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Usedomer Literaturtage haben Schlesien wiederentdeckt

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Sonntag, den 28. März 2010 um 12:53 Uhr
Mit höchster Besucherzahl und einem Kriminalfall endete die Veranstaltungsreihe um Karasek, Kaiser und Hein: Abschlussbilanz.
Mit Polens Krimiautor Nummer eins, Marek Krajewski, und dessen Übersetzerin Paulina Schulz, erlebten am Samstag, 27. März, die Usedomer Literaturtage 2010 einen fulminanten Abschluss im Wasserschloss Mellenthin. Einen Abend zuvor begeisterte er mit seinen spannenden Kriminalfällen im deutschen Breslau vor 1945 das Publikum in Swinemünde. Über 800 Zuschauer besuchten die viertägige Veranstaltungsreihe vom 24.-27. März, die unter dem Motto: „Odergeschichten – eine literarische Flussreise nach Schlesien“ stand. Im Vergleich zum letzten Jahr ist dies eine Steigerung von rund 34%. Alle Lesungen und Gesprächsrunden fanden in vollbesetzten Räumen statt, sechs waren ausverkauft. Literarische Größen wie Christoph Hein, Uwe Rada, Hellmuth Karasek, Joachim Kaiser und Marek Krajewski erzählten ihre Odergeschichten und eröffneten den Zuhörern einen europäischen Raum. In ihm lösten sich die historischen und geografischen Grenzen zwischen Polen und Deutschland sowie innerdeutsch zwischen Ost und West vor dem Hintergrund der gemeinsamen Geschichte auf. Die Usedomer Literaturtage sind eine gemeinsame Veranstaltungsreihe vom Usedomer Musikfestival, dem Deutschen Kulturforum östliches Europa und der Gemeinde Ostseebad Heringsdorf und werden auch 2011 im Frühjahr stattfinden. Die Schirmherrschaft übernahm, wie im vergangenen Jahr, Ministerpräsident Erwin Sellering.

Die Usedomer Literaturtage 2010 führten thematisch durch Schlesien, das in den letzten Jahren einen Neubeginn der Gemeinschaft zwischen Polen und Deutschen erlebte. Am Eröffnungsabend (24.03.) gelang es Uwe Rada mit seiner unaufdringlichen und gleichzeitig gesprächsanregenden Moderation verschiedene Sichtweisen zu vereinen. Außerdem zeichnete er in seinem Buch „Die Oder“ den aufwühlenden Lebenslauf der Oder nach, die heute Europa verbindet. Roswitha Schieb verfasste mit dem „Literarischen Reiseführer Breslau“ ein einzigartiges Buch für alle Generationen zur Wiederentdeckung des humanistischen Zentrums. Von cleveren Überlebenskünstlern, heimatlosen Flüchtlingen und mutigen Kämpfernaturen aus den kleinen strukturschwachen Grenzdörfern Aurith und Urad berichtete Tina Veihelmann. Ihr von der Stiftung Buchkunst ausgezeichnetes Werk ist eine berührende Dokumentation auf der Suche nach der Heimat und zeigt, dass die Oder mittlerweile nicht mehr unüberwindbar ist. Der polnische Autor Henryk Waniek beschrieb in seinem Buch „Finis Silesiae“ die Schönheit und Problematik Schlesiens. Schlesien wirke für ihn wie eine Glocke, die einen vor dem politischen Gift schütze, um nicht von manch schlimmer Krankheit angesteckt zu werden. Die Eröffnungslesung ist am 2. April auf NDR 1 Radio MV noch einmal zu hören.

Den Schlüssel, um uns selbst zu verstehen, lieferte Christoph Hein mit seinem Buch „Landnahme“. In einer bewegenden Lesung (25.03.) mit Moderation von Andreas Kossert stellte Christoph Hein seinen Deutschlandroman vor. Mit konsequenter, ironischer, starker Sprache brachte er die Thematik der Landnahme und die damit verbundenen stereotypen Feindbilder gegen Menschen aus dem Osten auf den Punkt.

Einen kurzweiligen Abend bestritten die Literaturkritiker Hellmuth Karasek und Joachim Kaiser. In einem von Manfred Osten moderierten Gespräch (26.03.) ergründeten sie die Ursachen, die zur Auflösung der Gruppe 47 führten. Mit amüsanten Anekdoten berühmter Mitglieder, wie Günter Grass, Heinrich Böll, Martin Walser und Peter Handke skizzierten sie die politische, gesellschaftliche und literarische Lage nach dem 2. Weltkrieg bis Ende der 60er Jahre. Auf den von Hans Werner Richter veranstalteten Treffen, tauschten sich junge Autoren der Nachkriegszeit aus und stellten sich einer Spontankritik. Schließlich scheiterte die Gruppe 47 an der Zunahme des Erfolges, politischen Zuspitzungen und wachsendem medialen Interesse.

Die Schauspieler Hildegard Alex und Friedo Solter sowie Franziska Franke begeisterten mit Prosatexten und Lyrik auf der Literarischen Inselrundfahrt, und führten die Gäste in die Villa Irmgard, nach Swinemünde, in die Jugendbegegnungsstätte Golm und auf das Schloss Stolpe. Musikalisch umrahmt wurden die Lesungen von Libor Kaltofen, Violine und Friederike Kaltofen, Klavier. In einer Matinee im Atelier Otto Niemeyer-Holstein, Koserow, erinnerten Autor Oskar Ansull und Pianist Klaus Sticken an den 80. Geburtstag von Horst Bienek. Wie auch beim Usedomer Musikfestival fanden Lesungen für Schüler der Ostseeschule und des Maxim-Gorki-Gymnasiums Heringsdorf statt. Noch bis zum 22. April ist im Haus des Gastes, Bansin, die Ausstellung über die schlesischen Friedenskirchen in Schweidnitz und Jauer mit beeindruckenden Bildern über die größten sakralen Fachwerkbauten in Europa zu besichtigen. 

Quelle: www.usedomer-musikfestival.de

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