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Kultusministerin Karin Prien und die Jüdischen Landesverbände in Schleswig-Holstein wollen gemeinsam mehr gegen Antisemitismus tun. Am Tag nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle hatte Kultusministerin Prien Walter Blender vom Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Schleswig-Holstein und Igor Wolodarski von der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein zu einem Treffen ins Bildungsministerium eingeladen. Gestern (29. Oktober) fand dieses Treffen statt, das laut Prien der Auftakt für regelmäßigen Austausch sein solle.
 
„Das Thema Antisemitismus und insbesondere das lebendige Judentum müssen an den Schulen eine größere Rolle spielen“, betonte Walter Blender. Ministerin Karin Prien legt Wert darauf, dass das Judentum in Schleswig-Holstein nicht auf die Schoah reduziert werde. „Wir haben ein lebendiges Judentum in Schleswig-Holstein. Die Gemeinden von Flensburg bis Lübeck sind ein Teil des religiösen Lebens in unserem Land“, so Karin Prien. „Kaum ein Schüler weiß, dass jüdisches Leben in Deutschland seit fast 1700 Jahren existiert“, ergänzt Igor Wolodarski und verweist auf das 2021 anstehende Jubiläum. Im Jahr 321 hatte der römische Kaiser Konstantin Juden in Köln gestattet, öffentliche Ämter in der Stadtverwaltung zu bekleiden. Das Edikt, das sich noch im Original in den Archiven des Vatikan befindet, ist der erste schriftliche Nachweis für die älteste jüdische Gemeinde in Deutschland.
 
„Das Judentum wird häufig gleichgesetzt mit Bildern von ultraorthodoxen Gläubigen in Jerusalem, dabei gibt es eine ganz eigene Geschichte des europäischen und deutschen Judentums. Unsere Geschichte, unsere Kultur und unsere Wissenschaft wurden durch viele jüdische Persönlichkeiten geprägt“, betonte Karin Prien.
 
„So alt wie die Geschichte des Judentums ist aber leider auch die Geschichte des Antisemitismus“, beklagte Karin Prien und Igor Wolodarski ergänzte: „Eine zunehmende Polarisierung der Gesellschaft ist der Nährboden für Antisemitismus.“ Es sei gerade deshalb so wichtig, dass über das Judentum nicht nur im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus berichtet werde. „Wir müssen dafür Sorge tragen, dass Schülerinnen und Schüler jüdisches Leben als Teil Schleswig-Holsteins wahrnehmen, und die kulturellen Zusammenhänge und Traditionen verstehen.“  Wer den anderen besser kenne und sich in ihn hineinversetzen könne, wer empathisch sei, der sei weniger anfällig für menschenverachtende Ideologien, betonte Karin Prien.
 
Im Kampf gegen den Antisemitismus forderte Prien eine Kombination aus Aufklärung und Null-Toleranz-Strategie. „An unseren Schulen ist kein Platz für judenfeindliche Sprüche. Da ist jede Lehrerin, da ist jeder Lehrer aufgefordert einzuschreiten.“ Ministerin Prien verständigte sich mit den Vertretern der jüdischen Landesverbände auf einen regelmäßigen Austausch. Sie will die Informationsangebote breiter an Schulen kommunizieren und auch prüfen, an welchen Stellen das Kultusministerium mehr Unterstützung bieten könne. „Einer der wichtigsten Ansatzpunkte im Kampf gegen Antisemitismus sind unsere Lehrerinnen und Lehrer im Land. Wir haben Fortbildungen zum Thema Antisemitismus und auch unsere Fachanforderungen überarbeiten wir derzeit, um der Vielschichtigkeit des Themas gerecht zu werden“, berichtete Prien.
 
„Wir haben in allen Gemeinden ein vielfältiges Angebot. Wir öffnen unsere Gemeinden für jedermann, wir zeigen Schulklassen unsere Synagogen, wir stehen für Vorträge und Informationen zur Verfügung“, betonte Walter Blender. Die jüdischen Gemeinden im Land täten viel, um nicht nur religiöse Aspekte, sondern auch die Kultur und die Traditionen des Judentums in Deutschland und in Schleswig-Holstein zu vermitteln.
 
Quelle: Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Schleswig-Holstein