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Eröffnung der Thalia Lessingtage mit Dunja Hayali und Michel Abdollahi

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Montag, den 21. Januar 2019 um 10:16 Uhr
Die Journalisten und Moderatoren Dunja Hayali und Michel Abdollahi hielten heute Vormittag die Eröffnungsreden “Plädoyers für eine offene Gesellschaft“ bei der ausverkauften Matinee zum Festival „Um alles in der Welt – Lessingtage“. Beide ergreifen öffentlich immer wieder das Wort gegen wachsenden Fremdenhass, Rassismus und den Rechtsruck.
 

„Um alles in der Welt – Lessingtage“

Intendant Joachim Lux und Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, bezogen sich in ihren Grußworten auf den Namensgeber des Festivals, den Aufklärer und radikalen Freidenker Gotthold Ephraim Lessing. Sie betonten die Bedeutung von Rationalität und Vernunft, um demokratische Strukturen zu erhalten. Kritische Vernunft bedinge aber auch  Kreativität, Gefühl und eine Vorstellung vom anderen. „Wir brauchen in unserer Gesellschaft heute leidenschaftlich vernünftige Menschen“, sagte Brosda. Und weiter:  „Seit zehn Jahren sind die Lessingtage eine feste Größe in Hamburgs Festivalkalender. Das Thalia Theater macht in diesem Jahr mit dem Festival seine Bühne in besonderer Weise zur Plattform für einen interkulturellen Dialog und ermöglicht uns so neue Perspektiven auf die Welt. In einer Zeit, in der sich bei vielen der Blick immer mehr verengt, brauchen wir diese kulturellen Türöffner. Mit seinen eigenen Produktionen und den internationalen Gastspielen macht das Thalia Theater deutlich, wie wichtig es ist, dass wir die Werte, für die auch der Namensgeber dieses Festivals steht, jeden Tag neu verteidigen.“
 
Dunya Hayali nahm den Begriff Plädoyer wörtlich als notwendige Verteidigung der bedrohten offenen Gesellschaft. Die Verrohung der Sprache, die ein Teil dieser – eben nicht mehr so offenen – Gesellschaft geworden ist, bezeichnete sie als „machtvoll und brutal“. „Hass, üble Nachrede, Beleidigungen gegen alles und Lügengeschichten über alles, was ‚anders‘ erscheint prägen vermehrt die ‚sozialen Medien‘, den ‚Dialog‘ auf der Straße und zunehmend sogar die Rede in Land- und Bundestag. Es entstehen Opfer dieser Sprache und dieses Handelns. Opfer, weil sie ausgegrenzt, beleidigt, diskriminiert werden. Durch endlose Wiederholung wird versucht, Lügen zur Wahrheit werden zu lassen. Einer Entwicklung dieser Art muss die Gesellschaft entgegentreten. Hier hat jeder eine Mitverantwortung und auch die Möglichkeit zum eigenen Handeln. Schweigen und Nichtstun sind keine Optionen.“
 
Hayali, die selbst häufig Opfer von „Hate Speech“ und Verleumdung im Netz wird, begegnet der Entwicklung dennoch mit Optimismus. Der Prozess hin zu einer Öffnung sei gar nicht aufzuhalten und auch eine notwendige Grundlage zur kulturellen und gesellschaftlichen Weiterentwicklung – dafür, im Weltgeschehen nicht stehenzubleiben und auch wirtschaftlich mithalten zu können. In Teilen habe man schon gelernt, sich zuzuhören und sich verstehen zu wollen. Allerdings brauche es einen sicheren Rahmen, damit die Menschen bereit seien, ihre Ängste zu überwinden und Offenheit auszuprobieren. Es brauche neben dem Rahmen des Grundgesetzes und einer profunden Herzensbildung auch immer wieder Aufklärer und Botschafter wie Lessing. 
 
Auch Michel Abdollahi betonte, wie sehr die Sprache die Realität mit erschafft, und welche Verantwortung auch die Medien hierbei tragen. „Unsagbares wird solange wiederholt, bis es durch die Wiederholung nicht mehr unsagbar klingt. Die Wirklichkeit ist aber nicht losgelöst von der Sprache. Es bleibt nicht beim Unsagbarem, denn mittlerweile wird auch das Undenkbare immer häufiger gedacht. Sei es eine mögliche Koalition mit der AfD, die Leugnung des Holocausts, des Klimawandels, die Verharmlosung des sogenannten „Dritten Reichs“ oder die Aufteilung der Gesellschaft in wertvolle und weniger wertvolle Menschen.“ Er unterstrich auch, wie wichtig Aufklärung in einer Zeit ist, in der uns die Realität immer mehr abhanden kommt. „Aus Unwissenheit entsteht dann meist Angst und aus Angst häufig Ablehnung gegenüber Dingen, die man nicht mag oder nicht kennt oder nicht kennenlernen will. Gar nicht aus Böswilligkeit, sondern aus der Furcht nicht richtig reagieren zu können.“ 
 
Dunja Hayali betonte im abschließenden Gespräch mit Michel Adollahi und Joachim Lux noch einmal die Verantwortung von uns allen, vor allem von Politik und Medien, die offene Gesellschaft zu bewahren, zu gestalten und zu schützen: „Demokratie ist kein Selbstbedienungsladen und auch keine Selbstverständlich-keit. Es bewegt sich nichts, wenn wir uns nicht bewegen. Nur über Begegnung kann das Verständnis füreinander wachsen.“ 
 
Quelle: Thalia Theater GmbH

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