohl an der Elfenbeinküste als auch in Europa erfolgreicher Künstler, der u.a. seit vielen Jahren mit der Regisseurin Monika Gintersdorfer zusammenarbeitet. Gemeinsam haben sie unzählige Projekte auf Kampnagel und an vielen anderen deutschen Theatern realisiert und werden regelmäßig zu internationalen Festivals eingeladen. In dieser Spielzeit zeigt Franck Edmond Yao zum ersten Mal eine mehrteilige eigene Arbeit auf Kampnagel DAS SANDWICH SYNDROM. Darin thematisiert er in Theorie, Tanz und Performance genau diesen Spagat zwischen den Kontinenten Afrika und Europa, den er selbst permanent macht. Eine Zerreißprobe und ein ständiges Jonglieren von Identitäten, Machtgefügen und Bürokratie. (Die nächsten Vorstellungen auf Kampnagel sind am 20. und 21. März).

Quelle: Kampnagel Hamburg

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