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Hamburg: Neuer „Ort der Erinnerung“ entsteht in den Stadthöfen

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Montag, den 29. Januar 2018 um 21:43 Uhr
In den neu entstehenden Stadthöfen wird künftig ein neuer „Ort der Erinnerung“ erstmals überhaupt umfänglich an die historische Nutzung des Gebäudekomplexes Neuer Wall 88 / Stadthausbrücke 4 erinnern. Hier befanden sich von 1933 bis zur Ausbombung 1943 das Polizeipräsidium sowie die Leitstellen von Kriminalpolizei und Gestapo. Die Stadt begleitet zusammen mit der KZ-Gedenkstätte Neuengamme die von der Quantum Immobilien AG verantwortete Einrichtung des Gedenkorts und stellt Ausstellungsinhalte zur Verfügung. Der Ort soll eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und den sich daraus für Gegenwart und Zukunft stellenden Fragen ermöglichen.
 
Das Konzept des „Ortes der Erinnerung“:
Zur Kennzeichnung des historischen Ortes wurden in den 1980er-Jahren zwei Tafeln angebracht, eine im Rahmen des Tafelprogramms der Kulturbehörde „Stätten der Verfolgung und des Widerstands 1933–1945“ und eine vom Personalrat der Baubehörde und der ÖTV initiierte Gedenktafel. Mehr als 70 Jahre nach Kriegsende soll darüber hinaus auf Initiative der Quantum Immobilien AG erstmals eine Dokumentation zur Geschichte von Verfolgung und Widerstand im nationalsozialistischen Hamburg entstehen. Diese wird unter inhaltlicher Federführung der Stadt auf einer Hauptfläche zentral im westlichen Eingangsbereich mit großer Sichtbarkeit zur Stadthausbrücke sowie Transparenz zum Stadthof hin im Erdgeschoss liegen. 
 
Die Dokumentation baut auf die Ausstellung der KZ-Gedenkstätte Neuengamme zum Stadthaus auf, die 2012 in der Rathausdiele gezeigt wurde. Über einen mit der Fachbuchhandlung „Lesesaal“ geschlossenen Mietvertrag wird eine öffentliche Zugänglichkeit gewährleistet. Die Mieterin wird in der Kombination von Buchhandlung mit anspruchsvollem Sortiment sowie angrenzendem Begegnungs- und Literaturcafé die Ausstellung in einen lebendigen Erinnerungs-, Veranstaltungs- und Kommunikationsort einbetten. 
 
Die drei Bereiche werden ineinander übergehen und miteinander in Verbindung gebracht. So sollen Veranstaltungen mit thematischem Bezug zum Erinnerungsort sowohl durch die Mieterin und Koordinatorin der Ausstellung als auch mit Kooperationspartnern aus der Kultur und den Verbänden ermöglicht werden. Die Fläche wird je nach Bedarf zur Verfügung gestellt und flexibel gestaltet. 
 
Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Mit dem ‚Ort der Erinnerung‘ soll in den Stadthöfen künftig erstmals umfänglich über die Vergangenheit des Gebäudes als Zentrale des Terrors informiert werden: Wir wollen, dass hier ein echter Ort des Gedenkens und des kritischen Austausches entsteht. Wir laden alle Kultur- und Forschungsinstitutionen, Geschichtswerkstätten, Verbände und Initiativen dazu ein, in enger Zusammenarbeit mit der Behörde für Kultur und Medien und der KZ-Gedenkstätte Neuengamme daran mitzuwirken, dass die grausame Vergangenheit des Gebäudes angemessen dargestellt wird und zur Auseinandersetzung mit unserer heutigen Verantwortung anregen kann. Diese wichtige Beteiligung soll in Form eines dauerhaften Beirates verstetigt werden. Es ist gut, dass dieser Weg der Beteiligung auch von der künftigen Betreiberin und Koordinatorin des ‚Ortes der Erinnerung’ und dem Investor ausdrücklich unterstützt wird.“ 
 
Stephanie Krawehl, Inhaberin der Lesesaal Buchhandlung, des Literatur-Cafés und Koordinatorin des „Orts der Erinnerung“: „Hinter dem konzeptionellen Dreiklang Ausstellung – Buchhandlung – Literatur-Café steht die Idee eines zeitgemäßen Orts der Erinnerung und des Austauschs. Dank unterschiedlicher Impulse werden die Besucher der Stadthöfe erstmals Zugang zum dunkelsten Kapitel der Geschichte des Ensembles erhalten – und das an ganz zentraler Stelle. Das Beteiligungsverfahren zur inhaltlichen Ausgestaltung der Ausstellung ist richtig und wichtig.“
 
Der „Ort der Erinnerung“ umfasst drei Elemente:
Nach Sanierung und Ausgestaltung des bis 2013 als Behördenquartier genutzten Gebäudes wird die Quantum Immobilien AG als Vertragspartnerin der Stadt hier im Zuge der schrittweisen Eröffnung der „Stadthöfe“, die Hotel und Gastronomie, Läden, Arbeitsflächen und Wohnungen beherbergen, auch für die Schaffung des „Orts der Erinnerung“ als Stätte von Dokumentation und Kommunikation Sorge tragen. Die Projektentwicklerin kommt damit einer 2009 mit der Stadt getroffenen kaufvertraglichen Vereinbarung nach. 
 
Als historisches Relikt wird zudem der auf der Fleetseite gelegene Verbindungsgang einbezogen, der von den im Kellergeschoss gelegenen Arrestzellen zu den Verhörräumen der Gestapo führte. Dieser in Erinnerungen ehemaliger Gefangener als „Seufzergang“ bezeichnete Ort – vorgesehen für eine ergänzende Ausstellung mit biografischen Inhalten – ist weitgehend im Originalzustand erhalten. Eine vor Baubeginn der „Stadthöfe“ 2012 vom Denkmalschutzamt vorgenommene Untersuchung insbesondere der Kellergeschossflächen ergab, dass andere Relikte, die unmittelbar von der Nutzung zu Haftzwecken zeugen, nicht erhalten geblieben sind. Quantum trägt hierfür keine Verantwortung. Entsprechende bauliche Veränderungen fanden bereits weit vor Veräußerung der Gebäude statt.
 
Darüber hinaus sind in der zentral gelegenen Brückenarkade, die künftig als erstmals der Öffentlichkeit zugängliche Fleetüberquerung hoch frequentiert sein wird, Informationen zur insgesamt mehr als 200-jährigen Baugeschichte des gesamten Stadthaus-Komplexes vorgesehen. Hier werden sowohl die durch die Polizei in der NS-Zeit vorgenommenen Umgestaltungen und die Luftkriegszerstörungen 1943 thematisiert wie auch die Nutzungen in der Nachkriegszeit bis hin zu den im Zuge der Neugestaltung in den letzten Jahren erfolgten Transformationen.
 
Die Behörde für Kultur und Medien und die KZ-Gedenkstätte Neuengamme liefern die Ausstellungsinhalte koordinierend zu. Entsprechende Unterlagen sind Quantum auf der Grundlage der von der Gedenkstätte 2012 realisierten Rathausausstellung „Dokumentation Stadthaus: Die Hamburger Polizei im Nationalsozialismus“ zur Verfügung gestellt worden. Mit der Ausstellungsproduktion soll eine anerkannte Agentur beauftragt werden.
 
Die Verbände werden gebeten, bei der Ausstellungserarbeitung ihre Expertise und gegebenenfalls bei ihnen verfügbare Materialien und Berichte ergänzend zur Verfügung zu stellen. Nach dem ausführlichen Beteiligungsprozess soll dann die Ausstellung für jeden zugänglich sein. Die Buchhandlung wird im Mai öffnen. Um den Austausch und eine auf Dauer angelegte Beteiligung der Verbände und Interessengruppen zu organisieren, wird die Behörde in Abstimmung mit der Mieterin in Kürze zu einem gemeinsamen Beratungstermin einladen. Die Zusammenarbeit soll in Form eines Beirates verstetigt werden.
 
Quelle: Pressestelle der Behörde für Kultur und Medien Hamburg

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