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"Die deutsche Sprache in der Welt - Eine Hommage"

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Samstag, den 27. Februar 2010 um 15:21 Uhr
Ansprache des Bundesaußenministers Westerwelle zur Veranstaltung "Die deutsche Sprache in der Welt - Eine Hommage" am 25. Februar 2010 im Radialsystem in Berlin:
- es gilt das gesprochene Wort -
Sehr geehrte Damen und Herren, ich werde meine Rede auf Deutsch halten.
Deutsch ist eine wunderschöne Sprache. "Abendrot" und "Morgenstern", "Blütenstaub" und "Alpenglühen", bei diesen Worten springen Ohr und Seele vor Freude auf und klatschen Beifall. Deutsch kann also sehr blumig sein.

Sprache ist nicht allein das, was man sagt, sondern es ist auch wichtig, wie man etwas sagt. Das nennt man dann "Duktus". "Duktus" beschreibt charakteristische Eigenschaften bei Wortwahl, Satzbau, Aussprache und Betonung. Sie wissen, jeder hat seinen eigenen Duktus. Sprache kann verbergen, was man meint. Sprache kann aber auch offenbaren, was man verbergen wollte. Man kann Sprache bewusst so einsetzen, dass man nicht verstanden wird. Denken Sie an zwei Ärzte, die sich über ihren anwesenden Patienten unterhalten. Das gibt es auch in der Politik. Sprache kann da rein und da raus gehen, ohne irgendetwas zu hinterlassen oder Sprache kann beschäftigen. Dann muss sie auf den Punkt sein.
Der Abend heute ist eine "Hommage". Wir hätten auch von einem Ehrerweis oder einer Lobpreisung sprechen können. Aber wir müssen nicht. Deutsch ist selbstbewusst genug, sich mit Worten aus anderen Ländern bestens zu vertragen.

Sehr geehrte Damen und Herren,
Deutsche Außenpolitik ist werteorientiert und interessengeleitet. Das sind keine Gegensätze. Besonders klar wird das in unserer Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik: Mit der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik vermitteln wir unsere Werte ganz unmittelbar. Und gerade die Vermittlung dieser Werte liegt in unserem ureigenen Interesse. Mit Staaten, die die Menschenrechte achten, die Rechtsstaatlichkeit entwickeln, können wir politisch wie wirtschaftlich berechenbar zusammenarbeiten. In einem Rechtsstaat können sich Unternehmen darauf verlassen, dass sie ihre Investitionen vor Gericht verteidigen können, wenn es notwendig ist. Gegenüber Staaten, mit denen wir ökonomisch und gesellschaftlich eng verbunden sind, können wir Differenzen offen ansprechen und Lösungen finden. Interessen und Werte sind kein Gegensatz, sondern verantwortungsvolle Außenpolitik, das ist beste Tradition unseres Landes, und bringt beides zusammen.

Wer für Rechtsstaatlichkeit eintritt, eröffnet Freiheitsräume für Menschen. Ideen, die man in einem Goethe-Institut frei diskutiert, sind Ideen, für die man manchmal zwei Häuser weiter ins Gefängnis geworfen werden kann. Diese intellektuelle Freiheit zu fördern, ist ein Auftrag, den Deutschland erfüllen will und dem ich mich auch ganz persönlich verpflichtet fühle.

Aufgabe der deutschen Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik ist, die Welt von morgen mitzugestalten. Cornelia Pieper weiß ich dabei an meiner Seite. Wir nehmen das sehr Ernst in diesem Amt. Schon eine einzige Zahl zeigt Ihnen die Bedeutung der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik, was sehr viele, wenn sie über Auswärtige Politik lesen und reden, gar nicht wissen: 2009 investierte die Bundesrepublik fast 750 Millionen Euro in dieses Politikfeld. Das sind etwa ein Viertel des gesamten Haushaltes des Auswärtigen Amtes. Nur wenn der Dialog zwischen den Kulturen gelingt, werden wir auf Dauer in Frieden und in Freiheit leben können.

Sehr geehrte Damen und Herren,
Wer eine Sprache spricht, begegnet sich mit wechselseitigem Respekt. In den Ländern Mittel- und Osteuropas ist Deutsch eine Sprache der Jugend. In Polen lernen gegenwärtig über 2,3 Millionen Menschen Deutsch. Über die Sprache und über die Kultur vermitteln wir ein zutreffendes Bild des Deutschlands von heute. Ein Deutschland, das für Offenheit und Freiheit, für Toleranz und Werte, für Erfolg und Leistungsbereitschaft, für Bildung und Innovationen steht.


 
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