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Die literarische Flussreise nach Schlesien auf der Insel Usedom beginnt

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Dienstag, den 23. März 2010 um 09:55 Uhr
Usedomer Literaturtage eröffnen am Mittwoch, 24. März.
Die Insel Usedom steht ganz im Zeichen der „Odergeschichten“. Mit dieser Thematik starten die Usedomer Literaturtage in ihre zweite Saison.
Die Auftaktlesung am Mittwoch, 19 Uhr, im Haus des Gastes, Bansin, bestreiten der taz-Redakteur und Osteuropa-Experte, Uwe Rada, die junge Autorin Tina Veihelmann, Roswitha Schieb und der polnische Autor Henryk Waniek. Als Spiegel geschichtlicher und politischer Ereignisse, die Europa prägten, erzählt die Oder von Krieg, Flucht und Vertreibung sowie von Wiedervereinigung. Die eingeladenen Autoren beleuchten die Geschehnisse, setzen sich mit den Lebensgeschichten von alten und neuen Schlesiern, Neumärkern und Pommern auseinander und berichten von eigenen Erlebnissen aus der jetzt wieder zusammengewachsenen europäischen Region. Auch die nächsten Tage versprechen interessante Literaturabende u.a. mit Christoph Hein, Hellmuth Karasek, Joachim Kaiser und Marek Krajewski.

Uwe Rada macht in seinem Buch „Die Oder. Lebenslauf eines Flusses“ der Oder eine regelrechte Liebeserklärung. Von cleveren Überlebenskünstlern, heimatlosen Flüchtlingen und mutigen Kämpfernaturen aus den kleinen strukturschwachen Grenzdörfern Aurith und Urad berichtet Tina Veihelmann. Aurith und Urad waren einmal ein Dorf und sind nun auf polnischer und deutscher Seite – einst getrennt und heute verbunden durch die Oder. In einer liebevollen, konsequent zweisprachigen Dokumentation eröffnet Tina Veihelmann dem Leser die große Geschichte Europas, die in Aurith und Urad ablief und auch auf der Insel Usedom Parallelen erkennen lässt. Oft entdeckt die Autorin dabei die eine oder andere Gemeinsamkeit, doch manchmal treffen die beiden Welten einfach aufeinander. Von einem gefundenen Album mit Fotos vom 1936-39 wurde Henryk Waniek zu seinem Roman „Finis Silesiae“ inspiriert. Das Besondere an den Bildern: Sie weisen keinerlei propagandistische Inhalte auf, die sich mit dem Nationalsozialismus in Verbindung bringen ließen. Sie dokumentierten die reine, durch nichts entstellte Schönheit der Landschaft und den Zauber schlesischer Städte und Dörfer. Waniek unternimmt mit „Finis Silesiae“ den Versuch, eine Welt zu rekonstruieren, von der nur wenige Erinnerungsstücke geblieben sind. Mit dem „Literarischen Reiseführer Breslau“ ermöglicht Roswitha Schieb einen detaillierten Ausflug in das Zentrum des Humanismus.

Bereits um 15 Uhr am Mittwoch (24. März) wird im Haus des Gastes in Bansin die Ausstellung zu den schlesischen Friedenskirchen in Schweidnitz und Jauer eröffnet. Bis zum 22. April sind beeindruckende Bilder und geschichtliche Hintergründe über die größten sakralen Fachwerkbauten in Europa zu entdecken. In Folge des Westfälischen Friedens musste sich der katholische Kaiser verpflichten, im überwiegend evangelischen Schlesien den Bau von drei protestantischen Kirchen zu genehmigen. Allerdings war dies an eine ungewöhnliche Vorgabe gekoppelt: Dir Kirchen mussten aus nicht dauerhaften Materialien, wie Holz und Lehm, errichtet werden. Dank enormer Restaurierungsmaßnahmen von Polen und Deutschen blieben die Friedenskirchen in Schweidnitz und Jauer erhalten und zählen seit 2001 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Sie bilden ein einzigartiges Zeugnis vom besonderen Charakter der politischen und geistigen Entwicklung in Europa. (Öffnungszeiten Haus des Gastes: Mo-Fr.: 9-16 Uhr, Sa/So.:10-12 Uhr)

Karten und Informationen sind unter 038378.34647 erhältlich. Das komplette Programm ist unter www.usedomer-literarturtage.de zu finden.

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